LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Das CEFIS will mit seinen Studien Wirkung erzielen - So wie mit dem Bericht über die kapverdische Gemeinschaft in Luxemburg

Recherche-action“ oder anders ausgedrückt: Studien, die etwas bewirken: Das ist es, was das „Centre d’Etude et de Formation Interculturelles et Sociales“ (CEFIS) erreichen will. Mit ihrer jüngsten Veröffentlichung über die kapverdische Gemeinschaft im Großherzogtum scheint dem gemeinnützigen Verein dieses Ziel vorerst gelungen zu sein. Die Studie mit dem Titel „,Diaspora capverdienne‘ au Luxembourg“ habe ein großes Echo hervorgerufen, erklärt einer der Hauptautoren, Frédéric Mertz, auf „Journal“-Nachfrage. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten nun als Grundlage für Interessenvertreter der kapverdischen Gemeinschaft dienen, um beispielsweise Empfehlungen für eine bessere Integration zu machen oder thematische Rundtischgespräche zu organisieren, um die Ergebnisse zu vertiefen. In diesem Sinne bestehe etwa der Kontakt zwischen dem Verband der kapverdischen Vereinigungen in Luxemburg und der kapverdischen Botschaft. „Wir wollen, dass unsere Studien Früchte tragen“, betont Mertz. Das übergeordnete Ziel des CEFIS lautet dabei immer, den sozialen Zusammenhalt in Luxemburg zu fördern.

Eine lange Migrationsgeschichte

Hintergrund der Studie sind Anfragen der Einwanderungsdirektion und der Kooperationsdirektion vor etwa zwei bis drei Jahren. Zum einen ging es Mertz zufolge um die Frage, ob Kapverdier dauerhaft in Luxemburg bleiben oder in eher regelmäßigen Abständen in ihre Heimat zurückkehren. Andererseits interessierten sich die Behörden für die Art der Hilfe, die Kapverdier nach Hause schicken. Relevant sei die Studie allein schon deshalb, weil circa 3.000 Menschen mit kapverdischer Nationalität in Luxemburg leben. Sie stellen damit die zweitgrößte Gruppe von Menschen aus Drittstaaten außerhalb Europas. Zudem werde das Phänomen auch unterschätzt. Die ersten Kapverdier seien in den 1960er beziehungsweise 1970er Jahren ins Großherzogtum gekommen, damals noch mit portugiesischen Pässen. 1975 erklärte die ehemalige portugiesische Kolonie ihre Unabhängigkeit. Unterschätzt auch deshalb, weil man unter Einbeziehung des Migrationshintergrunds auf fast 10.000 Menschen mit kapverdischen Wurzeln in Luxemburg kommt.

Schwieriger Übergang ins nationale Bildungssystem

Die Studie hat etwa aufgezeigt, dass viele Jugendliche „vom Radar“ der Behörden verschwinden und beispielsweise im grenznahen Arlon zur Schule gehen. Viele Kapverdier kommen als Jugendliche nach Luxemburg, 2015 waren 11,5 Prozent der Angekommenen im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren. Mit dem Übergang von einem Portugiesisch/Kreolischsprachigen System auf das dreisprachige luxemburgische System tun sie sich schwer. Auch wenn es schon Instanzen und Projekte gebe, sieht Mertz in diesem Punkt noch Verbesserungsmöglichkeiten. In der Hauptstadt Praia gibt es beispielsweise das Projekt „Migrer les yeux ouverts“, das Eltern über die Herausforderungen des luxemburgischen Bildungssystems für ihren jugendlichen Nachwuchs aufklärt.

Großes Verbundenheitsgefühl zur Heimat

Überrascht reagierten die Autoren der Studie auf die Ergebnisse beim Verbundenheitsgefühl von ausländischen Mitbürgern zum Großherzogtum. Während Portugiesen, Franzosen, Italiener, Belgier und Menschen aus den exjugoslawischen Ländern mehrheitlich Luxemburg als das Land nannten, mit dem sie sich am stärksten verbunden fühlten, nannten die meisten Kapverdier - wenn auch nur mit einem geringem Vorsprung - ihre Heimat. Das sei recht spezifisch für die schwierig zu beziffernde kapverdische Diaspora, meint Mertz. Bis zu 700.000 Menschen mit kapverdischer Staatsbürgerschaft könnten es sein, die außerhalb der Inselgruppe im Atlantik leben, die aber stärker mit ihrer Heimat verbunden bleiben als andere Gruppen.

Das Verbundenheitsgefühl spiegelt sich auch in der innerfamiliären Solidarität wider. Viele Kapverdier überweisen ihren Angehörigen Geld (vor allem, um damit Lebensmittel kaufen zu können), schätzungsweise rund 100 Euro im Monat. Manche schicken auch in der Regel einmal pro Jahr materielle Güter wie Lebensmittel oder Schulmaterial. Auch hier sieht die Studie Verbesserungspotenzial. Zum Beispiel wüssten viele Kapverdier nicht, dass verschiedene Banken in Luxemburg mit kapverdischen Banken zusammenarbeiten, wodurch sie weniger Überweisungskosten zu zahlen hätten.