LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Überfall auf Juwelier in Schifflingen: Staatsanwaltschaft fordert sechs Jahre Haft

Rund sechs Jahre liegt der Überfall auf ein Juweliergeschäft in Schifflingen zurück. Jetzt muss sich einer der vier Täter vor dem Bezirksgericht Luxemburg für den Raub verantworten.

Der 49-jährige Dragan P. soll mit drei anderen Männern im Mai 2012 am Überfall auf das Juweliergeschäft in Schifflingen beteiligt gewesen sein. Ein Laden, der bereits einmal zuvor im März 2012 von Räubern überfallen worden war. Von der Beute und den Komplizen fehlte jede Spur.

Nach dem zweiten Überfall im Mai 2012 konnte einer der Täter, der heute 54-jährige Ljubinko Dechnik festgenommen werden. Das Gericht hatte den Angeklagten bis zur Prozessverhandlung zunächst auf freien Fuß gesetzt. Dechnik war allerdings seiner mündlichen Verhandlung im Oktober 2016 ferngeblieben. Am 24. November 2016 wurde er in einem Versäumnisurteil wegen Raub und versuchten Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren ohne Bewährung verurteilt. Zur Zeit befindet sich Dechnik auf der Flucht. Interpol sucht seitdem den 54-Jährigen aus Serbien mit internationalem Haftbefehl.

Verteidigung: Gegenwehr maßlos überzogen

Als Mitglied einer vierköpfigen Gang soll P. an den zwei Überfällen beteiligt gewesen sein. Die Kriminalpolizei konnte den tatverdächtigen Mann mittels DNS-Spuren ermitteln. Jahrelang versteckte sich der mutmaßliche Mittäter erfolgreich im Ausland, unter anderem in der Schweiz und Spanien. Am 12. Juli 2017 wurde er von Spanien an die Luxemburger Justiz ausgeliefert. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft

Es ist der 30.Mai 2012. Mindestens vier vermummte Täter parken gegen 4.00 ihren Wagen vor dem Juweliergeschäft in Schifflingen, brechen ein und entwendeten Schmuck im Wert von insgesamt 37.000 Euro.

Was dann geschieht, ist filmreif: Im Video, das ein Zeuge mit seinem Handy aufgenommen hatte, sind die Täter kaum zu erkennen. Zu schnell ging die Tat vor den Augen der Zeugen über die Bühne. Das Video wurde gestern im Gerichtssaal gezeigt. Wie zu sehen ist, rennen die Täter aus dem Geschäft und wollen in ein Auto, einen Opel Astra mit deutschem Kennzeichen, steigen. Doch die Diebe haben ganz offensichtlich die Rechnung ohne den wehrhaften Juwelierbesitzer gemacht. Der schnappt sich einen Baseballschläger, läuft durch die Hintertür auf die Straße und nahm die Verfolgung auf. Hier liefert sich der Juwelier eine Schlägerei mit den Räubern, schlägt mit dem Baseballeschläger in das Autofenster und auf die Täter ein. Die Räuber können sich nur noch ins Auto retten. Sie geben Gas, der Juwelier springt zur Seite und kommt zu Fall, verletzt sich leicht.

Bisher hat der Serbe über seinen Komplizen Dechnik geschwiegen. Er kenne ihn kaum. Wer noch zur Gang gehört, wisse er nicht genau. Nach dem Motto: „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.“ P. sei einfach nicht mehr in der Lage, sich an Details des Überfalls zu erinnern.

Sein Verteidiger fand die Gewaltreaktion des Juwelierbesitzers maßlos übertrieben. Die Gewaltaktion nannte der Verteidiger eine „peine naturelle.“ Er beantragte eine Strafe auf Bewährung.

Das sah die Anklagevertreterin ganz anders. Die Staatsanwaltschaft geht zwar nicht mehr davon aus, dass hier Tötungsabsicht bestand. Für die Anklagevertreterin war die Reaktion des Juwelierbesitzers verständlich. Er hätte nur sein Eigentum verteidigt. Für sie ist auch der Tatbestand der „kriminellen Vereinigung“ erfüllt: Sechs Jahre Haft, so ihre Forderung.

Das Urteil fällt am 8. März 2018.