LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„Forum Culture(s)“ analysiert Kulturentwicklungsplan und weist auf Versäumnisse hin

Wohl wird der Kulturentwicklungsplan (KEP) im Kultursektor begrüßt - kritisch über seinen Inhalt wird dennoch diskutiert. Dass zumindest nun eine Auflistung der Baustellen vorliegt, wird positiv bewertet. Die Skepsis hinsichtlich einer baldigen Umsetzung ist derweil groß. Auch die Bürgerinitiative „Forum Culture(s)“ freut sich, immerhin hatte sie vor zehn Jahren mit dem „Pacte culturel“ bereits ein Manifest ausgearbeitet, das einem Kulturentwicklungsplan doch relativ nahe kam. Obwohl dieser Kulturpakt seinerzeit sowohl von den Parteien als auch der Regierung positiv aufgenommen wurde - Teile davon flossen sogar ins Regierungsprogramm ein -, wurde kaum etwas in die Tat umgesetzt, wie „Forum Culture(s)“ bereits Anfang Februar beanstandet hatte.

Nun hat die Bürgerinitiative in einer Mitteilung auf den KEP 0.1 reagiert. Diese wurde auch von der „Association des Acteurs de Luxembourg“ (Actors.lu), der „Association Luxembourgeoise des Techniciens de l’Audiovisuel“ (ALTA) sowie der „Association des Professionnels du Spectacle Vivant“ (ASPRO) unterzeichnet. Lobende Worte gibt es für Koordinator Jo Kox für seine sorgfältige Arbeit. Allerdings wird beklagt, dass die 400 Teilnehmer der „Assises culturelles“ am 29. und 30. Juni kaum Zeit hatten, das 190 Seiten starke Dokument eingehend zu studieren. So sei die Gelegenheit einer fruchtbaren Diskussion, die den KEP hätte bereichern können, verpasst worden. Die Frage, ob dies möglicherweise gewollt war, drängt sich den vier Unterzeichnern auf, die außerdem wissen wollen, wer denn überhaupt der Träger des Plans sei: der Kultursektor, der Autor und sein Team, das Kulturministerium oder die Regierung in ihrer Gesamtheit?

Wegen der späten Veröffentlichung des KEP wird überdies befürchtet, dass den Parteien kaum Zeit bleibe, sich zu positionieren und die Empfehlungen in ihre Wahlprogramme zu integrieren.

Kein richtiger Plan

Von einem richtigen Plan geht weniger die Rede als vielmehr von einer Sammlung von Empfehlungen an die Regierung, was zum nächsten Problem führe, schließlich sei diese bei der Vorstellung der definitiven Version am 21. September nur noch drei Wochen im Amt. Die Legitimierung durch das Parlament sei notwendig. Auch die budgetären Auswirkungen müssten gleich mitgedacht werden. Man hoffe auf den politischen Willen der nächsten Regierung.

Viele Punkte in dem Aktionsplan sind der Bürgerinitiative und den drei Mitunterzeichnern zu vage formuliert und außerdem nicht neu. Aus dem Regierungsprogramm wird folgende Passage zitiert: „le Gouvernement mènera une réflexion quant à l’opportunité de doter certaines institutions culturelles publiques ou privées existantes d’une forme de gestion administrative plus souple, alliée au caractère public de l’institution“. Im KEP stehe derweil: „Mener une réflexion sur les formes juridiques et le fonctionnement des institutions culturelles (Etat, communes, secteur conventionné et secteur non conventionné) avec pour échéance: ,court terme‘“. Nun fragt man sich, wann diese Überlegungen endlich abgeschlossen seien und es zu Taten komme.

Was den Inhalt des KEP anbelangt, so wird bemängelt, dass einem der wichtigsten Punkte nicht ausreichend Rechnung getragen wurde, dies obwohl er bereits vor zwei Jahren während der ersten Auflage der „Assises de la culture“ hervorgehoben wurde: die materielle und soziale Situation des Künstlers. „Il y a bien un chapitre (12) ,Valorisation du travail culturel et professionnalisation‘ avec une série de recommandations qui sont toutes bonnes, mais le texte évite savamment de parler directement des conditions matérielles ou financières“, stellt man fest. In der Tat dürfte auch während der rezenten Diskussionsrunden deutlich geworden sein, mit welchen Problemen viele Künstler und Kulturschaffende zu kämpfen haben, und dass diesbezüglich dringender Handlungsbedarf besteht.

Es handele sich nichtsdestotrotz um ein gutes Arbeitsdokument, das man nun tiefgründiger analysieren werde. Bis zum 31. Juli werde man konstruktive Vorschläge einreichen. Der knappe Zeitrahmen reiche indes nicht aus, um aus diesem Werkzeugkasten eine richtige Strategie mit einer Vision zu machen, die zu konkreten Maßnahmen führen könne, sind sich die Mitglieder von „Forum Culture(s)“ derweil sicher. „Un travail en profondeur attend les artistes et les acteurs culturels, mais aussi les communes, le secteur privé et les citoyens. On devrait pouvoir se donner une année pour le faire, hors des échéances électorales et des pressions y afférentes“, heißt es abschließend.