LUXEMBURGCLAUDE KARGER

Gespräch mit dem Direktor des „Luxembourg American Cultural Center“ in Belgium, Wisconsin

Bewahrung der Wurzeln, Pflege der Blätter- so lautet die Mission der „Luxembourg American Cultural Society“, die sich der Pflege der Erinnerung an die Geschichte der Luxemburger Immigranten nach Amerika verschrieben hat, sowie der Stärkung der Beziehungen zwischen den USA und dem Großherzogtum. Ein Gespräch mit
Kevin Wester, der Leiter der „Luxembourg American Cultural Society & Center“ in Belgium im US-Bundesstaat Wisconsin über seine Wurzeln und seine Beziehungen zu Luxemburg.

Wussten Sie schon immer, dass ihre Ahnen aus Luxemburg stammten?

Kevin Wester Ja. Sie kamen zwischen 1846 und 1874 nach Wisconsin. Ich wuchs in einer Gegend auf, in der sehr viele Familien mit Luxemburger Abstammung wohnten, in der das alte Luxemburgisch noch gesprochen wurde und Luxemburger Traditionen gepflegt wurden. Auch meine Eltern sprechen noch täglich
Luxemburgisch miteinander. Leider pflegt
meine Generation das heute weniger.

Doch auch Amerikaner aus anderen Gegenden, wo die Konzentration von Personen mit Luxemburger Abstammung weniger hoch war, entdecken heute ihre Luxemburger Wurzeln. In diesen Gegenden siedelten die Luxemburger oft in der Nähe von Orten, die von deutschen Einwanderern gegründet wurden. Zwei Generationen später dachten sie dann, ihre Ahnen würden aus Luxemburg stammen. Viele entdecken heute, dass es nicht so war und kontaktieren die LACS, um mehr zu erfahren.

Was konnten Sie über Ihre Ahnen herausfinden?

Wester Sie verließen Weiler-la-Tour im Jahr 1846 auf der Suche nach einer besseren Zukunft für sie und ihre Kinder. Das Leben war hart in Luxemburg damals. Zudem gab es Missernten. Sie verkauften also ihren ganzen Besitz und machten sich auf nach Wisconsin, wo damals Grundstücke für sehr wenig Geld zu haben waren. Natürlich musste das bewaldete Land erst einmal urbar gemacht werden, was mehrere Jahrzehnte harter Arbeit verlangte. Mein Großvater pflegte stets zu sagen: „Ihr Herz ließen sie in Luxemburg“ zurück.

Wann begegneten Sie zum ersten Mal Luxemburgern?

Wester Als ich 15 war, entdeckte ich in der Newsletter der Luxembourg Society of Wisconsin eine Anzeige: Ein 16-jähriges Mädchen aus Brouch bei Mersch suchte einen Brieffreund in Amerika, um ihr Englisch zu verbessern.
Wir schreiben uns nun seit 33 Jahren. Monique Bintz war eine der ersten Luxemburgerinnen, denen ich begegnet bin. In den 1980ern kamen viele Luxemburger Besucher nach Wisconsin. Da hatte ich mehr Kontaktmöglichkeiten.

Und wann kamen Sie zum ersten Mal nach Luxemburg?

Wester Das war 1983. Ich kam, um meine Brieffreundin und ihre Familie zu besuchen und nahm mir mehrere Monate, um das Großherzogtum im Detail zu erkunden. Seither bin ich 20 Mal nach Luxemburg gereist. Privat und auch
beruflich. Bislang habe ich vier „Discover
Luxembourg Tours“ mitorganisiert, an denen insgesamt 120 US-Bürger teilnahmen. Es ist für sie außerordentlich wichtig, das Land zu besuchen, aus dem ihre Ahnen stammen. Übrigens habe ich bei meiner letzten Reise meinen definitiven Antrag für die Luxemburger Nationalität gestellt und warte ungeduldig auf die Zusage.Was war der Auslöser für die Gründung der „Luxembourg American Cultural Society“ 2004?

Wester Eine Gruppe von Leuten aus den USA und aus Luxemburg war in den letzten 20 Jahren sehr aktiv in kulturellen Austauschprogrammen. Sie stellten fest, dass es keinen sichtbaren Ort gab, an dem die einzigartige Geschichte der Luxemburger Immigranten und der Einfluß ihrer Nachfahren auf die US-Gesellschaft
erzählt wird.

Wir waren auch der Meinung, dass wir schnell handeln müssten, denn das Risiko besteht, dass die Erinnerung mit dem Verschwinden der älteren Generationen verblasst. Es liegt uns natürlich vor allem auch daran, die engen Verbindungen mit Luxemburg auf sämtlichen Ebenen zu stärken.

Was hat Sie persönlich motiviert, sich in der LACS zu engagieren?

Wester Zunächst einmal liebe ich Luxemburg, seine Leute und seine Kultur. Ich bin stolz, Amerikaner zu sein. Ich fühle mich aber auch als Luxemburger. Mein Erbe in diesem Sinn ist mir sehr wichtig. Ich glaube, dass es den Menschen, der ich heute bin, sehr stark beeinflusst hat.