LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Wasserbilliger Drogenaffäre: Staatsanwalt hält an der „Kriminellen Vereinigung“ fest

Im Prozess um die Wasserbilliger Drogenaffäre hat der Anklagevertreter am Mittwoch sein Plädoyer gegen die 21 Angeklagten fortgesetzt. Im Falle der Hauptangeklagten Miss Bekki, die auf freiem Fuß ist, plädierte er auf zwölf Jahre Gefängnis (davon drei Jahre auf Bewährung) wegen Drogenhandels und Geldwäsche. Das sind drei Jahre mehr wie in erster Instanz. Gegen die zwei Hauptangeklagten Joseph E. und Paul Henri forderte der Ankläger eine Freiheitsstrafe von jeweils 15 Jahren und eine Geldstrafe von jeweils 10.000 Euro wegen Drogenhandels und Geldwäsche. Die Strafen der weiteren achtzehn Straßendealer sollen aus Sicht des Anklägers teils beibehalten, teils heruntergesetzt, teils erhöht werden.

Der Staatsanwalt hielt an seiner Anklage folgende Punkte fest: Der Angeklagte Victor Ugochukwu N. (41), genannt „ Christian „, alias Paul Henri, würde schon seit mindestens zehn Jahren massiv Drogenhandel betreiben. So sei er bereits in der Schweiz aufgefallen und dort verurteilt worden. Der Mann wäre zwar nie im Bahnhofsviertel aufgefallen, für den Staatsanwalt ist jedoch klar, dass er massiv Kokain an die achtzehn nigerianische Straßendealer verkauft hat. Die wohnten nachts in Wasserbillig im „Drogenbunker G33“ und dealten am Tag mit Kokain im Bahnhofsviertel.

Jeder wusste Bescheid

Am 27. Oktober 2015 konnten Polizei und Zoll 14,3 Kilo Kokain in dem Haus in Wasserbillig beschlagnahmen. Verteidiger Fränk Rollinger hatte bekanntlich die Quantität der Droge, das Abhören der Handys und die kriminelle Vereinigung seines Mandanten Paul Henri in Frage gestellt. Der Staatsanwalt legte sich am Mittwoch nicht auf die Quantität des Kokains fest. Es sei aber völlig egal, ob es sich um 14, zwölf oder zehn Kilo Kokain handeln würde, das würde nichts am Anklagepunkt ändern. Was die Verteidigung vorbringe, sei an den Haaren herbeigezogen.

Für den Staatsanwalt sind Miss Bekki und Joseph E. aktiv am Drogenhandel beteiligt gewesen. Er hielt es darüber hinaus auch für wichtig, sich in seinem Plädoyer auf die Geldwäscherei zu konzentrieren. Dass das Geld aus Prostitution stamme, wäre natürlich kompletter Blödsinn. Die Polizei hatte Auflistungen mit diversen Summen beschlagnahmt, immerhin 136.000 Euro. Es sei unbestreitbar, dass die Summe eng mit dem Drogenverkauf zu tun habe.

„Es ist bestimmt schwierig für alle, die aus anderen Ländern zu uns kommen und als abgelehnte Asylbewerber hier nicht arbeiten dürfen“, räumte der Staatsanwalt ein. Er fügte aber hinzu: „Joseph E. hat seine Landsleute ausgebeutet. Jeder wusste Bescheid, dass die Straßendealer ihre Mieten mit dem Drogengeld bezahlten.“ Auch der Strafpunkt „Kriminelle Vereinigung“ sei erfüllt. Die Verteidigung hat auch am Mittwoch den Bandenvorsatz zurückgewiesen. Das Urteil soll am 7. Februar 2018 fallen.