LUXEMBURG
CORDELIA CHATON
„Making Waves“: Tipps zur Reduzierung des Plastikverbrauchs

Jedes Gramm zählt

Essen und Trinken: -Plastikflaschen, die nur einmal verwendet werden, sollten vermieden werden. Falls möglich sollte man auf Flaschen aus Edelstahl setzen, 
die wieder verwendet werden können.
-Vermeiden Sie Plastikbecher und Plastikverpackungen bei Esswaren, wenn diese nicht kompostierbar sind. Das gilt auch für kleine Details wie Strohhalme oder Rührstäbchen beim Kaffee. Alternativen  aus Edelstahl oder Holz sind vorzuziehen.
-Lebensmittel gibt es bestenfalls in wiederverwertbarer Verpackung.
Kleidung und Schuhe: -Statt Synthetik sollten Sie so oft wie möglich organische Stoffe 
wie Baumwolle, Wolle, Hanf oder Leinen tragen. Bestenfalls sollten diese Kleidungsstücke auch nur natürlich gefärbt und ungebleicht  in ihrer Herstellung sein.
-Plastikschuhe und -sandalen im Besitz sollten so oft wie möglich 
weiter verwendet werden; beim Ersatz sollte auf Alternativen aus Leder oder natürlichem Gummi ausgewichen werden. Dasselbe gilt für Hüte, Handschuhe oder Sonnenbrillen.
Körperpflege:-Wegwerfprodukte in Plastikhüllen sind zu vermeiden. Bestenfalls stammt die Handseife oder das Shampoo aus wiederbefüllbaren Behältern.  
-Zahnbürsten gibt es alternativ auch aus Holz und Naturfasern, statt ausschließlich aus Plastik.
-Körperpflegeprodukte mit Plastik-Mikroperlen sollten nicht genutzt werden; pflanzliche Alternativen sind vielleicht teurer, aber umweltverträglicher.
-Statt Plastik-Ohrstäbchen auf alternative Produkte setzen.
Babyprodukte: -Windeln mit hohem Plastikanteil gilt es ebenso zu vermeiden wie Becher oder Trinkfläschchen aus Plastik; alternative Produkte aus Edelstahl können besser wiederverwertet werden.
-Reinigungstücher aus kompostierbaren Materialien sind 
umweltverträglicher und setzen nicht auf Plastik.
-Die Benutzung von Plastikschnullern sollte ebenfalls nach Möglichkeit vermieden werden.

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: China spielt nicht mehr mit als Weltimporteur des Drecks der anderen. Plastikabfälle und mehr als 20 andere Recycling-Materialien dürfen seit Januar 2018 nicht mehr eingeführt werden. Noch 2016 hatte die Volksrepublik rund 7,3 Millionen Tonnen Plastikmüll eingeführt.
Die EU reagierte darauf mit einer Ankündigung. Bis 2030 sollen alle Plastikverpackungen recycelbar sein. Doch das ist noch weit weg. Fühlen sich die Nachfolger jetziger Politiker dann noch daran gebunden? Wobei ohnehin die Frage bleibt, warum die EU Müllexporte gegen zweifelhafte Zertifikate akzeptiert hat – wohlwissend, dass viel verbrannt wurde oder in Flüssen oder Entwicklungsländern landete.
Jetzt verkündet die EU eine Analyse. Das zweitrangige Rohmaterial soll aufgewertet werden. Peinlich: Bislang war es günstiger, neues Plastik zu produzieren als benutzte Kunststoffe zu recyceln. Ein Hindernis dabei ist die Vielfalt von Plastik. Daneben wird überlegt, ob es finanzielle Anreize oder eine Plastiksteuer geben soll. Es bleibt das Gefühl, dass der richtige Schritt am Ende aus der Not geboren wird. Auch eine Recyclingquote von bislang nur 30 Prozent ist wenig schmeichelhaft und spricht für eine Ignoranz des Problems. Dabei ist Plastik ein Stoff, der oft hunderte von Jahren braucht, bis er abgebaut ist – wenn überhaupt – und besonders gern für Wegwerfartikel genutzt wird. Das weiß auch EU-Kommissar Frans Timmermans: „Es dauert fünf Sekunden, das zu produzieren, fünf Minuten, es zu nutzen und etwa 500 Jahre es wieder abzubauen.“ Bislang tat kaum jemand etwas, die Mengen steigen immer weiter: Allein in der EU fallen pro Jahr 26 Millionen Tonnen Plastikmüll an. Sehr viel davon landet im Meer, dort sollen bis zu 142 Millionen Tonnen Plastik treiben. Sie bringen Tiere um, gefährden nachgewiesenermaßen 800 Arten, wurden aber auch schon in Lungen und Blutbahn von Menschen nachgewiesen.
Europa hat Plastiktüten den Kampf angesagt, doch angesichts der Weltmeere, in denen fünf Plastikozeane, bestehend aus Mikropartikeln, aber auch ganzen Wäschekörben oder Zahnbürsten, Strohhalmen und Wattestäbchen schwimmen, reicht das bei weitem nicht. Der größte dieser Müllstrudel ist mittlerweile flächenmäßig so groß wie Europa. Seit der Entwicklung des Kunststoffs hat die globale Industrie rund 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert. Konzerne wie Danone, McDonalds, Lego oder Coca Cola haben aufgrund des öffentlichen Drucks eigenverantwortliche Initiativen angekündigt. Das ist gut, sollte aber kein „Greenwash“ werden. Darum geht es derzeit in der Diskussion um Bio-Plastik, das häufig diese Bezeichnung nicht verdient.
Ein ganz anderes Problem ist noch das mangelnde Bewusstsein in Entwicklungsländern. Wer heute durch Asien oder Afrika reist, sieht dort Plastik auf der Straße, auf den Feldern, in den Flüssen. Eine Ausnahme ist Ruanda, das Plastik vor zehn Jahren den Kampf angesagt hat. Seither ist Kigali eine der saubersten Hauptstädte des Kontinents. Auf das Problem machte zuletzt der Umweltgipfel im Dezember in Kenia aufmerksam. Darüber wurde nur wenig berichtet.
Dennoch mehren sich vor allem auf den sozialen Netzwerken Bilder wie die der Fotografin Caroline Power, die die Plastikflut anprangern. Sie zeigen, wie wichtig eine Strategie ist – und das Handeln jedes einzelnen.