LUXEMBURG
CLAUDE MÜLLER

Zahlreiche talentierte Jazzmusiker haben uns in diesem Jahr verlassen

Der dänische Geiger Svend Asmussen galt lange als das nordische Gegenstück eines Stéphane Grappelli. Am 7. Februar starb der vielseitige Swingmusiker im biblischen Alter von 100 Jahren. 76 Jahre alt wurde der Jazzsänger Al Jarreau, der am 12. Februar verschied. Weltbekannt wurde der einzige Grammypreisträger in den Sparten Jazz, Pop und Rhythm & Blues 1976 mit einer originellen Vokalversion des Jazzhits „Take Five“. In Luxemburg trat Jarreau unter anderem in der „Rockhal“ und der Philharmonie auf. Am 13. Februar verstarb der deutsche Pianist Michel Naura mit 82. Er leitete die Jazzredaktion des Norddeutschen Rundfunks in Hamburg. In Paris verschied am 16. Februar Maurice Vander, der langjährige Pianist des französischen Chansonniers Claude Nougaro. Er wurde 87 Jahre alt.

2011 spielt er mit Philip Catherine bei der „Night Of Jazzguitars“. Im Sommer 2016 wurde ein Auftritt von Stargitarrist Larry Coryell auf dem Echternacher Festival krankheitshalber kurzfristig abgesagt. Am 19. Februar ist der Pionier des Jazz Rock 73-jährig in New York verstorben. Am 23. Februar ist mit dem Pianisten Horace Parlan (86) ein wichtiger Wegbegleiter namhafter Saxofonisten wie Dexter Gordon oder Archie Shepp von uns gegangen. Der in früher Jugend an Kinderlähmung erkrankte Musiker entwickelte, bedingt durch sein Handicap, eine spezielle Begleittechnik.

Mit Misha Mengelberg verstarb am 3. März ein Urgestein der niederländischen Avantgarde. Der Pianist, Bandleader und Komponist wurde 81. Der Alt- und Sopransaxofonist Arthur Blythe,ein weiterer wichtiger Vertreter des avantgardistischen Jazz, verstarb am 27. März 76-jährig.

Einer der anpassungsfähigsten Schlagzeuger war Mickey Roker, der am 22. Mai mit 84 Jahren verschied. Er spielte mit so unterschiedlichen Stilisten wie Ella Fitzgerald, Dizzy Gillespie, Oscar Peterson und Count Basie. Auch in allen Stilen zu Hause war die 1957 geborene US-amerikanische Pianistin Geri Allen, die am 27. Juni an Herzversagen verstarb.

Am 22. August ist John Abercrombie im Alter von 72 Jahren verstorben. Er gilt als einer der einflussreichsten Gitarrenvirtuosen und war noch im November 2016 zu Gast im Düdelinger Kulturzentrum „opderschmelz“. Leo Cuypers, in den 1970er Jahren häufiger Gast beim „jazzclubluxembourg“ im Melusina, verließ uns 69-jährig am 5. September. Bereits 2009 starb der Pionier des britischen Jazz Rock Ian Carr. Er begann seine Karriere zusammen mit John McLaughlin in der Band seines Bruders Mike Carr, der am 22. September ebenfalls verstarb. Am 27. ist die Mannheimer Sängerin Joy Fleming mit 72 Jahren von uns gegangen

Am 3. Oktober wurde der Luxemburger Keyboarder Patrick „Petz“ Hartert im Alter von nur 53 Jahren Opfer eines Verkehrsunfalls. Petz war in den 1980er Jahren in Jazzkreisen vor allem durch zahlreiche Auftritte im Fischmarkter Bistro „Art Scène“ bekannt. Grady Tate, mit über 700 Platten einer der meistaufgenommenen Jazzschlagzeuger, wurde 85 Jahre alt. Er verschied am 8. Oktober.

Außer dass er in New Orleans geboren wurde und am Anfang seiner Karriere dort als Boogie Woogie-Pianist auftrat, hatte er nicht viel mit Jazz gemeinsam. Am 24. Oktober starb Fats Domino mit 89 Jahren. Unvergessen bleibt seine bekannteste Komposition „Blueberry Hill“, die auch in das Repertoire von Jazzmusikern wie etwa Louis Armstrong aufgenommen wurde.

Pianist Muhal Richard Abrams begleitete in jungen Jahren Stars wie Miles Davis und Sonny Rollins. Später machte der am 29. Oktober im Alter von 87 Jahren verstorbene Musiker sich vor allem einen Namen als Komponist von sinfonischen und kammermusikalischen Werken. Bekannt wurde Schlagzeuger Ben Riley in den 1960er Jahren als Sideman des Pianisten Thelonius Monk. Mit 84 verließ er uns am 18. November. Jon Hendricks, der mit fünf Grammys ausgezeichnete Scat-Sänger, Gründer und Texter des Gesangtrios Lambert, Hendricks & Ross wurde 96 Jahre alt. Weltweiten Ruhm erlangte er durch seine neue Technik der Vokalisierung ganzer Big Band-Sätze.

Im Dezember haben uns zwei bedeutende Persönlichkeiten der amerikanischen Avantgardeszene verlassen. Am 7. starb Sunny Murray, einer der führenden Schlagzeuger des freien Jazz, im Alter von 81 Jahren. Roswell Rudd, der mit seinem unverkennbaren, temperamentvollen Sound jahrelang das Klangbild der Carla Bley-Band prägte, erlag 82-jährig am 21. Dezember einem Krebsleiden.

Bekannte Mitarbeiter aus dem Medienbereich des Jazz

Außerdem haben uns in diesem Jahr eine Reihe bekannter Mitarbeiter aus dem Medienbereich des Jazz verlassen. Im Alter von 91 Jahren verstarb am 7. Januar Nat Hentoff, der bekannteste Jazzhistoriker Amerikas (Autor von „Jazz erzählt“) und am 27. Lucien Malson (90), Mitarbeiter der Jazzzeitschrift „Jazz Hot“, der hierzulande hauptsächlich durch seine jahrzehntelang ausgestrahlten Radiosendungen bei „France Musique“ bekannt war. Mit 88 verlassen hat uns am 4. März der Regisseur Jean-Christophe Averty, der in den 1960er Jahren verantwortlich war für die Produktion von Reportagen und Dokumentarfilmen über die wichtigen französischen Festivals („A Love Supreme“ mit John Coltrane). 80 Jahre alt wurde Philippe Adler. Er war langjähriger Chefredakteur von „Jazz Hot“ und Mitarbeiter des „Jazz Magazine“. Er verstarb im März, ebenso wie Ekkehard Jost (79), der 1975 das Kultbuch „Free Jazz“ schrieb, das noch heute zu den umfangreichsten und bestens recherchierten Dokumentationen dieser Richtung gehört. Der Musikwissenschaftler wirkte außerdem als Baritonsaxofonist bei Einspielungen verschiedener avantgardistischer Ensembles mit.