LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Im Kino: „Wonder“ wird kein Auge trocken lassen

Filmregisseur Stephen Chbosky wurde 2012 durch „The Perks of Being a Wallflower“ bekannt. Für seinen neuen Film „Wonder“ adaptierte er den gleichnamigen New-York-Times-Bestseller von Raquel J. Palacio aus dem Jahr 2012. Die Geschichte des im Gesicht entstellten Jungen erinnert an die von „Mask“ (1985) von Peter Bogdanovich, mit Cher und Eric Stoltz in der Rolle des Jungen Rocky. Doch die Thematik weitet sich hier auf eine ganze Familie und ihre Probleme aus.

Der entstellte Astronaut

August Pullman (Jacob Tremblay), genannt Auggie, ist von Geburt an durch einen Gendefekt im Gesicht entstellt. Seine Mutter Isabel (Julia Roberts) erzog den Jungen bisher zu Hause. Während der Vater Nate (Owen Wilson) seiner Arbeit nachging, gab Isabel das Schreiben ihrer Master-These auf, wie auch das Illustrieren von Kinderbüchern. Tochter Via (Izabela Vidovic) ist bei der ganzen Sorge um Auggie etwas ins Abseits geraten. Nun soll Auggie, der sich gerne einen Astronautenhelm aufsetzt, um sein Aussehen zu verstecken, wie alle anderen Kinder in die Schule gehen, wo er in der fünften Klasse beginnt.

Auf Anweisung vom Schuldirektor Tushman (Mandy Patinkin) zeigen ihm die Schüler Jack Will (Noah Jupe), Charlotte (Elle McKinnon) und Julian (Bryce Gheisar) die Schule. Einzig Jack Will freundet sich mit Auggie an, während die anderen ihn wegen seines Aussehens meiden, ja sogar behaupten, dass, wenn man ihn berührt, man die Pest bekäme. Am Anfang ist dieses Mobbing für den superintelligenten Auggie, der davon träumt, Astronaut zu werden, unerträglich. Doch nach und nach kann er mit seinem Humor und seiner einfachen Art die Mitschüler für sich gewinnen. Bei einer Halloween-Party hört er, wie Jack Will Böses über ihn sagt, und erneut bricht die frisch aufgebaute Welt für Auggie zusammen.

Fabelhafte Kinderdarsteller

Jacob Tremblay bewies bereits 2015 in „Room“ von Lenny Abrahamson seine schauspielerischen Fähigkeiten. Diesmal spielt er mit einer Maske, und erneut ist man von seinem Spiel beeindruckt. Er ist durch und durch dieser Junge, der sich nichts sehnlicher wünscht, als akzeptiert zu werden. Ihm gelingt dies, indem er nur er selbst ist.

Noah Jupe kann man zurzeit auch in „Suburbicon“ von George Clooney sehen, wo der junge Brite eine schwerere Rolle zu spielen hat als die des netten Jack Will. Und er meistert diese scheinbar einfache Rolle problemlos. Dann wäre noch Izabela Vidovic zu erwähnen, die mit einer überwältigenden Ehrlichkeit und Einfachheit die Schwester spielt, die ihr Leben im Griff hat, doch manchmal etwas Beachtung von ihrer Mutter erwartet. Alle anderen Kinderdarsteller meistern ihre Rollen mit Bravour, sodass die Hollywood-Größen Roberts und Wilson zu kämpfen haben, um überhaupt wahrgenommen zu werden.

Die Geschichte von Auggie ist mit sehr viel Gefühl verfilmt. Einige Szenen gehen direkt ins Herz, sodass man die Taschentücher nicht vergessen sollte. Somit ist „Wonder“ einer der besten Filme des Jahres.