Handwerksbetriebe in Luxemburg haben jede Menge Ideen. Bei der fünften Auflage des Innovationspreises in der Handwerkskammer gab es eigentlich nicht genug Auszeichnungen für die Menge an guten Einfällen.

Parametrisieren – digital zerlegtes Holz - Digital entwickelte Holzkonstruktionen von Annen plus, Manternach

Annen ist ein Traditionsunternehmen, das 1956 als klassische Schreinerei im Fassadenbau anfing. Bald aber gab es Ideen und Innovationen bei Beschlägen, einbruchhemmenden Fassaden und Pfosten-Riegel-Konstruktionen. Das Unternehmen hat am Biodiversum in Remich, dem Rollinger-Sitz in Walferdingen oder dem Lycée in Junglinster mitgearbeitet, aber auch an der Deutschen Botschaft in Washington oder dem Paulushaus in Jerusalem. Alois Annen drehte richtig auf, als es um die neue Werkhalle ging, die für Annen selbst in Manternach entstehen soll und an der er seit zwei Jahren arbeitet. „Dafür haben wir mit Prof. Yves Weynand. Leiter vom IBOIS, einem Labor für Holzkonstruktionen der polytechnischen Hochschule EPFL in Lausanne zusammengearbeitet“, erzählt der Holz-Ingenieur. Heraus kam eine erstaunliche Konstruktion, die ohne Schrauben und Nägel hält, schnell aufbaubar ist und Spannweiten von 60 m und mehr verträgt. In Manternach wird die neue Halle 130 m lang und an der breitesten Stelle 55 m breit sein – ohne einen einzigen Stützpfeiler. „Das nennt sich Parametrisieren; es geht um das Zerlegen in Einzelteile und deren optimale Kombination“, sagt Annen mit Blick auf das Modell, das an die Haut eines Gürteltiers erinnert. Dafür wurden Kassetten zu Segmenten und Segmente zu Bögen aus Buchenholz geschnitten. „Ohne Digitalisierung wäre das nicht realisierbar. Es handelt sich immerhin um rund 30.000 Einzelteile“, erklärt der Bauherr. Damit alles passt, wird der Architekturplan in die EDV-Datei übertragen und dann in Maschinendaten umgewandelt. Annen hat extra ein neues Programm für seine Maschinen schreiben lassen. Das ist wesentlich für den Erfolg. Die produzierten Bauteile werden dann gelabelt und nach dem Plan zusammengesetzt. „Dieses Vorgehen hat viele Vorteile. Der Transport ist einfacher und das Produkt nachhaltiger“, findet der Geschäftsführer. Er zeigt das Bild des Musterbogens, den er auf dem 5-Achs-CNC-Bearbeitungszentrum realisiert hat. Sie wirken sehr elegant. „Da wir auf Leimholz verzichten, wird sich auch nichts verbiegen“, ist Annen sich sicher. Ein weiter Vorteil: Es entsteht kein Leimholz als Abfall. „Das werden wir kaum los“, weiß Annen. Wenn im Frühjahr Richtfest fest, wird er an die Homepage seiner Webseite denken, auf der sich sein Motto befindet: Unmöglich wird oft genannt, was noch niemand versucht hat.“

Heizen mit Holz, backen auf Stein - Hein Fours hat einen Profi-Ofen entwickelt, der besonders wenig Energie verbraucht

Die Firma Hein verkauft Öfen für Bäckereien in der ganzen Welt. Auf Messen stellte sie den Trend zu Holz- und Steinbacköfen, aber auch zum Schaubacken fest. Das Familienunternehmen aus Strassen verband dies geschickt mit einer enormen Energieeinsparung und erfand das Modell „Woodstone“. 2015 gab es erste Prototypen und schon Ende 2016 war der „Woodstone“ serienreif. Geschäftsführer Pierre Thein erläutert: „Das ist ein echter Hybridofen. Er kann wahlweise mit Holz oder Pressholzbriketts befeuert werden. Aber auch Öl- und Gasbrenner können ihn heizen“, erklärt er. „Der Woodstone kombiniert die Vorteile des Ringrohrbackofens mit besonders niedrigen Energiekosten - dank des jederzeit möglichen Einsatzes des nachwachsenden Rohstoffs Holz.“ Eine neue Feuerungseinheit sorgt im 5-Tonnen-Riesen für die nötige Hitze. „Wir wollten die Vorteile alter Holzöfen erhalten und die Nachteile ausblenden. Das ist uns gelungen“, freut sich Thein. „Auf Messen erfährt er viel Zuspruch.“ Den Riesen gibt es nicht nur mit Stahlfront, sondern auch in Antik Schwarz, weil Nostalgie vor allem in Schaubäckereien gefragt ist.

Im Inneren heizt das Holz Thermosteine auf und die Ringrohre ebenfalls. Verdampfendes Wasser bleibt als Schwade im System und sorgt für eine gleichmäßige Hitze auf den sechs bis 15 m2 Backfläche. „Um in einer Stunde 150 Brotlaibe zu backen, reichen drei bis vier Holzscheite“, weiß Ferdinand Hein, der die fünfte Generation im 1892 gegründeten Familienunternehmen präsentiert. Unter seiner Leitung ist das Unternehmen zu den besten fünf weltweit aufgestiegen. Alle Entwicklungen werden in Luxemburg gemacht, wo die Öfen auch gefertigt werden. Fours Hein hat viel Eigenkapital in die Entwicklung gesteckt und ist stolz darauf, dass nicht nur die Energie-, sondern auch die Wartungskosten sehr niedrig sind.

Das Unternehmen will im Sinne von Nachhaltigkeit und angesichts der Klimadiskussion seinen Beitrag leisten. „Wir haben eine unabhängige Studie mit dem Technischen Überwachungsdienst (TÜV) in Deutschland gemacht, um zu zeigen, dass unsere Öfen bis zu 80 Prozent mehr sparen“, erzählt Thein. Für ihn ist auch der Wasserverbrauch wichtig, da Wasser für den Dampf benötigt wird und gleichzeitig als kostbarer Rohstoff gilt. Der global tätige Ofenbauer geht davon aus, dass diese Argumente Großbäckereien überzeugen. „Ein Kunde mit 2.000 Mitarbeitern und 200 Läden hat durch eine neue Backofenanlage von einer Kapazität von 40.000 Broten pro Tag ein Einsparpotenzial von mehr als 300.000 Euro oder 1.500 Tonnen CO2-Vermeidung pro Jahr“, rechnet Thein vor. „Da wird jeder Unternehmer hellhörig. Angesichts steigender Energiepreise sehen wir hier den Markt.“

Knisternde Klicks - Bei Emil Antony gibt es Termine zum Kamin putzen per Klick auf der Webseite

Bei Martin Antony ging es ganz schnell. Der Geschäftsführer von Emil Antony S.a.r.l. in Mertert hat innerhalb von nur drei Monaten sein Unternehmen digitalisiert. Antony ist in einem heißen Bereich unterwegs. Der gelernte Schornsteinfeger, Kaminbauer und Bauunternehmer fegt Kamine und baut Kamine. Das Ursprungsunternehmen hatte 1977 der Vater von Martin Antony, Emil Antony, gegründet. 2007 übernahm Martin den Betrieb mit Schornsteinfegen und Kamin bauen, vor zwei Monaten wurde das 40. Jubiläum gefeiert. Bei Antony geht Tradition mit Technik einher. „Bislang fuhren unsere Leute immer mit einem dicken Ordner raus. Jetzt haben sie einfach einen iPad dabei“, sagt er zufrieden. Ein weiterer Vorteil: Alles geht viel schneller. „Die Kunden können jetzt online einen Termin zum Kaminfegen anfragen. Die Webseite ist seit kurzem fertig. Vor Ort werden viele Fotos und ein Bericht gemacht, das geht alles online.“ Damit wüssten alle Kollegen, aber auch die Kunden, wie der Zustand des Kamins sei. Noch besser: „Sobald ein Kunde unterschrieben hat, geht die Rechnung raus. Wir sind da nicht mehr in Verzug. Und viele Kunden bezahlen sofort online mit der Karte“, freut sich der 40-Jährige. Er bedauert, dass noch rund die Hälfte der Kunden auf einer schriftlichen Rechnung beharrt.

Bei Antony ist jetzt auch das Lager digitalisiert. „Damit sparen wir viel Zeit und haben eine viel bessere Kontrolle“, urteilt er. „Die nutzen wir dann, um Altkunden, bei denen wir schon gefegt haben, zu fragen, ob sie nicht wieder unsere Dienste brauchen. Viele sind sehr erfreut, weil sie das zwar wollen, aber gerade nicht daran gedacht haben. So haben wir mehr Aufträge“, erklärt Antony. Er rechnet damit, dass das Unternehmen die Kosten von rund 35.000 Euro für die Umstellung im kommenden Jahr wieder eingenommen hat. Eines ist ihm noch wichtig: „Wir haben nicht digitalisiert, um zu entlassen.“ Tatsächlich will der Betrieb mit acht Mitarbeitern diese im Zweifel für andere Aufgaben wie die Akquise einsetzen. Pläne für die Zukunft hat Antony auch schon: Die Ofensetzer und Schornsteinbauer sollen auch noch digitalisiert werden. Nach dem Erfolg des ersten Schritts rechnet Antony damit, dass der zweite ebenso gut läuft. Schornsteinfeger, die ihm Glück bringen, hat er im Zweifel genug im Haus.

Gut geflogen, gut gerüstet - Spanier & Wiedemann kann dank einer Drohne und eines Programms Gerüste genau planen

Spanier & Wiedemann setzt auf den Moselcopter und ein selbst geschriebenes Programm, um ganz neue Wege beim Gerüstbau zu gehen. Auf die Idee kam Gerüstbaumeisterin Jeannette

Spanier, die Geschäftsführerin von Spanier & Wiedemann in Wasserbillig ist. Sie sagte zu ihrem Vater: „Du kannst doch fliegen!“ Tatsächlich hat Hermann Spanier 30 Jahre Erfahrung mit seinem Hobby, dem Modellflug. Gemeinsam fingen sie vor 2,5 Jahren an zu tüfteln. „Es gab Programme, aber nichts, das für das Handwerk tauglich war“, erklärt Hermann Spanier, der das Unternehmen im deutschen Longuich 1992 gegründet hat. „Auf dem Bau ist Planung wichtig. Durch den Einsatz des Moselcopters können wir jetzt viel präziser bauen, Zeichnungen der Gerüste in 2-D sowie Modelle in 3-D erstellen“, freut sich Jeannette Spanier. „Die 3-D-Visualisierung ermöglicht es auch, den Mitarbeitern die Situation vor Ort viel genauer zu erklären. Und der Kunde kann auf dem Handy die Baustelle mitverfolgen.“

Aktuell setzt das Unternehmen den Moselcopter, eine Flugdrohnen mit Kamera, beispielsweise in der Mühlenbachstraße ein, wo ein Mehrfamilienhaus entsteht. Zunächst hat die Drohne das Gebäude überflogen. „Dank des von uns und einer Softwarefirma entworfenen Programms, das es so nicht auf dem Markt gab, entwickeln wir daraus die Pläne, Zeichnungen und Modelle“, sagt Hermann Spanier und führt das direkt am Handy vor. „Wir haben auch unser Lager digitalisiert. Jetzt wissen wir genau, was wo ist.“ Der Schwund auf Baustellen habe deutlich abgenommen. Jeannette Spanier sieht auch Vorteile bei der Einstellung. „Seit wir den Moselcopter auf Personalmessen zeigen, rennen uns die Jugendlichen quasi die Tür ein.“ Das Unternehmen kann sich die Auszubildenden aussuchen und beschäftigt jetzt rund 30 Mitarbeiter. Diese wiederum freuen sich, dass ihr Arbeitgeber ein cooles, einmaliges, modernes Angebot hat. Neue Mitarbeiter waren auch nötig, weil die Auftragseingänge durch die Idee zunahmen. „Die Qualität und Zuverlässigkeit spielen da auch eine Rolle“, versichert Jeannette Spanier. „Die Kunden reagieren begeistert auf unsere

Idee, die Mitarbeiter sind sicherer, sie wissen, was sie erwartet.“ Das Programm ist für Architekten, Handwerker, Energieberater, Makler und viele andere interessant, weil es auch Zugang zu schwierigen Stellen ermöglicht. „Wir arbeiten derzeit an einer Turbine des Moselkraftwerks. Die ist 30 Jahre alt. Damals gab es noch keine digitalen Pläne. Dank unseres Verfahrens jetzt schon“, freut sich Jeannette Spanier.