LUXEMBURG
BILL WIRTZ

Kinder der Schausteller lernen während der „Schueberfouer“ in der Sommerakademie

Während der diesjährigen „Schueberfouer“ organisiert die Gemeinde der Stadt Luxemburg im „Tramsschapp“ auf dem Limpertsberg wie jedes Jahr die Sommerakademie für die Kinder der Schausteller. Zwischen 14.00 und 19.00 werden hier die Kleinen zwischen vier und zwölf Jahren jeden Tag von ausgebildeten Betreuern versorgt.

Die Betreuer treffen sich dafür täglich um 11.00 um den gemeinsamen Tag zu planen, drei Stunden vor dem Ansturm der „Forain“-Kinder. Aufgeteilt werden die Kinder dafür in verschiedene Gruppen, darunter die Vier- bis Achtjährigen, die sich meist im Bastelatelier aufhalten, sowie Gruppen, die den „Tramsschapp“ verlassen dürfen, um in der Sporthalle des „Lycée Michel Lucius“ Sportaktivitäten betreiben zu können und auf Ausflüge gehen dürfen. Darunter fallen auch Ausflüge in den beliebten Park in Bettemburg. Die „Animateure“ freuen sich besonders darüber, dass ihnen bei der Auswahl der Aktivitäten freie Hand gelassen wird. Was morgens um 11.00 entschieden wird, wird auch Programm.

Für die jungen Betreuer ist die Sommerakademie eine besondere Herausforderung. Wer mit luxemburgischen Kindern arbeitet, bekommt Routine. Die Kinder der Schausteller seien allerdings kecker und hätten mehr Energie. Hinzu kommen Schwierigkeiten mit der Kommunikation: Die Kinder sprechen verschiedene Sprachen, wodurch Anweisungen mehrmals und in unterschiedlichen Sprachen wiederholt werden müssten. Für die siebenjährige Maili aus Deutschland ist das manchmal schwierig, da sie zu den Wenigen gehört, die Deutsch sprechen. Betrübt über das Leben als Schaustellerkind ist sie trotz allem nicht: „Es ist ganz spannend. Ich bin immer in anderen Ländern und hab‘ jedes Jahr neue Freunde.“

Für die zwölfjährige Nina aus Frankreich ist Luxemburg immer ein Ereignis: „Es gehört zu den Messen, zu denen ich sehr gerne komme.“ Auf die Frage hin wie sie sich ihre Zukunft vorstellt, ist sie noch unentschlossen: „Vielleicht werde ich mich umentscheiden, doch momentan kann ich es mir sehr gut vorstellen, das Restaurant meiner Eltern zu übernehmen. Servieren durfte ich allerdings noch nicht: Meine Eltern glauben, es sei zu gefährlich mit den heißen Tellern.“

Bei kleinen Arbeiten sieht man allerdings öfter Kinder der Schausteller eine Hand mit anpacken, was der „Schueberfouer“ und den „Forains“ auch diese familiäre Atmosphäre verleiht. Auffallend ist die Erwachsenheit der Kinder. Im Vergleich zu gleichaltrigen luxemburgischen Kindern reden sie sehr fließend und scheuen nicht mit fremden Leuten zu reden, besonders nicht mit Journalisten. Die Kinder folgen dem Geist der Schausteller, deren Leben daraus besteht, nonstop durch Europa zu reisen. Für viele andere Kinder wäre dieses Leben unvorstellbar, doch niemand scheint es zu bereuen. Viele der Schaustellerkinder kennen sich bereits von anderen Messen und beschreiben ihr Leben als ungewohnt, doch wahrlich aufregend.