LUXEMBURG
MARCO MENG

Russische Wirtschaftsdelegation besucht Luxemburg

Auch um Cargolux ging es gestern beim Arbeitsbesuch des stellvertretenden russischen Ministerpräsidenten Dmitri Rogosin, der mit einer Wirtschaftsdelegation nach Luxemburg kam. Darunter waren neben hochkarätigen Vertretern der russischen Wirtschaft auch der russische Vizeminister für Wirtschaftsentwicklung sowie der stellvertretende russische Verkehrsminister Valeri Okulow. Der Schwiegersohn des verstorbenen russischen Präsidenten Boris Jelzin war zehn Jahre Chef der größten russischen Fluggesellschaft Aeroflot gewesen.

Gespräche zu Cargolux laufen

Rogosin, ehemaliger russischer Botschafter bei der Nato, begann seinen Besuch mit einer Unterredung mit Finanzminister Luc Frieden. Dabei habe man über die Entwicklung der internationalen Finanzplätze gesprochen. Drei andere große Themen, die die russische Delegation mit Wirtschaftsminister Étienne Schneider sowie Infrastrukturminister Claude Wiseler besprach, waren eine Zusammenarbeit mit der SES, die Errichtung einer Fluglinie nach Moskau sowie eine eventuelle Beteiligung einer russischen Fluggesellschaft an der Cargolux gewesen. Als ein möglicher Aktionär für Cargolux gilt Volga Dnepr. Deren Tochter, die Frachtairline Air Bridge Cargo (ABC), kooperiert seit längerem erfolgreich mit Air Cargo Germany Berlin und hält an der auf dem Flughafen Hahn stationierten Airline seit März diesen Jahres 49 Prozent der Anteile.

„Die Luxemburger Regierung wird mit allen Interessenten verhandeln“, so Wirtschaftsminister Schneider gestern. Verschiedene Unternehmen hätten ihr Interesse gezeigt, erklärte er weiter und fügte hinzu, dass man mit dem Chef von Volga-Dnepr, Alexej Isaikin, der gestern ebenfalls in Luxemburg war, bereits Gespräche führe. Schneider dazu: „Was für uns zählt, ist, dass man sich zugleich über eine Kooperationsstrategie und über eine Strategie für die Gesellschaft Cargolux einigt“. Laut Vizepremier Rogosin, könne eine Zusammenarbeit von Cargolux und Volga-Dnepr „nur erfolgreich sein“.

Momentan finden Verhandlungen zu einer Flugstrecke zwischen Luxemburg und Moskau statt, die voraussichtlich durch Aeroflot angeboten werden könnte. Man warte dazu allerdings noch auf die Ergebnisse einer Rentabilitätsstudie und hofft, dass bis zum Staatsbesuch des Großherzogs im Februar in Russland der Flugbetrieb auf dieser neuen Linie aufgenommen ist. Ministerpräsident Jean-Claude Juncker bekräftigte, dass es der Wunsch Luxemburgs wie auch Russlands sei, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern „auf ein anderes Niveau zu bringen“; dazu werde man auch mit Belgien, mit welchem Land man eine Wirtschaftsunion hat, sprechen.

Neben politischen und wirtschaftlichen Themen, so die Luxemburger Regierung, habe man gestern mit der russischen Seite auch über das Thema Menschenrechte gesprochen.