LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Superjhemp retörns“, nach den Comics von Roger Leiner und Lucien Czuga

Die Amerikaner haben Superman und Batman, die Franzosen Asterix und Obelix und die Belgier Tintin, alles Superhelden, welche die Welt vor Bösem bewahren. Wir Luxemburger haben Superjhemp, alias Charel Kuddel, der, wenn er „Kachkéis“ isst, Superkräfte entwickelt und sogar fliegen kann. Das Duo Roger Leiner (1955 - 2016) und Lucien Czuga erfand die Figur 1988. Im November 1988 erschienen Superjhemps Abenteuer erstmals in der Wochenzeitung „Revue“, und bis 2014 wurden sie in 29 Bänden veröffentlicht. Vor Jahren wollte Andy Bausch die Geschichten bereits verfilmen, doch wurde sein Projekt vom Film Fund abgelehnt. Das Drehbuch von Félix Koch wurde allerdings 2016 für gut befunden, und Samsa-Film-Produzent Claude Waringo zeigte sich bereit den Film „Superjhemp retörns“ zu produzieren.

Außer Dienst

Der Film erzählt nicht, wie Charel Kuddel zum Superhelden wurde, sondern wie er sein Kostüm wieder anziehen muss, um die Krone von Luxusbuerg zu suchen. In kurzen Rückblenden erfährt der Zuschauer, was Superjhemp (Konstantin Rommelfangen) alles geleistet hat, und wie er sich in die RTHELL-Reporterin Félicie Fleck (Sophie Mousel) verliebt. Bei einem Einsatz in der brennenden Kathedrale wird er verletzt. Seitdem ist er von der Bildfläche verschwunden. Félicie (Désirée Nosbusch) führt heute ein biederes Familienleben. Sie ist mit dem Staatsbeamten Charel Kuddel (André Jung) verheiratet, und sie haben einen Sohn, Metti (Etienne Halsdorf). Sie weiß aber nicht, wen sie eigentlich geheiratet hat. Die Familie besucht eine Ausstellung über die Luxusbuerger Dynastie, alias die von Heielei vu Kuckelei. Ein Unbekannter lässt die ausgestellte Krone zur Hälfte verschwinden und hinterlässt einen Drohbrief an die Adresse des künftigen Klein-Herzogs von Luxusbuerg, Prinz Luc (Jules Waringo). Der Hofmarschall (Henri Losch) lässt den Prinzen in Sicherheit bringen, der jedoch das Wiederfinden von Superjhemp fordert. Inspektor Schrobiltgen (Luc Feit) leitet die Untersuchungen. Der Avant-Premier des Landes, Brettel (Jules Werner), ausgesprochen wie im Französischen „Bretelle“, macht sich ebenfalls Sorgen. Durch das Filmen des Attentats wird Félicie wieder bei RTHELL engagiert, zur Freude vom Programm-Chef Tom Jitée (Tommy Schlesser) und zum Missfallen der Reporterin Tanja Trajet (Julie Kieffer). Charel Kuddel, der beim Ministerium für hoffnungslose Fälle arbeitet, und eine liebestolle Sekretärin hat, Fräulein Lamesch (Fabienne Hollwege), wird mit der Suche von Superjhemp beauftragt. Metti, dessen Freundin Jill (Adèle Wester) nach Kanada umziehen wird, freundet sich mit dem neuen Nachbarn Erni Tendo (Jean-Paul Maes) an, der mit Strom experimentiert.

Gags und Emotionen

Der Film ist vollgestopft mit Gags, sowohl verbalen und visuellen, die typisch luxemburgisch sind. Für die Produktplatzierung wurden die Namen bekannter Firmen umbenannt, wie Rosport zu „Räspert“, Simon Bier zu „Sibon“ oder Luxlait zu „Juxlait“. Somit hat man einerseits seine Beschäftigung, alle Plakate und Annoncen in den gezeigten Zeitungen, sowie deren Titel, zu lesen, und andererseits alle verbalen Gags zu verstehen. Sogar ein Exemplar des „Lëtzebuerger Journal“ ist zu sehen, mit einem Foto von Guy Daleiden. Ja, dieser Film ist definitiv nichts für Nicht-Luxemburger.

Wer sich jetzt einen Superhelden-Film à la Superman erwartet oder einen Comic mit realen Schauspielern, der wird enttäuscht sein, denn „Superjhemp retörns“ bietet ernstgemeinte Unterhaltung, die in zweiter Linie extrem komisch ist. Ganz ernst, realitätsnahe und mit Emotionen gespickt ist die Relation zwischen Félicie und Charel. Beider Leben ist am Nullpunkt angekommen und erhält einen neuen Kick mit dem Auftauchen von Superjhemp. Einzig Charel weiß, wer dieser Kerl ist, und erkennt, dass Félicie ihn nie vergessen hat, sich gar alle die Jahre nach ihm sehnt, was ein inniger Kuss von ihr zeigt. Nur muss er zuerst die Krone finden, ehe er sein Geheimnis lüften und somit seine Ehe retten kann. Nosbusch und Jung spielen dieses Ehepaar mit großer Überzeugung, und ihrem Talent entspringen ein paar ergreifende Momente. Auf der Gegenseite ist Luc Feit als tollpatschiger Inspektor mit stehendem Haar äußerst komisch, ohne jedoch lächerlich zu wirken. Félix Koch, der mit „Superjhemp retörns“ seinen ersten Spielfilm drehte, ist ein wirklich guter luxemburgischer Film gelungen, der witzig, sarkastisch und emotional ist.