RONALD KWIATKOWSKI

Das Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ in Deutschland bietet ein kostenloses und durch die Schweigepflicht geschütztes Behandlungsangebot für Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen und deshalb therapeutische Hilfe suchen. Im Rahmen der Therapie erhalten die betroffenen Personen Unterstützung. Ein Vorbild für Luxemburg?

„Das Anliegen meiner Petition 731 ist die Einrichtung eines solchen permanenten, öffentlichen Dienstes, der dem Bürger eine anonyme Gelegenheit geben soll, um Hilfe zu bitten, falls dieser Bürger an sich selbst Tendenzen zu illegalem sexuellen und/oder gewalttätigen Verhalten feststellt. Dieser Dienst soll vornehmlich logistisch wirken, als verfügbare und effiziente Schnittstelle zwischen potenziellem Täter und adäquater medizinischer Betreuung. Auf diese Weise soll ‚aktive Täterprävention‘ sowohl ein gesellschaftlicher Begriff, als auch ein gesellschaftliches Werkzeug werden. Das simple Prinzip: je weniger Täter, desto weniger Opfer.

Häusliche Gewalt und Pädosexualität zählen zu den größten gesellschaftlichen Problemen, aber auch zu den tabuisiertesten. Leider beschränken sich präventive Methoden auf hilflose Verhaltensregeln, etwa: ‚Steig nicht ins fremde Auto!‘ oder ‚Trenn dich von ihm!‘. Andererseits ist die Anteilnahme der Öffentlichkeit groß nach einem entsprechend tragischen Vorfall.

Studien belegen, dass es bei pädosexuellen Tendenzen vor illegalen Taten eine längere Zeit beim Patienten gibt, welche von Scham, Gewissensbissen, Zwiespalt und mentaler Des- und Umorientierung geprägt ist. Auch im Bereich der häuslichen Gewalt gibt es bei den Patienten immer wieder Momente der Klarheit und des Selbstkonflikts. Dann muss die Gesellschaft dem potenziellen Täter einen leicht erreichbaren Ausweg anbieten, einen Ausweg, den man nicht zu fürchten braucht. Dies kann eine Telefonnummer sein, eine Mailadresse, ein anonymisiertes Büro. Wichtig ist, dass der Patient weiß, dass er hier kompetente Hilfe bekommt, für sein ganz eigenes Problem, das er niemandem mitteilen kann.

Dementsprechend muss dieser Dienst gut beworben werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Initiative ‚Kein Täter werden‘ der Berliner Charité, welche Fernsehspots unter dem Thema ‚Sind Ihnen Kinder lieber als Ihnen lieb ist?‘ schalten ließ. Ein solcher Dienst könnte etwa beispielsweise (durchaus schlagkräftig) ‚B4-Before‘ heißen, um eine möglichst große Wahrnehmung zu erreichen. Genauso wie es Helplines für Kinder, Frauen oder Suizidgefährdete gibt, sollte eine Helpline angeboten werden für Menschen, welche die anderen Helplines erst nötig machen. Eine beidseitige Strategie. Der Dienst sollte - wie erwähnt - vornehmlich logistisch funktionieren und die entsprechenden Patienten den entsprechenden Kapazitäten zuführen.“