LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Bildungspolitik: SEW fordert Neuausrichtung - die aber unwahrscheinlich ist

Das OGBL-Syndikat Erziehung und Wissenschaft (SEW) hofft auf eine Neuausrichtung der Bildungspolitik im Falle einer Fortführung der Dreierkoalition. Das teilte die Lehrergewerkschaft gestern mit Blick auf die Parlamentswahl vom vergangenen Sonntag mit. Das persönliche Ergebnis von Bildungsminister Claude Meisch, der ein Drittel weniger Stimmen erhielt, „zeigt deutlich, dass seine Erziehungspolitik ganz deutlich desavouiert wurde“, so die Gewerkschaft. 2013 belegte der DP-Politiker mit mehr als 22.200 Stimmen den ersten Platz im Bezirk Süden, wo er in diesem Jahr mit rund 15.500 Stimmen hinter Finanzminister Pierre Gramegna (18.380 Stimmen) zurückfiel. Das SEW hofft deshalb, „dass die politischen Parteien, die die nächste Regierung bilden, dem bei der Ausarbeitung des Koalitionsabkommens auch Rechnung tragen“.

Das OGBL-Syndikat sieht die öffentliche Schule durch die Reformen der vergangenen Jahre geschwächt. „Die öffentliche Schule wird immer weniger den Zugang zu allen für ein bürgerliches und verantwortungsbewusstes Leben unentbehrlichen Kompetenzen und Wissenselementen garantieren“, meint die Gewerkschaft, für die die Diversifizierung des Schulangebots riskiert, „neue soziale Ungerechtigkeiten“ zu schaffen. Das SEW hofft dann auch darauf, dass der Minister für das Bildungsressort einen „wirklichen Dialog“ mit den Lehrern sucht.

„Schulsystem konsolidieren“

Ob sich die Forderungen des SEW nach einer Neuausrichtung der Bildungspolitik erfüllen, ist allerdings zumindest mit Blick auf die Wahlprogramme fraglich. Die LSAP bekannte sich darin zwar etwa zu einer „starken öffentlichen Schule“ und schreibt: „Die Privatisierung von Bildungsangeboten kommt einer Schwächung des öffentlichen Schulbetriebs gleich“. Ob sie die Reformen Meischs als eine solche auslegt, lässt die Partei allerdings offen. Zudem heißt es an anderer Stelle, dass es in der kommenden Legislaturperiode „auch darum gehen wird, das Luxemburger Schulsystem zu konsolidieren und die in den vergangenen Jahren beschlossenen Reformen zu bilanzieren und gegebenenfalls nachzubessern.“ Interpretationsspielraum lässt auch die Aussage zu, dass Reformen „mit Bedacht“ umgesetzt werden müssen und ihre Ausarbeitung „das Einbeziehen der Lehrerschaft voraussetzt“. Aus solchen Sätzen kann man durchaus einen Seitenhieb in Richtung des liberalen Ministers herauslesen.

„Déi gréng“ begrüßen einerseits die erhöhte Autonomie der Sekundarschulen, das dürfe aber nicht verhindern, dass Schüler bei Bedarf die Schule wechseln. Zudem dürfe sie „nicht zu einem übermäßigen Konkurrenzdenken zwischen den einzelnen Schulen führen“. Gleichzeitig fasst die Partei nach einer Evaluierung auch einen Ausbau des Angebots an internationalen Sektionen mit unterschiedlichen Haupt- und Nebensprachen in Erwägung. Eine wirkliche Abgrenzung sieht anders aus. Auch die Grünen legen großen Wert - hier beim Thema Grundschule - auf eine Absprache mit den verschiedenen Schulakteuren.