PATRICK WELTER

Heute steht Dresden, die Hauptstadt Sachsens, in den Augen der Welt für die rassistischen Idioten der PEGIDA-Bewegung. Viel länger steht Dresden für eine der größten und unnötigsten Tragödien des Zweiten Weltkriegs - die Vernichtung der Stadt am 13. und 14. Februar 1945 durch alliierte, mehrheitlich britische Bombenangriffe. Die angeblichen Opferzahlen reichten bis zu 400.000 Toten. Je höher die Zahl, desto rechter die Quelle. Die moderne Forschung geht von 23.000 bis etwa 25.000 Todesopfern aus.

Niemand soll vergessen, wer Warschau, Rotterdam, Coventry oder das Londoner East-End zusammengebombt hat, die deutsche Wehrmacht - von Kriegsverbrechen und Holocaust ganz zu schweigen. Eine Frage stellt sich aber immer wieder - im Zweiten Weltkrieg genauso wie heute: Mit welchen Mitteln dürfen Demokratien, Länder mit moralischen Werten, gegen Unrechtsregime vorgehen? Können Flächenbombardierungen von Wohngebieten oder Todesschüsse per Drohne wenn nicht moralisch, dann zumindest rational gerechtfertigt sein? Im Frühjahr 1945, als nur noch die Prätorianer um jeden Quadratmeter Reichsboden kämpften, fragte das US-Kommando die Briten, ob sie die Flächenbombardements nicht einstellen wollten? Sie wollten nicht - Würzburg, Hanau und Hildesheim wurden zu einem Zeitpunkt vernichtet, als die Amerikaner in Remagen schon über den Rhein gesetzt hatten. Die planmäßige Vernichtung der Städte war den Briten nach dem Krieg so peinlich, dass Arthur Harris, der Chef des Bomberkommandos, erst lange nach seinem Tod ein - umstrittenes - Denkmal erhielt. Auch jenseits des Kanals trug Harris den Beinamen „Butcher“ - fast jede zweite Bomberbesatzung (45 Prozent) kam nicht zurück!

Winston Churchill hatte den Berliner Irren schon durchschaut, als Chamberlain noch auf dem Obersalzberg vor dem „Führer“ dienerte. Hätten sich die Appeaser um Lord Halifax im Mai 1940 durchgesetzt und einen Verständigungsfrieden mit Berlin erreicht, wäre die Welt eine andere. Zu Churchills brutaler Entschlossenheit, dem mörderischen Regime alles entgegenzusetzen, was möglich war, gehörte alles, nicht nur die Versenkung der französischen Flotte in Oran, sondern auch freie Hand für Arthur Harris. Harris‘ Strategie der Flächenbombardierung unterschied sich elementar von der der US-Air-Force. Die Vorlage dafür war das „dehousing memorandum“ mit dem Tenor: „Wer kein Dach mehr über dem Kopf hat, hat keine Lust auf Krieg.“ Während die Amerikaner Industrieanlagen und Verkehrswege in Nazi-Deutschland angriffen und britische Spezialeinheiten Talsperren zerstörten, die „Tirpitz“ aus der Luft versenkten und versuchten die U-Boot-Bunker an der Atlantikküste zu knacken, konzentrierte sich Harris weiter auf Innenstädte und Wohngebiete. Die Rechnung ging allerdings nie auf - und in den letzten Kriegsmonaten machte sie überhaupt keinen Sinn mehr, auch wenn das Nazi-Monster noch zuckte.

Schon ein Vierteljahrhundert später war diese Art des Krieges nicht mehr öffentlich zu vertreten. Als Nixon meinte, er wolle „Nordvietnam in die Steinzeit zurückbomben“, war der Aufschrei in der Welt und in den USA so groß, dass er den Anfang vom Ende des Vietnam-Krieges bedeutete…