LUXEMBURG
JEFF KARIER

Was man zum Podcasten braucht und worauf es zu achten gilt

Eigentlich kann jeder Podcasts produzieren. Hat man sich auf ein passendes Thema festgelegt und ein Konzept entwickelt, fehlt nur noch die entsprechende Ausrüstung, die viele zumindest zum Teil zuhause haben. Das fängt bei einem brauchbaren Mikrofon an. „Es gibt hierbei sehr unterschiedliche Typen, die jeweils Vor- und Nachteile haben“ weiß Ralf Stockmann, der nicht nur selber Podcasts produziert, sondern auch das Projekt „Ultraschall“ betreibt, das Podcastern eine passende Plattform bietet, ein Forum zum Thema betreibt und auch Vorträge hält. So klingen Großmembran-Kondensatormikros am besten, nehmen aber viel vom umgebenden Raum in Form von Hall auf und auch Umgebungsgeräusche.

„Wenn man eine eher laute Umgebung hat, sind dynamische Mikrofone besser da unempfindlicher. Diese benötigen aber gute, rauscharme Verstärker. Bei beiden Mikrofontypen braucht man zudem Disziplin: man muss daran denken, einen einheitlichen, guten Abstand von Mund zu Mikro einzuhalten, und das die ganze Sendung durch.“ Da dies gerade Neulinge überfordert, sind Headsets sehr beliebt. An einem Kopfhörer, über den man alle anderen gut hören kann, ist vorn an einem Gelenk ein Mikrofon befestigt das einen optimalen, immer gleichen Abstand zum Mund garantiert. „Klanglich kommen bei dieser Konstruktion nur Kondensatormikros infrage, dynamische klingen bei dieser kleinen Bauform immer dumpf. In der Praxis haben sich zwei Modelle bewährt. Das ‚Beyerdynamics 297‘ für 300 Euro und das ‚Superlux HMC 660‘ für nur 39 Euro“, erklärt Stockmann.

Mehrere Sprecher an einem Rechner

Einen großen Bogen sollte man um Mikros machen, die direkt per USB am Rechner angeschlossen werden. „Das ist immer eine Sackgasse, da man hier immer nur allein aufnehmen kann - ein zweites Mikro für einen Gast lässt sich nicht anschließen. Ein einfaches Soundinterface dient stattdessen dazu die Mikros - egal ob zwei, vier oder gar acht - gleichzeitig an den Rechner anzuschließen und jeden Teilnehmer in einer separaten Spur aufzuzeichnen.“ Ein sehr beliebtes da extrem vielseitiges Soundinterface ist das „Zoom H6“ für 319 Euro. An dieses lassen sich 4 Mikros anschließen, es läuft auch mit Batterien und man kann es dank mitgelieferter zusätzlicher Mikros auch schnell als Handmikro verwenden.

Für Aufnahme und Schnitt verwendet man ein DAW-Programm, „Digital Audio Workstation“. Drei Programme haben sich laut Stockmann im deutschsprachigen Raum durchgesetzt: „‚Audacity‘ ist kostenlos und weit verbreitet, jedoch weder für Einsteiger noch für Profis sonderlich gut geeignet. Die Nutzeroberfläche ist in den 90ern steckengeblieben, das Programm arbeitet destruktiv und verzeiht damit kaum Fehler.“ Außerdem falle der Funktionsumfang für Podcasting mager aus.

„Hindenburg“ ist für Podcasting und Radioproduktionen entwickelt worden und entsprechend gut bedienbar. „Die günstige Version um 60 Euro lässt aber viele wichtige Funktionen vermissen, für die richtige Version werden 350 Euro aufgerufen was schon happig ist“, meint der Experte. Die Stärke von „Hindenburg“ liegt dann vor allem in automatischen Funktionen und dem Bauen von Beiträgen aus vielen einzelnen Clips.

Ultraschall als open Source Erweiterung des Programm Reaper bietet die meisten Podcasting-Features, schließlich wird es gezielt für die Bedürfnisse der Podcaster entwickelt. Außerdem wird Ultraschall aus der Community selbst heraus entwickelt. „Um alle Möglichkeiten zu nutzen, muss man sich jedoch ein paar Stunden Zeit nehmen, um die umfangreichen Video-Tutorials durchzuschauen. Als einzige DAW hat es bereits StudioLink integriert sowie das neue StudioLink OnAir zum Live-Streamen von Sendungen schon während der Aufnahme“, erklärt Stockmann.

Weitere Kniffe zum perfekten Sound

Für die Optimierung des Gesamtklangs bietet sich der Dienst „Auphonic“ an, der durch einen Algorithmus unter anderem Störgeräusche herausfiltert und die Lautstärker der Stimmen angleicht. Für die Aufnahme von Sprechern die nicht vor Ort sind, nimmt man heutzutage nicht mehr das störanfällige „Skype“, sondern „StudioLink“. Die Veröffentlichung läuft entweder über einen kommerziellen Anbieter wie „Podigee“ oder auch „Soundcloud“, kann aber auch aber über ein eigenes Blog mit einer „WordPress“-Erweiterung wie „Podlove“ geschehen. In dem Fall wird auch eigener Webspace mit eigener Domaine fällig.

Podcastanfänger haben meistens in erster Line Probleme mit dem Klang. Zu viel Hall oder Brummen. „Gegen Hall hilft es, einen Raum mit Teppich und Vorhängen zu nutzen oder aber auf ein dynamisches Mikro oder ein Headset zu wechseln. Gegen ein 50Hz Netzbrummen hilft ein Erdungskabel oder das Entfernen von einstreuenden Netzteilen anderer Geräte an einer Mehrfachsteckdose“, erklärt Stockmann. Bei weiteren Problemen oder Fragen kann man sich etwa in der Podcasting-Community „Sendegate“ umschauen, der wahrscheinlich weltweit größte Know-how-Datenbank zu Podcasting.

„Für die allerersten Schritte, bevor man überhaupt Geld ausgibt, kann man einfach mal in ein Smartphone sprechen. Die Mikros sind gar nicht schlecht und man hat schnell einen Eindruck, ob Podcasting wirklich was für einen ist“, empfiehlt Stockmann und fügt hinzu: „Bei aller Technik zählt am Ende nur die Idee, das Konzept, das man für den eigenen Podcast hat. Diese gilt es dann, unverstellt und authentisch umzusetzen, denn das unterscheidet uns vom Radio.“