LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Gemeinsame Position der Glaubensgemeinschaften

Die Position der konventionierten Glaubensgemeinschaften ist klar: Das bisherige Finanzierungsmodell auf Basis von Konventionen soll bleiben. Darüber hinaus soll allerdings auch die Religionsfreiheit in die Verfassung eingetragen werden. Die Privilegien der katholischen Kirche, etwa was den Religionsunterricht oder die spezialisierte Seelsorge angeht, sollen zugunsten aller Glaubensgemeinschaften geöffnet werden. Die Shoura als noch nicht-konventionierte Gemeinschaft, schließt sich dieser Position an.

Generalvikar Erny Gillen sagt, dass die Position, welche die katholische Kirche bezieht, „en vue d’un débat“ formuliert worden sei. Gleichzeitig wünscht er sich eine sachliche Diskussion. Die Wortwahl der vergangenen Tage sei nicht immer glücklich gewesen, so Gillen.

Religionsfreiheit in die Verfassung

Drei Punkte sind es, die von Katholiken, Juden, Protestanten, Orthodoxen, Anglikanern und Muslimen geteilt werden. Zum einen soll das Recht auf Religionsfreiheit in der Verfassung verankert werden. Dieser Vorschlag beruft sich auf Artikel 10 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union, aber auch der Schutz vor zunehmenden religionsfeindlichen Angriffen sei ein Argument, sagt der Generalvikar. Darüber hinaus wollen die Glaubensgemeinschaften am Prinzip der Konventionen, wiederum in der Verfassung, festhalten, um eine größtmögliche Autonomie in der Glaubensausübung zu ermöglichen. Die Modalitäten der Konvention sollen gesetzlich geregelt werden. Auch die Seelsorge durch „aumôniers“ in Gefängnissen, in der Armee oder Krankenhäusern soll für andere Glaubensgemeinschaften geöffnet, oder zumindest die Hindernisse, welche zum Beispiel seitens der Protestantischen Kirche angeführt werden, aus dem Weg geräumt werden.

Religionen gehören in denöffentlichen Raum

Was die Kirchenfabriken angeht, derer es aktuell 285 gibt, so sei hier das letzte Wort noch nicht gesprochen. Gillen betont, dass die katholische Kirche über diese Institutionen im Land verankert sei. Sinnvoll sei, einen Mechanismus zu schaffen, der eine freiwillige Fusion zwischen den Kirchenfabriken ermögliche. Eine anderweitige Nutzung von Kirchengebäuden - die Allianz von Humanisten, Atheisten und Agnostikern forderte am 23. November unter anderem eine Umfunktionalisierung nicht voll ausgelasteter Kirchengebäude - kommt für die katholische Kirche nicht infrage. Kirchen seien in erster Linie „lieux de culte“ und für die Ausübung des Glaubens bestimmt. Darüber hinaus veranstalte die Kirche bereits heute eine Vielzahl an künstlerischen Veranstaltungen, insofern diese in den Rahmen passen. Selbst im Falle einer Zweckentfremdung (désaffectation), müsse die katholische Kirche für die zukünftige Nutzung des Gebäudes gehört werden. Die weitere Nutzung müsse dann „digne des lieux et respectueuse du vécu et de la mémoire qui y sont liés“ sein, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme.

In der Frage des Religionsunterrichts könnte die Wahlmöglichkeit zwischen Religion und „morale laïque“ beibehalten werden, wenn alle Glaubensgemeinschaften mit ins Boot genommen werden. Eltern hätten ein Recht darauf, wie im Artikel 14 der bereits zitierten Charta, „d’assurer l‘éducation (…) de leurs enfants conformément à leurs convictions religieuses, philosophiques et pédagogiques“ steht. Im Sekundarunterricht entschieden sich immerhin noch 60 Prozent für den Religionsunterricht, sagt Gillen. Die Protestantische Kirche kündigt in ihrem Bericht ihre Bereitschaft an, die Ausarbeitung und die landesweite Organisation des religiösen Unterrichts anzugehen.

Die Shoura begrüßt die Position der Kirche für eine Gleichberechtigung der Glaubensgemeinschaften, durch die das Großherzogtum ein Beispiel setzen könne und mit den Werten der Europäischen Union in Einklang wäre.

Libre Pensée Luxembourgeoise (LPL) meldet sich ebenfalls zu Wort und stellt fest, dass die Schlüsse der katholischen Kirche und der Glaubensgemeinschaften den Staat mehr und mehr vereinnahmen: „les conclusions tirées par l’Eglise catholique et les communautés religieuses (…) tendent à mettre l’Etat de plus en plus sous tutelle“. Für LPL sei es an der Zeit, die Verfassung zu „entsakralisieren“. Nur eine Trennung von Kirchen und Staat und eine damit einhergehende Privatisierung der Glaubensgemeinschaften könnten einen demokratischen und laizistischen Staat ermöglichen. Die Debatte über die einzelnen Positionen wird für Anfang 2013 erwartet.