LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

Otzeki stellen am Samstag ihr neues Album „Binary Childhood“ in den Rotondes vor

Joel Roberts und Mike Sharp verbindet viel. Zum einen teilen sie ihre Liebe zur Musik und zum anderen verbringen sie bereits eine lange Zeit ihres Lebens miteinander. Die Cousins aus Großbritannien machen gemeinsam Musik seit sie denken können und haben vor einigen Jahren die Band Otzeki ins Leben gerufen. Im Rahmen der diesjährigen „Congés Annulés“ der hauptstädtischen Rotondes werden die Musiker morgen das Publikum in ihren Bann ziehen. Im Interview haben die beiden uns hinter die Beats blicken lassen und uns an Gedankengängen bezüglich ihres neuen Albums, der Musikkultur und der medial beeinflussten Gesellschaft teilhaben lassen.

Was bedeutet Otzeki?

JOEL ROBERTS Das ist frei erfunden. Als wir einen Bandnamen suchten, versuchten wir uns an einen alten russischen Namen zu erinnern, dem wir mal begegneten: Ostrenski. Wir kamen aber nicht mehr auf den genauen Wortlaut und fanden Otzeki dann auch ganz gut.

Wie ist die Band entstanden?

ROBERTS Da wir beide Cousins sind, kennen wir uns schon ewig. Wir haben beide schon immer Musik gemacht. Ich habe zwar eine Zeit lang an einer Schauspielschule Unterricht genommen, dies der Musik wegen aber auch wieder aufgegeben. Eigentlich haben wir nie über etwas anderes als Musikmachen nachgedacht. Das Projekt ist vor sechs Jahren als Konsequenz verschiedener Jamsessions entstanden. Wir fanden die Art der Musik, die wir zusammen kreierten, einfach sehr aufregend und produktiv.

Worin besteht euer musikalischer Antrieb?

MIKE SHARP Musik ist das, was Menschen ohne Worte verbinden kann. Bevor man sprechen lernt, kann man schon die natürliche Verbindung zur Musik empfinden und sich durch Töne intuitiv ausdrücken. Von allen Künsten ist Musik die interessanteste in dem Sinn. Popmusik verhält sich dazu aber anders, eher wie eine Komprimierung der künstlerischen Qualität, um so zugänglich wie möglich zu werden. Man begegnet ständig sich wiederholenden Informationen, die wenig mit Musik an sich zu tun haben. Vielleicht kann man es gewissermaßen als Hörhilfe für die Menschen draußen erklären. Alles muss scheinbar sehr einfach und zugänglich dargestellt werden. Unser gesellschaftliches Erleben scheint sich auf diese musikalische Daseinsform reduzieren zu lassen. Es ist schwer, individuelle, intrinsische Werte zu verfolgen, wenn die eigenen Werte verloren zu gehen oder abstrahiert zu werden scheinen. Wir nähern uns dem Pop in einer ironischen Weise und versuchen so, diese festgefahrene Struktur zu durchbrechen. Wir glauben nicht an Pop, aber wir machen Pop, weil wir es müssen. Von anderen Musikrichtungen kann man nur schwer finanziell überleben.

Wie kreiert Ihr die sehr atmosphärische Stimmung von eurem Sound?

ROBERTS Ich glaube, dass unsere Musik in vielen Aspekten sehr ätherisch ist. Die Töne und die Lyrics sind sehr poetisch, ohne gezielt auf ein bestimmtes Gefühl zugeschnitten zu sein.

SHARP Also ich sehe das ganz anders. Ich denke, dass vor allen Dingen unsere Statements dafür verantwortlich sind. Der Musik selbst kommt das Atmosphärische wohl wegen des treibenden Bass‘ zu, und weil wir dieses atmosphärische Gefühl gezielt in ihr erschaffen wollen. Wir nehmen oft mehrere Aufnahmen eines Stücks auf und variieren unsere Statements, sodass sich auch das Ambiente der Musik mit verschiebt. Verschiedene Layers und Frequenzen, seien dies bestimmte ganz feine Geräusche oder Töne, können unbestimmtes Wohlgefallen auslösen. Das Zusammenspiel dieser Elemente schafft eine interessante, atmosphärische und wohlige Komfortzone. Für mich ist dies klar kontrastiv zum bloß Ätherischen, weil es eine ganz bestimmte Art beschreibt, wie die Atmosphäre zu Stande kommt.

Um was geht es bei „Binary Childhood“, dem neuen Album von Otzeki?

ROBERTS Heutzutage sind wir ständig von Medien umgeben und dies seit der Kindheit. Mittlerweile wirkt es sogar charakterprägend, die Medien machen dich zu dem, der du bist. Sie beeinflussen, was du magst oder was dich interessiert, eine Art Diktat dessen, was du sein sollst.

SHARP Und dann auf einmal hört dieses Diktat auf, und wir werden zum Medium selbst. Wir kommunizieren über Bildschirme miteinander, so als ob wir tatsächlich Roboter oder Fernsehschirme wären. Dies abzustreiten oder zu ignorieren, wäre ganz einfach falsch. Die neue mediale Technologie ist zwar sehr praktisch, aber dennoch ist die Wirkung der Medien auf uns nahezu übergreifend. Die meisten Songs sind aus der Perspektive eines Heranwachsenden geschrieben, der sich in dieser schizophrenen Realität wiederfinden muss. Die Sprache, die wir mittlerweile nutzen, um uns alle in Kategorien zu stecken, scheint dem binären System immer näher zu kommen. Wir erzählen von Geschichten und Situationen, die sich inmitten dieses Rahmens der Interaktion zwischen Menschlichkeit und Technologie abspielen.

Was wird die Zukunft für euch bringen?

ROBERTS Wir werden wohl anfangen, an unserem zweiten Album zu arbeiten. Vielleicht wird unser Sound ein wenig ruhiger und eher an Tanzmusik orientiert. Aber immer noch sehr energiegeladen. Aber im Moment wollen wir nicht zu viel darüber reden, um uns nicht von unserer Linie abzubringen.

Welches Programm wird am Samstag auf die Besucher der Rotondes warten?

ROBERTS Oh, das wollen wir nicht verraten. Vielleicht werden wir ein bisschen mehr improvisieren? Aber die Leute sollen sich einfach überraschen lassen.

Konzertbeginn ist um 20.30 mit der Vorgruppe Napoleon Gold aus Luxemburg. Vorverkauf und weitere Details unter www.rotondes.lu. Mehr Infos zur Band unter www.otzeki.com