LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Der sogenannte Juncker-Plan hat bislang für 89 Millionen Euro Investitionsvolumen allein in Luxemburg gesorgt - wer davon profitieren kann und wie das geht weiß Yuriko Backes

Nach der Finanzkrise 2007/2008 ging es der Wirtschaft schlecht. Eine Idee, um sie wieder anzukurbeln, ist die Investitionsoffensive für Europa, der so genannte Juncker-Plan. Er garantierte insgesamt 21 Milliarden Euro für Investitionen in Geschäft und Infrastruktur, von denen 16 Milliarden aus dem EU-Haushalt kommen und weitere fünf Milliarden von der Europäischen Investitionsbank. Was aber hat er bislang gebracht und wie können Unternehmen in Luxemburg davon profitieren? Das weiß Yuriko Backes, Leiterin der Vertretung der Europäischen Kommission in Luxemburg.

Frau Backes, wie läuft der Juncker-Plan zur Anschiebung von Investitionen in Europa?

Yuriko Backes Zunächst ist klar, dass die Europäische Kommission verschiedene Ziele verfolgt, nämlich die Beseitigung von Investitionshindernissen, die Bekanntmachung und technische Unterstützung von Investitionsprojekten und die intelligentere Nutzung der finanziellen Ressourcen. Mit einem Ansatz, bei dem große Einheiten sich um große Fragen und kleine Einheiten um kleine Probleme kümmern, wollen wir Probleme der Finanzkrise wie die Jugendarbeitslosigkeit, soziale Situationen und prekäre Lagen von Unternehmen ändern. Die Zahlen sind übrigens vielversprechend. Bislang haben europaweit 539.600 kleine und mittlere Unternehmen davon profitiert, es gab 277 große Infrastrukturprojekte und es wurden rund 300.000 Arbeitsplätze geschaffen. Bis 2020 rechnen wir mit 700.000 Arbeitsplätzen. Etwa 81 Prozent der bereit gestellten Mittel wurden schon ausgelöst, das entspricht umgerechnet 256,1 Milliarden Euro, unter anderem durch Projekte wie Windparks in Schweden oder Alzheimer-Behandlung durch ein spanisches Unternehmen. In drei Jahren wollen wir 315 Milliarden Euro von privaten und öffentlichen Investoren mobilisieren.

Wie wurde er bislang in Luxemburg angenommen?

Backes Sehr gut! In Luxemburg wurden bislang vom Europäischen Fonds für Strategische Investitionen, dem EFSI, 89 Millionen Euro freigegeben. Wir gehen davon aus, dass dadurch insgesamt gut 284 Millionen Euro Investitionen generiert werden. Wir haben berechnet, dass durch diese Investitionen das Bruttoinlandsvolumen um rund 0,27 Prozent wächst. Ohne Europa wäre das nicht gegangen. Wir haben als Land natürlich auch das Glück, das hier die Europäische Investitionsbank mit der Gruppe sitzt, zu der auch der Europäische Investitionsfonds gehört.

Können Sie konkrete Beispiele von Unternehmen nennen?

Backes Gern. Das Restaurant „Syriously“, das ein syrischer Kriegsflüchtling eröffnet hat, ist durch den Juncker-Plan finanziert worden, ebenso das Escher Restaurant „East Block“, der Handy- und PC-Reparaturbetrieb Techno-Tick in Ettelbrück oder der Fahrzeughandel Lux Cars in Sassenheim. Auch der Schmuckhandel „Diamant Africain“, der Pharmahändler Flen Pharma und die Tanzschule „Dance Atelier“ haben vom EFSI profitiert. Das Programm kommt also durchaus kleinen und mittleren Unternehmen zu Gute. Viele Unternehmen wollen es jedoch nicht öffentlich machen, dass sie Gelder angefragt haben. Kleinere Unternehmen machen auf EU-Ebene übrigens 30 Prozent der bislang vergebenen Kredite aus. Es gibt verschiedene Programme innerhalb des Plans, die auch technische Hilfe beinhalten können. Da ist es gut, sich die Details im Internet auf der Seite www.eif.org anzusehen, wo es auch Details zur Europäische Plattform für Investitionsberatung gibt, die die europäische Schnittstelle für Investitionsförderung ist, oder mit einer der Partnerbanken hier zu sprechen.

Welche Banken machen denn hierzulande mit?

Backes Die vier Institute Banque International à Luxembourg, die ING Bank, die BGL BNP Paribas sowie Microlux sind Partner des EFSI. Wichtig ist, dass es keine Quoten pro Land gibt, ebenso wenig existieren Branchenauflagen. Wer ein gutes Projekt hat, kann also vom EFSI profitieren. Was ausgewählt wird, hängt von den Anfragen ab. Das können Projekte im Bereich Verkehr oder Innovation ebenso sein wie soziale Projekte. Die Chancen für Unternehmen stehen gut, aber auch Anfragen aus dem öffentlichen Sektor sind möglich. Es gibt kein Limit bei der Kredithöhe. Da Microlux ebenfalls Partner ist, ist es auch interessant für Leute, die sonst keinen Kredit erhalten hätten. Der Juncker-Plan läuft bis 2018. Der EFSI-Nachfolger, der so genannte EFSI 2.0, soll bis 2020 laufen und mindestens 500 Milliarden Euro Investitionen generieren.

Der Plan war eigentlich als Hilfsmittel wegen der Finanzkrise gedacht. Wie geht es nach 2020 damit weiter?

Backes Das diskutieren die EU-Mitgliedsländer aktuell, weil die positiven wirtschaftlichen Effekte offensichtlich sind. Viele würden das gern weiterführen. Allerdings soll bei einer Neuauflage noch mehr Wert auf die Erreichung von Klimazielen gelegt werden. Darüber hinaus hat sich auch gezeigt, dass es Länder gibt, die keine Unterstützung mehr brauchen.

Gehört Luxemburg dazu?

Backes Luxemburg will gern ein digital Hub sein und setzt auf ICT und den Ausbau seiner Infrastruktur. Das ist ein Bereich, der sehr investitionsintensiv ist. Doch darüber hinaus gibt es hier auch noch andere Unternehmen in einer Reihe von Bereichen , die eine Unterstützung vom so genannten Juncker Plan beantragen können.

 

Investitionsplan: ec.europa.eu/invest-eu

Lokale Ansprechpartner, Partnerbanken, Projekte: www.eib.org