LUXEMBURG
MARCO MENG

Das härteste bekannte Mineral ist selten und sehr gefragt

Für 17 Millionen Euro wurde letzte Woche der Erzherzog-Joseph-Diamant versteigert. Der höchste Preis, der jemals für einen Diamanten aus der berühmten Golkonda-Mine in Indien gezahlt wurde.

Die Mine von Golkonda wird heute nicht mehr betrieben. Der weltweite Abbau von Rohdiamanten hat im vergangenen Jahr 123,990 Millionen Karat, also rund 24 Tonnen, betragen (1 Karat = 0,2 g) und ist somit im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Prozent zurückgegangen. Der Höchststand wurde im Jahr 2006 mit 176,9 Millionen Karat erzielt. Die gestiegene Nachfrage bei sinkender Produktion sorgte dafür, dass der Preis für Rohdiamanten um 29% stieg: das Volumen der Diamantenproduktion betrug letztes Jahr damit mehr als 14 Milliarden Dollar.

Die größten Diamantvorkommen, insgesamt 20 große Minen, befinden sich heute in Russland, Botswana, Kongo, Kanada, Simbabwe, Angola und Südafrika. 65% der Rohdiamanten kommen mithin aus Afrika. Etwas mehr als die Hälfte der Diamanten (die aber 95% des Wertes ausmachen) wird als Schmuck verarbeitet. Hier sind die Hauptabnehmer Tiffanys und Cartier. Da die Weltproduktion an Naturdiamant en nicht die Nachfrage der Industrie deckt, gibt es seit den 1950ern synthetisch erzeugte Diamanten, die mittlerweile zumeist aus den USA und China kommen. Mehr als 95 Prozent der industriell genutzten Diamanten, die zum Schneiden, Schleifen und Bohren oder in der Elektronik als Supraleiter verwendet werden, sind synthetisch.

Diamantenbörsen

Ein Großteil der Naturdiamanten wird über Diamantbörsen gehandelt, von denen es weltweit 29 gibt. Eine der bedeutendsten ist die in Antwerpen, wo mehr als die Hälfte der polierten Diamanten gehandelt wird. Auch 40% der Industriediamanten werden hier umgeschlagen. Doch Konkurrenz droht: De Beers, der größte Diamantenproduzent und -händler der Welt mit zentralem Firmensitz in Luxemburg, ist mittlerweile dabei, den Handel nach Botsuana zu verlagern. Bis 2013 soll das gesamte Rohdiamant-Geschäft in Gabarone statt wie bisher über London abgewickelt werden. Auch in Dubai, Tel Aviv, Hongkong und Mumbai floriert der Diamantenhandel. Unter den Produzenten und Händlern sind De Beers, Alrosa in Russland und die britisch-australische Rio Tinto die größten.

Blutdiamanten

Den vor allem in Afrika fördernden Unternehmen wird von Menschenrechtlern vorgeworfen, nach wie vor in den Handel mit sogenannten Blutdiamanten verstrickt zu sein. Blutdiamanten sind nach Definition des Kimberley-Abkommens Diamanten, mit denen gewalttätige Konflikte finanziert werden. De Beers gab dabei einmal an, dass der Anteil an Blutdiamanten unter den Rohdiamanten maximal vier Prozent betragen würde. Auf der Diamantenkonferenz in Simbabwe erklärte im Mai Eli Izhakoff, Präsident des World Diamond Council, die Diamantenförderer seien dem Wohlergehen Afrikas verpflichtet. Und De Beers verweist in diesem Zusammenhang darauf, letztes Jahr mehr als vier Milliarden Dollar an seine Anteilseigner in Afrika ausgeschüttet zu haben und zudem Konzessionen für die Minen zu zahlen. Ob durch diese Zahlungen nicht ausschliesslich die Potentaten der Region wie der inzwischen zu 50 Jahren Haft Verurteilte Staatschef Liberias, Charles Taylor, oder Simbabwes Präsident Mugabe profitieren, ist eine andere Frage. Der Kimberly-Prozess, 2003 im gleichnamigen Ort in Südafrika ins Leben gerufen, soll durch die Zertifizierung den Handel mit Blutdiamanten verhindern. Während die Branche das selbst als Erfolg feiert, sehen andere das nicht so: wer mit Diamanten Geld verdiene, für den sei es auch nicht schwer, Zertifikate zu fälschen.

Es ist praktisch unmöglich, einem Diamanten dessen genaue Herkunft anzusehen. Auch die UN stellte unlängst fest, dass trotz verschärfter Kontrollen nach wie vor große Mengen an Diamanten aus afrikanischen Krisengebieten vor allem über Israel auf den Weltmarkt gelangen. Peter Hain, Londons ehemaliger Staatsminister für afrikanische Angelegenheiten, sagte darum einmal, man könne sich nicht sicher sein, dass der Diamant, mit dem man etwa seine Frau beglücke, nicht dazu beigetragen habe, dass „einem Kind die Hand abgeschlagen wurde“.