DIEKIRCH
SIMONE MOLITOR

Nationalmuseum für Militärgeschichte in Diekirch gilt als Referenz in Europa

Fast 80 Museen gibt es quer übers Land verteilt. Viele davon sind auf Initiative von Privatpersonen und deren Sammlerleidenschaft hin entstanden. So auch das Nationalmuseum für Militärgeschichte in Diekirch, das vor fast 30 Jahren seine Türen öffnete. Begründer und Kurator Roland Gaul hat den Grundstein in gewisser Weise bereits in den 60er Jahren gelegt. Natürlich nicht alleine.

„Bereits als Schulbuben haben wir militärisches Material gesammelt. Damals war das ein sehr beliebtes Hobby. Wir begannen untereinander zu tauschen, und irgendwann hatte sich bei jedem zuhause so viel angehäuft, dass kein Platz mehr war“, erinnert sich Roland Gaul. Die leidenschaftlichen Sammler haben daraufhin die „Dikricher Geschichtsfrënn asbl“ gegründet, mit dem Ziel, ein militärgeschichtliches Museum zu schaffen. Einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass dieser Traum Wirklichkeit wurde. Heute zählt das Museum zu den größten Europas mit Schwerpunkt Ardennenschlacht.

Nachstellung historischer Kriegsszenen

„Als die Gemeinde Diekirch damals die alte Brauerei aufkaufte und nicht gleich feststand, was dort einmal entstehen soll, unterbreiteten wir unsere Idee, die begeistert aufgenommen wurde“, erklärt Roland Gaul. 1982 wurde ein erster Teil der Brauerei zu diesem Zwecke instand gesetzt. Ausschließlich Privatsammlungen fanden anfangs Platz in dem Museum. „Da wir unheimlich viel Platz zur Verfügung hatten, entschieden wir uns dazu, nicht nur Ausstellungsstücke hinter Glas zu zeigen, sondern ganze historische Kriegsszenen in Form von lebensgroßen Dioramen nachzustellen. Wichtig war von Anfang an, diese Szenen unparteiisch ausgewogen zu zeigen, demnach die deutsche wie die amerikanische als auch die zivile Seite darzustellen“, betont der heutige Kurator.

In mühseliger Kleinstarbeit wurden im Vorfeld Nachforschungen angestellt und Zeitzeugen befragt. Alles sollte möglichst authentisch werden und historisch korrekt sein. „Diese Nachstellungen fanden großen Anklang beim Publikum, da nicht viele weitere Erklärungen nötig waren. Das macht unser Museum gerade auch für Schulkinder sehr interessant“, so Roland Gaul.

Jedes Jahr ein neuer Ausstellungsraum

Am 23. September 1984 eröffnete das Museum. Nach und nach kamen weiteres Kriegsmaterial und Fahrzeuge sowie neue Ausstellungsräume hinzu, so etwa Mitte der 90er Jahre ein zweites Stockwerk, das ganz der Geschichte und Entwicklung der Luxemburger Armee gewidmet ist. Ende 2010 folgte mit einer Ausstellung zum Thema „Anciens Combattants Luxembourgeois“ ein drittes Standbein. Außerdem wurde ein Dokumentationszentrum mit Bibliothek eingerichtet. Besonders das Archiv, das auf Anfrage besucht werden kann, soll weiter ausgebaut werden.

„Anfang des Jahres wurde unserer Organisation der Status ‚utilité publique‘ zugesprochen. Das ist ein wichtiger Schritt in unserer Entwicklungsgeschichte. Mittlerweile haben wir Konventionen mit drei Ministerien, die jetzt auch Teil einer Arbeitsgruppe sind, um das Museum weiterzuentwickeln“, berichtet Roland Gaul.

Neben geführten Besichtigungen bietet das militärgeschichtliche Museum übrigens auch Kombi-Touren, d. h. in Kombination mit anschließendem Besuch des „Sentier du Souvenir“ in Reisdorf oder in Wiltz, wo man sich auf die Spuren der Vergangenheit begeben kann.

„Weniger ist mehr“

„Mittlerweile platzt das Gebäude aus allen Nähten. Das Museum hatte von Anfang an kein richtiges Konzept, es wurde von Sammlern geschaffen. Ein Sammler sammelt und stapelt aufeinander. Wir sind uns aber bewusst, dass weniger mehr ist, deshalb versuchen wir das bestehende Patrimonium nun zu ‚liften‘. Verschiedene Ausstellungsstücke werden wir deshalb Partnermuseen aus Luxemburg oder dem nahen Ausland als langfristige Leihgabe zur Verfügung stellen. Moderne Elemente, wie das Audiovisuelle, werden künftig miteingebunden, deshalb versuchen wir auch jüngere Personen mit in unser Team zu bekommen, was uns auch glückt. Das Interesse der jüngeren Generationen ist durchaus da“, freut sich der Begründer des Militärmuseums.

2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Bereits jetzt wird fleißig an einer diesbezüglichen Ausstellung gearbeitet, um den 1.800 Luxemburgern zu gedenken, die damals involviert waren.

Rund 29.000 Besucher zählt das Museum jährlich. Die Holländer und Belgier führen, aber auch die Amerikaner sind gut vertreten. „Viele kommen aus sentimentalen Gründen hierher. Das Publikum schätzt die Ausgewogenheit. Schwarz-Weiß-Malerei gibt es bei uns nicht. Die Darstellung der historischen Ereignisse ist objektiv. Nicht jeder Deutsche war ein Nazi. Der deutsche Soldat erlebte genauso Schicksalsschläge und musste genauso Hunger leiden wie der luxemburgische Soldat. Die breite Sammlung an Waffen, Uniformen und persönlichen Dingen sowie der große Fuhrpark haben uns zu einem wahren Referenzmuseum in Europa gemacht“, berichtet Roland Gaul mit Stolz .