COLETTE

Dass das Traditionsgeschäft „à la bourse“ in der Hauptstadt geschlossen wurde, löste in der Öffentlichkeit ähnliche Emotionen aus wie jene der Geschäftskette „Monopol“ im Jahr 2003. Das Verschwinden eines Geschäfts, das zum Stadtbild gehörte, offenbart, dass die Beziehung der Menschen zu jenen Orten, an denen sie einkaufen, in die Gefühlswelt und auch in die persönlichen Erinnerungen hineinreichen. Darüber hinaus reflektiert die Aktualität um „à la bourse“ auch das Ende einer Ära, weil sich heute andere Formen des Konsums durchgesetzt haben. Die öffentlichen Debatten der letzten Jahre haben gezeigt, dass größere Handelsflächen fester Bestandteil der National-und Lokalpolitik sind. Der Handel ist und bleibt ein wichtiger Wirtschaftszweig und ein Jobmotor. Auch gibt es einen engen Zusammenhang zwischen einem florierenden Handel und attraktiven Innenstädten, so dass im Endeffekt die Atmosphäre einer Stadt zu einem Zusammenspiel handels-, kultur- und sozialpolitischer Anliegen wird.

Die Veränderung des Handels über die letzten Jahrzehnte ist derart beeindruckend, dass sie durchaus eine nähere Analyse verdient, berührt sie doch maßgeblich unser alltägliches Leben.

Tatsache ist, dass es immer schwieriger wird, die alltäglichen Dinge des Lebens überhaupt noch in den Innenstädten zu finden, die mehr und mehr der Kleiderbranche, und in der Luxemburger Oberstadt auch vorwiegend Luxusboutiquen gewidmet sind. Während einerseits die Politik den Handel durch entsprechende Initiativen wie die Schaffung von Parkraum, Fußgängerzonen, sowie Straßenanimationen und Kulturangeboten unterstützt, bleibt ein wesentlicher Aspekt des Handels ganz dem freien Markt überlassen. Die Politik hat keine Kontrolle über die Mieten in den Innenstädten, die nur noch für Wenige erschwinglich sind. Hier klaffen dann Angebot und Nachfrage auseinander. Die normalen Dinge für den alltäglichen Bedarf sind nur noch in den großen Supermärkten zu finden, wo es für Konsumenten heute immer schwerer wird zu entscheiden, was man eigentlich braucht und was einen einfach nur neugierig macht. In Zeiten wirtschaftlicher Krisen und fortschreitender Armut werden hier Konsumverhaltensweisen gefördert, die den finanziellen Möglichkeiten vieler gar nicht mehr entsprechen. Traditionsgemäß ist der Handel ein innovativer Sektor. Interneteinkäufe mit Zubringerdienst, die Einrichtung von Lebensmittelgeschäften an Tankstellen sind einige Antworten auf die offenen Fragen der Nahversorgung in unserer Gesellschaft.

Der Handel hat sich der Schnelllebigkeit des modernen Lebens angepasst, und doch droht hier, etwas verloren zu gehen: Nämlich der manchmal lebenslange Kontakt der Menschen, der Familien, zu ihrem Lebensmittel- oder Zeitungsverkäufer, zum Schuh-oder Kleidergeschäft. Und doch versucht der Handel auch hier zu handeln, und diese Werte wieder gezielt zu beleben. Viele Akteure des Sektors wissen nämlich, dass der direkte und sympathische Kontakt zum Kunden ein Muss ist in einer Branche, aus der die Emotionen der Menschen nicht wegzudenken sind.