LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Lahmer Diskussionsabend rund um die Zukunft der Medien

Dramatische Entwicklungen im Ausland, Stellenabbau in Luxemburg. Die Hiobsbotschaften aus der Medienbranche überschlagen sich derzeit. Die rosigen Zeiten im Zeitungswesen sind vorbei. Wie ist die Situation in Luxemburg? Genau diese Frage wurde am Montagabend im Carré Rotondes diskutiert. Wer aber einen echten Schlagabtausch zwischen den verschiedenen Rednern, eine hitzige Diskussion oder eine gut vorbereitete Moderation erwartet hatte, wurde enttäuscht. Vielmehr teilten die Gäste aus dem Mediensektor ihre Sicht der Dinge mit.

Etwas leidenschaftlich - „hitzig“ wäre übertrieben - wurde das Thema „Pressehilfe“ diskutiert. Wie Moderatorin Renée Wagner (woxx) resümierte, teilen heute zehn Zeitungen den Kuchen der Pressehilfe unter sich auf, wovon die beiden großen 80% bekommen. Das Ganze ist an eine ganze Reihe von Kriterien geknüpft: Die Zeitung muss in Luxemburg herauskommen, einmal wöchentlich erscheinen, hauptsächlich in den drei offiziellen Sprachen des Landes usw. Sind diese Kriterien noch zeitgemäß?

„Die Zeitungen sind zu billig“

François Biltgen, Minister für Kommunikation und Medien, holte weit aus, um zu rechtfertigen, warum das Budget wohl auch in Zukunft nicht erhöht werde: „Es ist nicht so, als würden die Zeitungen ausschließlich von der Pressehilfe leben. Es gibt zwei natürliche Einkommensquellen: Leser und Anzeigenpartner. Der Staat bietet auch als Kunde eine indirekte Pressehilfe über „Avis officiels“ oder Werbekampagnen. Wir haben in Luxemburg schrecklich niedrige Zeitungspreise. Nur um ein Beispiel zu nennen: ‚Luxprivat‘ kostet 3,50 Euro am Kiosk, das ‚Luxemburger Wort‘ 1,30 Euro. Das muss doch zu denken geben. Da gilt es anzusetzen“.

Marc Gerges, freischaffender Medienberater, stellte in diesem Kontext fest, dass nicht der Journalismus subventioniert werde, sondern das gedruckte Papier: „Quantität statt Qualität“. Pressehilfe hinsichtlich der Qualität der Berichterstattung zu verteilen, stufte wiederum der Minister als zu gewagt ein.

Keine Finanzspritze für Online-Presse

Großes Thema war daneben das Aufkommen der Online-Presse und die ausbleibende finanzielle Unterstützung. Die Absage folgte prompt. „50% der Einnahmen müssen immer noch über den Verkauf kommen. Wir erhöhen das Budget in Krisenzeiten nicht, um etwas zu finanzieren, was gratis ist. Es muss über andere kommerzielle Modelle nachgedacht werden. ePaper-Ausgaben sollten nicht gratis sein, wenn man ein Print-Abo hat“, gab Biltgen zu bedenken, stellte dennoch in Aussicht, dieses Thema (und die Kriterien) nächstes Jahr mit dem Premierminister diskutieren zu wollen.

Fernand Morbach, Journalist beim „Luxemburger Wort“, zeigte sich zuversichtlich, dass die Leserschaft durchaus bereit wäre, auch für Online-Berichte zu zahlen. „Niemand zahlt für Nachrichten, die überall zu lesen sind. Qualitätsjournalismus hat aber durchaus eine Chance im Internet“, meinte auch Ines Kurschat, Journalistin beim „Lëtzebuerger Land“.

Fazit: Der „Kuchen der Pressehilfe“ wird nicht neu verteilt. Die Zeitungen müssen teurer und Online-Ausgaben kostenpflichtig werden. Eine Diskussion folgt trotzdem.