NEW YORK
JOHANNES SCHMITT-TEGGE (DPA)

Ein Wunderkind wird erwachsen: Flynn McGarry eröffnet mit 19 ein Restaurant in New York

Flynn McGarry führt gerade durch die Räume seines neuen Restaurants, da unterbricht ihn das Kreischen der Kreissäge. Nur noch zwei Wochen, bis im „Gem“ in New York die ersten Gäste vor der Tür stehen - die Handwerker müssen Gas geben. Die Baustelle ist kalt, es riecht verkohlt. Aber der 19 Jahre alte Star-Koch, wahlweise als Genie, Witzfigur oder Justin Bieber der Restaurantszene betitelt, wirkt gelassen. Vor dem Interview drückt er einem Assistenten noch eben seine Kreditkarte für einen Heizofen in die Hand.

Du eröffnest mit 19 Jahren ein Restaurant, da spielen andere Jungs Videospiele. Wie kamst Du zum Kochen?

FLYNN MCGARRY Ich bekam das „French Laundry Cookbook“, als ich zehn Jahre alt war. Ich erinnere mich an den ersten Versuch, etwas daraus zu kochen, ich glaube einen Tomatensalat oder Tomaten-Eiscreme. Ich habe es so verhunzt und dachte mir: Das sieht überhaupt nicht so aus!

Wann wusstest Du, dass Du Koch werden wollen?

FLYNN Das war bei meinem ersten Besuch im „Eleven Madison Park“. Ich war zum ersten Mal in einer Umgebung mit drei Michelin-Sternen und verschmolz sehr gut damit. Ich hatte Fotos und Videos gesehen und nun war ich mittendrin. Ich spürte die Energie und es fühlte sich angenehm an.

Sind drei Michelin-Sterne Dein Ziel?

FLYNN Sozusagen. Ich werde ja immer mit dem Satz zitiert, das beste Restaurant der Welt haben zu wollen. Das habe ich gesagt, weil es unerreichbar ist. Es gibt die 50 Besten-Liste, was die Meinung einer Gruppe von Leuten über die besten Restaurants ist. Ich will keine Trophäe, auf der „Weltbestes Restaurant“ steht. Ich genieße das Streben danach viel mehr als den Lohn.

Aber Sterne bedeuten viel Druck, über den Star-Köche auch klagen und die Sterne teils zurückgeben wollen.

FLYNN Jeder wie er mag. Es gibt Köche, die lieben es, es gibt Köche, die hassen es. Wenn du deine Sterne nicht willst, ist das total einleuchtend - vor allem, wenn man das seit 30 Jahren jeden Abend mit diesem Druck macht.

Hast Du es leichter gehabt als Köche, die sich über Jahre vom Tellerwäscher nach oben gearbeitet haben?

FLYNN Die kurze Antwort lautet Ja. Ich habe nie als Tellerwäscher gearbeitet. Ich verliebte mich von einer kreativen Seite aus ins Kochen. Wusste ich, dass das abheben und mich ganz schnell nach oben schießen würde? Nein. Irgendwie passierte das zur selben Zeit, als Popup-Restaurants und das Internet und Köche so ein Ding wurden. Aber wenn du sagst, du hast deine Familie zehn Jahre nicht gesehen und dich nach ganz oben gearbeitet und dein Leben ist schrecklich, warum würdest du das der nächsten Generation wünschen? Es hört sich nach Folter an. Warum ändern wir das nicht?

Entgeht Dir wegen Deiner ehrgeizigen Pläne etwas, das andere Teenager in Ihrem Alter erleben?

FLYNN Deine Leidenschaft diktiert, wie Du sie lebst. Ich habe sie sehr früh gefunden also mache ich Dinge, die ein 30-Jähriger sonst vielleicht machen würde. Wenn ich etwas mit solcher Leidenschaft täte und zum College ginge, statt ein Restaurant zu öffnen, hätte ich das Gefühl, etwas zu verpassen. Ich möchte nichts machen außer das hier.

Was isst Du heute zu Abend?

FLYNN Das ist eine sehr gute Frage, ich habe keine Ahnung. Wahrscheinlich hole ich mir etwas beim Chinesen.