LUXEMBURG
NICO PLEIMLING

Luxemburg etabliert sich langsam, aber sicher auf der musikalischen Weltkarte

Musikern braucht man ihn definitiv nicht mehr vorzustellen, denn er kann ohne weiteres als Pate der Luxemburger Szene bezeichnet werden. Roger Hamen hat sich im Oktober 2011 aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen, aber er engagiert sich auch weiterhin für die lokale Musikszene. Denn auch wenn sich in den letzten Jahren sehr viel getan und zum Positiven entwickelt hat, gibt es im Ländchen noch so manche Baustellen im Bereich der nicht-klassischen Musik.

„Die Musiker können heute auf neue Möglichkeiten zurückgreifen, sei es in punkto Technik oder was die Probesäle betrifft. Außerdem haben sich die Gewohnheiten des Publikums verändert und beispielsweise sind die Eltern junger Konzertbesucher dieser Tage mehr eingebunden, als früher.“, bemerkt der frühere Schlagzeuger und unterstreicht im gleichen Atemzug: „Es ist noch immer so, dass die verschiedenen Konzertsäle und Promoter links und rechts ihr eigenes Ding aufziehen. Eine konsequente Koordination der Kalender ist unmöglich und deswegen kommt es immer wieder vor, dass zwei Vertreter einer Musikrichtung am gleichen Abend quasi das gleiche Publikum umwerben.“

Sich auf das Unbekannte einlassen

Man könne also eventuell darüber nachdenken, in Zukunft eine Lobby für eine bessere Koordination zwischen den verschiedenen Häusern und Organisatoren zu schaffen. Wichtiger noch sei es, dass die Konzertanbieter, einschließlich der vielen Kulturhäuser eine klare Linie in ihr Programm bringen, momentan sei alles noch immer ein wenig „wischi waschi“. Roger Hamen glaubt auch, dass sich in Esch-Belval, wo er bis vor einem Jahr in der Rockhal gearbeitet hat, in Zukunft eine Kundschaft entwickeln wird, die auch spontan Konzerte besuchen wird und nicht mehr unbedingt die Namen der Künstler und Bands kennen muss. „Die Leute gehen ja auch unwillkürlich in ein neues Restaurant und lassen sich überraschen. Die gratis Showcases im „Rockhal Café“ tragen dazu bei, dass das Publikum sich auf das Unbekannte einlässt.“

Der Markt ist praktisch gesättigt

Allerdings drängt sich die Frage auf, ob der Markt im Großherzogtum nicht so langsam gesättigt ist, denn schließlich gibt es ein weiteres großes Angebot in unseren Nachbarländern, das es nicht zu unterschätzen gilt. „Es stimmt, dass wir so langsam am Limit sind und es ist gut möglich, dass wir mit dieser extrem großen Auswahl in zwei Jahren sprichwörtlich in die Mauer knallen. Dabei denke ich nicht nur an die Finanz- und Wirtschaftskrise, die seit ein paar Jahren umgeht und uns auch noch eine Weile beschäftigen wird. Wir haben die Latte nämlich sehr hoch angesetzt und inzwischen waren fast alle großen Künstler auf unseren Bühnen zu sehen.“

Weiter seien die Preise für einige Konzerte von etablierten Größen teilweise zu hoch, meint Roger Hamen, der diese Preispolitik dadurch erklärt, dass die Musiker seit einigen Jahren wegen dem Aufkommen von illegalen Downloads nicht mehr so viele CDs verkaufen und deshalb über andere Wege und Mittel Geld in die Kasse bekommen wollen. „Für die Konzerte von weniger bekannten Bands kann ich mir, vor allem bei öffentlichen Einrichtungen wie der Rockhal, vorstellen, dass ein neugieriges Publikum über das Angebot von einer Art Abonnement angespornt werden kann, sich Shows dieser Gruppen anzusehen.“

Eternal Tango haben gezeigt, wie es geht

Rosch, wie er von seinen Freunden und Musikerkollegen genannt wird, setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass Bands aus dem Großherzogtum auch im Ausland bekannter werden. Das junge Exportbüro music:LX ist eine logische Weiterentwicklung der „Backline“-asbl, die er 1995 mitgegründet hat. „Allerdings macht man mit einem relativ kleinen Budget, das obendrauf das Gehalt von zwei Mitarbeitern begreift, nicht ganz viel. Das Exportbüro ist sicher eine gute Sache, aber es ist vor allem wichtig, dass Musiker da sind, die sich professionell weiterentwickeln und von ihrer Musik leben wollen.“

Großes Lob spricht Roger Hamen für „Eternal Tango“ aus, die über zehn Jahre bewiesen haben, dass es möglich ist, von der eigenen Musik zu leben und dass diese Band damit andere Musiker ermutigt haben, in ihre Fußstapfen zu treten. „Wir sind hier in Luxemburg inzwischen an einer Kreuzung angekommen. Das „Learning by doing“ ist vorbei und die Leute müssen nun geschult werden, um die Berufe des Rock-Business auf einem professionellen Niveau auszuüben.“

Dabei könnte die anstehende Publikation von Tom Bellions Arbeit „Exportgut Kultur: aktuelle Situation und Perspektiven der populären Musik“ einige Anregungen geben, meint Roger Hamen. Der Pionier der lokalen Musikszene ist zwar offiziell im Ruhestand, aber er setzt sich im Rahmen des Projekts „Proufsall-Label“ des „Service National de la Jeunesse“ weiterhin für den Nachwuchs ein und unterstreicht: „Ich bin noch ein paar Jahre da!“