LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

ACEL-Vize-Präsidentin Joëlle Pizzaferri gibt Rück- und Ausblick

Eine Handvoll Studenten hatte sich im Jahr 1984 zusammen getan, um sich Gehör zu verschaffen. Inzwischen ist daraus eine Vereinigung geworden, die 43 Studentenvereine quer durch die Welt vertritt. Die „Association des Cercles d‘Étudiants Luxembourgois“ (ACEL) gilt heute als Sprachrohr für rund 10.000 luxemburgische Studenten. Gestern hatte die ACEL zu ihrer alljährlichen Generalversammlung eingeladen. Im Vorfeld stand uns bereits (die jetzt Ex-) Vize-Präsidentin Joëlle Pizzaferri Rede und Antwort.

Welche Bilanz ziehen Sie vom auslaufenden Jahr?

Joëlle Pizzaferri Der Vorstand kann sehr zufrieden auf seine Leistungen zurückblicken. Anfang 2012 haben wir den neuen „Guide du futur étudiant“ herausgegeben, diesmal mit noch mehr Inhalt und in neuem Design. Es ist dies bereits die 25. Ausgabe. Wir sind sehr stolz auf den Erfolg unseres Studienberaters. 2012 haben wir wie immer eine ganze Reihe an aktuellen Themen behandelt und können auch gewisse Erfolge verbuchen, beispielsweise was das „statut étudiant“ bei der Gesundheitskasse anbelangt. Wir waren der Meinung, dass auch Studenten, die nicht hier in Luxemburg über ihre Eltern versichert sind, die Möglichkeit haben sollten, sich über einen vernünftigen Preis bei der gesetzlichen Krankenkasse zu versichern. Das wurde jetzt auch so angenommen und wird wohl Anfang 2013 endgültig gestimmt. Das ist eine tolle Sache. Auch in puncto Pensionsreform haben wir versucht, ein Wörtchen mitzureden. Leider mit weniger Erfolg. Die Diskussion rund um das Erasmus-Budget haben wir ebenfalls verfolgt und freuen uns darüber, dass die Erasmus-Programme (für nächstes Jahr jedenfalls) gerettet wurden. Die Sekundarschulreform hat uns besonders beschäftigt. Wir sind dabei, einen diesbezüglichen Meinungskatalog vorzubereiten. Im nächsten Jahr steht eine Unterredung mit der Ministerin an, der wir unsere Ansichten in diesem Dossier auf jeden Fall darlegen möchten.

Mit welchen Problemen hatten die luxemburgischen Studenten 2012 zu kämpfen?

Pizzaferri Nun, vor allem müssen die Studenten natürlich immer viel lernen. Damit haben sie also sowieso immer zu kämpfen. Was die finanzielle Studienhilfe anbelangt, so haben wir die Studenten darauf aufmerksam gemacht, wie sie sich über den Weg eines „recours gracieux“ wehren können, falls ihnen ein Stipendium verwehrt wurde. Ist man also der Ansicht, ungerecht behandelt worden zu sein, kann man diese Entscheidung über den Weg eines eingeschriebenen Briefes anfechten und muss nicht erst einen Anwalt einschalten. Uns sind 86 Fälle bekannt, in denen Anträge auf eine finanzielle Hilfe wegen „résultats gravement insuffisants“ abgelehnt wurden. Das Problem ist, dass niemand weiß, was genau diese Klausel im Gesetz bedeutet, was also „résultats gravement insuffisants“ konkret heißt. Damit wird sich die ACEL mit Sicherheit demnächst beschäftigen. Es kann nämlich nicht sein, dass dir etwas verwehrt wird, und du weißt nicht genau weshalb. Wann ist ein Resultat so schlecht, dass du nicht mehr das Recht auf eine finanzielle Unterstützung hast? Einmal durchfallen? Zweimal durchfallen? Eine ganze Menge Fragen gilt es rund um dieses Thema zu klären. Wir fordern klare Richtlinien.

Welche Themen wird die ACEL 2013 außerdem im Auge behalten?

Pizzaferri Wir warten immer noch darauf, dass die Bachelor-Laufbahn ihren Weg durch die Abgeordnetenkammer macht. Damit wird eine lange Forderung erfüllt. Die Pensionsreform war leider eine totale Niederlage für die Studenten. Nichts wurde geändert, die Studenten werden auch weiterhin nicht berücksichtigt. Das sollte aber der Fall sein. Die Umsetzung der Sekundarschulreform werden wir weiterhin begleiten und uns einmischen. Dann hat Hochschulminister François Biltgen ein neues Projekt in Aussicht gestellt, das wir auf jeden Fall genau verfolgen werden. Er will ein generelles Gesetz über das Statut des Studenten auf den Weg bringen, in dem also alles geregelt wird. Der luxemburgische Student soll endlich ein einheitliches Statut erhalten, was es ja in vielen Bereichen in Luxemburg so noch nicht gibt. Wir haben bereits erste Ideen gesammelt. Das aktuelle Problem unserer Studienbeihilfen wird uns auch künftig beschäftigen. Wir hoffen natürlich, dass auch weiterhin ein Studium in vollständiger Unabhängigkeit möglich sein wird, ohne dass sozialer Hintergrund, finanzielle Schwierigkeiten oder Wahl des Studienortes zum Hindernis werden könnten.