LUXEMBURG
PAUL HEBER

Bevor Kinder und Jugendliche ihr Leben aufs Spiel setzen, um über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, sind sie auf ihrer Fluchtroute einem erhöhten Risiko ausgesetzt, in die Fänge von Schmugglern und Menschenhändlern zu geraten und ausgebeutet zu werden. Das ist die Kernaussage eines gemeinsamen Berichts des UN-Kinderhilfswerks UNICEF und der Internationalen Organisation für Migration (IOM), für den Interviews mit rund 11.000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 14 bis 24 Jahren ausgewertet wurden, die zwischen Januar 2016 und Mai 2017 über das Mittelmeer nach Europa gekommen sind. 

„,Harrowing Journeys‘ soll eine Erinnerung sein, um darauf hinzuweisen, dass die in diesem Bericht genannten Gefahren weiter bestehen. Viele junge Menschen verlassen ihre Heimat, weil sie dort keine Zukunft mehr für sich sehen und um Krieg, Gewalt oder elenden Verhältnissen zu entgehen. Während der überwiegende Großteil von ihnen in Afrika und Asien Zuflucht sucht, wagen auch immer wieder Kinder und Jugendliche die gefährliche Reise über das Meer nach Europa. Der Bericht zeigt etwa, dass die zentrale Mittelmeerroute insbesondere für junge Menschen unter 25 gefährlich ist. 77 Prozent von ihnen berichten von Ausbeutung. Noch einmal deutlich höher ist das Risiko für alleinreisende junge Menschen, Opfer von Menschenhandel und Ausbeutung zu werden.

Mit Ausnahme der USA haben alle Staaten der Welt die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert. Damit kommen Verpflichtungen einher, an die wir mit unseren Forderungen erinnern. Kinder auf der Flucht müssen vor Ausbeutung und Gewalt geschützt werden. Die Inhaftierung von geflüchteten oder migrierten Kindern muss aufhören. Die Einheit der Familie muss gewahrt bleiben und jedes Kind braucht einen legalen Aufenthaltsstatus. Der Zugang zu Bildung und zur Gesundheitsversorgung muss gewährleistet sein. Oft haben junge Menschen bereits über Jahre keine Schule mehr besuchen können. Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung müssen ebenfalls bekämpft werden. Aus dem jüngst veröffentlichten Bericht geht hervor, dass junge Menschen aus Subsahara-Afrika besonders gefährdet durch Menschenhandel und Diskriminierung sind. Und nicht zuletzt müssen die Ursachen für die Flucht von Kindern und Jugendlichen in ihrer Heimat bekämpft werden. Denn es ist Verzweiflung, die junge Menschen dazu bringt, sich auf einen oft lebensgefährlichen Weg zu begeben. Der Bericht soll ebenfalls an unsere Forderung erinnern, dass Fluchtrouten offen bleiben müssen. Grenzen zu schließen löst keine Probleme, sondern verlagert diese nur.“