LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Sensibilisierung und Zusammenarbeit gegen Organmangel

Herzen, Hände, Haut – die Medizin hat bei der Transplantation von Organen, Geweben und Körperteilen in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Erst vor einigen Tagen erregte eine Nachricht aus den USA internationale Aufmerksamkeit: Erstmals ist dort ein Baby nach einer Gebärmutter-Transplantation zur Welt gekommen. Als Pionier des Verfahrens gilt der Schwede Mats Brännström. In dessen Klinik in Göteborg kam 2014 Vincent zur Welt, das erste nach einer Gebärmutter-Transplantation geborene Baby. Insgesamt sind bei Brännström nach dessen Angaben acht Kinder nach Gebärmutter-Transplantationen geboren worden. Alle per Kaiserschnitt, alle „gesund und munter“. Mit dem Verfahren kann Frauen geholfen werden, die keine eigenen Kinder bekommen können. Als am erfolgversprechendsten gilt allerdings die Transplantation von Organen lebender Verwandter – etwa die Gebärmutter von Mutter oder Schwester.

Was es für Transplantationen braucht, sind entsprechend ausgebildetes Personal, ausgefeilte Logistik und potenzielle Spender. Und da kann man gemeinsam mehr erreichen: Luxemburg ist wie Belgien, Deutschland, Kroatien, Niederlande, Ungarn, Österreich und Slowenien Mitglied von Eurotransplant. Die Stiftung ist als Service-Organisation verantwortlich für die Zuteilung von Spenderorganen in den acht Ländern und arbeitet dabei eng mit Organspende-Organisationen, Transplantationszentren, Laboratorien und Krankenhäusern zusammen. Die Vorteile der internationalen Zusammenarbeit ergeben sich zum einen aus einem gemeinsamen Spender-Meldesystem und einer zentralen Warteliste. Zum anderen wird die Erfahrung von Medizinern bei Eurotransplant gebündelt.

Kampagnen mit Spinning und Promis

Im Großherzogtum koordiniert Luxembourg Transplant die Aktivitäten um die Organentnahmen, der Verein ist Mitglied der Eurotransplant Stiftung und vom Gesundheitsministerium zugelassen. Zu den Aufgaben von Luxembourg Transplant gehört auch die Sensibilisierung. Anlässlich des Welttags der Organspende organisierte der Verein am 16. Oktober 2016 die achte Ausgabe des „Spinning Marathon“ in der Luxexpo, an dem 1.084 Personen teilgenommen haben. Auch der Verein „Protransplant“ engagiert sich und startet verschiedene Kampagnen. Zuletzt war das „Well all Choix zielt”, bei der luxemburgische Persönlichkeiten sich auf Facebook mit ihrem „passeport de vie“ zeigten. Zu der Prominenz, die so zu Botschaftern für die Organspende wurde, gehörten unter anderem Mandy Minella, Laurent Carnol, Fränk Schleck, Dan Spogen und Jemp Schuster. Für die nächsten Wochen und Monate hat der Verein bereits eine Erweiterung der Kampagne geplant, die er derzeit vorbereitet: Ein neues Video soll bald über Organspende aufklären und über mehrere Kanäle ausgestrahlt werden, heißt es von „Protransplant“. Ziel ist auch hier, die Leute anzusprechen, damit sie den Organspendepass bei sich tragen. Vertreter des Vereins besuchen zudem regelmäßig Lyzeen um Vorträge zu halten und stoßen dort nach eigenen Aussagen auf großes Interesse von jungen Leuten. Um etwas zu bewegen ist vor allem konstante Arbeit wichtig, da ist man sich bei „Protransplant“ sicher.

Weitere Infomationen unter www.protransplant.lu und www.luxtransplant.lu

Organtransplantationen

Am häufigsten die Niere

Zwischen 1980 und 2010 wurden auch im „Centre Hospitalier de Luxembourg“ (CHL) Nierentransplantationen durchgeführt, 160 an der Zahl. Entweder waren es Nieren verstorbener Spender oder solche von verwandten lebenden Spendern. Da jeder Mensch zwei Nieren hat, zum Leben im Prinzip aber eine ausreichend ist, ist die Niere das Organ, das am „einfachsten“ transplantiert werden kann. „Ein gewisses chronisches Nierenversagen ist bei rechtzeitiger Diagnose reversibel“, wie Dr. Linda Cherchali-Benchalel, „Chef de service de Néphrologie“ aus dem CHL, erklärt. „Andere sind leider irreversibel und führen zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Nierenfunktion.“ Wenn das Nierenversagen sein letztes Stadium erreicht habe mit nur mehr zehn Prozent Nieren-Leistung, werde eine extra-renale Ersatztherapie (Dialyse), regelmäßig drei bis vier Mal pro Woche zur Reinigung nötig. „Der Patient ist dann dauerhaft von der Dialyse abhängig, es sei denn, es wird ihm eine echte Ersatzniere implantiert“, sagt Cherchali-Benchalel. MM