LUXEMBURG
INGO ZWANK

„Fondation Lëtzebuerger Kannerduerf“ organisierte Fachkonferenzwoche zum Thema Traumapädagogik

Im Jahr 2017 waren 120 Kinder und Jugendliche Tag und Nacht beim „SOS Kannerduerf“ in Betreuung, 280 in ambulanter.

Das intensive und wiederholte Erleben von Hilflosigkeit, Ohnmacht und Willkür führt bei Kindern und Jugendlichen dazu, dass sie keinen Sinn und keinen Wert in sich und ihrem Handeln sehen können, wie es von den Verantwortlichen des „SOS Kannerduerf“ heißt. Die Kinder würden so Gefühle, Gedanken und Beziehungsinhalte der traumatisierenden Situationen immer wieder auf aktuelle übertragen. Daher legt die „Fondation Lëtzebuerger Kannerduerf“ seit 2014 auch einen Schwerpunkt auf eine traumapädagogische Herangehensweise. Karin Kiesendahl, die pädagogische Leiterin, spricht von einer „ressourcenorientierten Haltung“ und einer „Herangehensweise auf Augenhöhe“ bei den Kindern. In dieser Woche hatte die „Fondation Lëtzebuerger Kannerduerf“ zu einer Konferenzwoche samt Workshops zum Thema Traumapädagogik eingeladen. „SOS Kannerduerf Lëtzebuerg“ will mit der Fachkonferenz „Menschen, die in ihrem beruflichen und privaten Alltag traumatisierten Kindern begegnen, eben neue Handlungsmöglichkeiten aufzeigen“, sagt Kiesendahl gegenüber unserer Zeitung. Aktuell sind übrigens elf Personen beim Kinderdorf als Traumpädagogen aktiv.

Eine Vielfalt an Möglichkeiten

„Das bedeutet auch, dass das Kind nicht auf seine Schwächen reduziert wird, sondern hier seine Stärken hervorgehoben werden. Dem Kind soll eine Perspektive präsentiert und somit eine optimistische Haltung vermittelt werden.“ So fanden in der Abtei Neumünster Vorträge über die Psychotraumatologie und Workshops statt, es wurde erörtert, wie man traumatisierten Kindern und ihren Familien helfen kann. Dabei sei anzumerken, dass die Kinder die eigentlichen Experten ihrer eigenen Lebensumstände sind, sie müssen lernen, im Alltag über ihre Gefühle zu sprechen, was für die Kinder eine Art Weiterbildung darstelle.

Denn viele der Verhaltensweisen, mit denen Kinder und Jugendliche auf Traumatisierungen reagierten, seien für ihr Umfeld mitunter schwer nachvollziehbar und manchmal auch belastend, wie Kiesendahl berichtet. Forschungserkenntnisse aus Psychotraumatologie und Hirnforschung ermöglichten es aber heute, ein professionelles Verständnis der Auswirkungen von psychischen Traumata auf die Entwicklung und Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen, beschreibt Kiesendahl die Situation. „Traumapädagogik bietet eine Vielfalt an Möglichkeiten zur Förderung des Selbstverstehens, der Emotionsregulation, der physischen und psychischen Widerstandsfähigkeit, sowie der Partizipation“, wie Kiesendahl weiter erläutert. Die traumapädagogische Grundhaltung würden so ein aus fachlicher Sicht verändertes Verständnis von Gruppenprozessen und Gruppendynamik beinhalten, „von haltgebenden Strukturen, bindungsförderndem Verhalten und Stabilisierung, sowie auch von der Zusammenarbeit mit dem familiären Umfeld. Und unsere erste internationale Fachkonferenzwoche in Luxemburg befasste und befasst sich mit den unterschiedlichen Aspekten dieser kindlichen Trauma.“

Professionelles Verständnis der Auswirkungen

Es sei das Anliegen von „SOS Kannerduerf Lëtzebuerg“, „Menschen, die in ihrem beruflichen und privaten Alltag traumatisierten Kindern und Jugendlichen begegnen, wie Erzieher, Lehrer, Krankenpfleger, Pädagogen, Pflegeeltern, Ärzte, neue Handlungsmöglichkeiten aufzuweisen.“ Dies dank Forschungserkenntnissen aus Psychotraumatologie und Hirnforschung, die es heute ermöglichen, „ein professionelles Verständnis der Auswirkungen von psychischen Traumata auf die Entwicklung und Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen zu erhalten.“