LUXEMBURG
DANIEL OLY

Warum die Fußball-Roboter der Uni Luxemburg für eine bessere Zukunft sorgen

Fußball zum guten Zweck? Was sonst von Benefizveranstaltungen bekannt ist, nimmt am Uni-Campus Kirchberg ganz andere Formen an: Hier kicken Roboter mit der Absicht, eine bessere Hilfe für Altersheime oder Senioren zu werden oder künftig in ihrer Rolle als Touristenführer zu glänzen. Hauptverantwortlich zeichnet sich Dr. Patrice Caire und ihr Team aus Studenten der Uni Luxemburg - und die Roboter Daffy, Porky, Bugs, Tweety, Pepa und Speedy. Und Pepper natürlich.

Caire ist seit 2012 am SnT (Interdisciplinary Center for Security, Reliability and Trust) der Universität Luxemburg. Sie hat unter anderem an den Universitäten von New York und Stanford studiert und gearbeitet und bringt damit ein großes Know-How mit an den Start. 2016 gründete sie das „Social Robotics Lab“ als Projektleiterin; das „Lab“ ist Teil von Prof. Voos „Automation & Robotics Research Group“.

Weltmeisterlich

Ihr neuestes Projekt: „Luxembourg United“, das erste Roboter-Fußballteam des Großherzogtums. Das Ziel sei es, künftig bei internationalen Wettbewerben wie dem „RoboCup“ mitzumischen. Bei diesen Veranstaltungen treten Nationalmannschaften gegeneinander an; Nationalmannschaften aus Robotern, versteht sich. Die Qualifikationen für die Weltmeisterschaft beginnen Ende November. Was schräg klingt, hat einen etwas ernsteren Hintergrund, wie auch die Studenten des „Robotics Lab“ wissen: Die Erfahrungen und Ergebnisse aus den Matches kommen nicht nur der Weiterentwicklung der Fußball-Roboter zugute. Der Plan sieht zwar vor, in knapp 40 bis 50 Jahren eine wettbewerbsfähige Mannschaft auf die (Roboter-)Beine zu stellen, die es mit dem jeweiligen FIFA-Weltmeister aufnehmen kann - dem aus Fleisch und Blut, versteht sich - aber das ambitiöse Unterfangen ist nicht der einzige Nutznießer von den Robo-Kickern. Durch bessere Technologien und die Auswertung von Telemetrie und anderen Daten profitieren auch andere Roboter mit weitaus wichtigeren Aufgaben, als (nur?) das Runde ins Eckige zu bugsieren.

Ein gutes Beispiel wäre das „Robotic Museum Assistant“-Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsmuseum der Stadt Luxemburg durchgeführt wird: Hier sollen Roboter in sozialer Interaktion mit den menschlichen Besuchern die Ausstellung vorstellen, zusätzliche Informationen vermitteln und Empfehlungen in mehreren Sprachen ausstellen - vollautomatisch und mobil. Zu diesem Zweck wird neben denselben Robotern, die beim Fußball-Team zum Einsatz kommen, auch ein hochmoderner „Pepper“-Roboter verwendet; Eine große Ehre, erhält schließlich nicht jedes Institut einen solchen Roboter zu Testzwecken. Die Universität Luxemburg ist eines der ersten Institute, das mit dem hoch entwickelten Sozialroboter arbeiten kann. Die Interaktion mit „Pepper“ muss man einmal live erlebt haben, um die Faszination von Jung und Alt für den Roboter zu verstehen.

Freude muss man haben

Mit gutem Beispiel voran geht auch das „Conviviality and Privacy in Ambient Intelligent Systems“-Projekt (kurz: CoPAInS), bei dem Roboter zur Versorgung von Senioren eingesetzt werden sollen. Das Problem, das es zu lösen gelte, sei die Rate von Fehl-Alarmen, die zu einer Überlastung des Personals führen kann. Ein Beispiel wäre das fälschliche Auslösen eines Alarmes, der die Betreuer in einem Altenheim viel Zeit kostet. Die „CoPAInS“-Roboter hingegen sollen die Situation selbstständig analysieren und Alarm schlagen können, was die Rate der „false Positives“ drastisch reduzieren soll.

Alle Projekte setzen dabei auf offenen Quellcode, sogenannte „Open Source“-Programmierung, um den Robotern Leben einzuhauchen. Damit bezwecken die Entwickler aus dem Team des „Social Robotics Lab“, dass ihre Forschung auch Herstellern und anderen Privatpersonen helfen kann - und damit die gesamte Industrie voran bringt. Hier gibt es nämlich Aufholbedarf: Es gibt viele verschiedene Hersteller, die Entwicklung steht nicht still. Trotzdem arbeiten viele mit proprietärer Software, die kostenintensiv lizensiert und kaum modifiziert werden kann. Beide Projekte, sowohl „CoPAInS“ als auch das „Robotic Museum Assistant“-Projekt, profitieren deshalb ungemein von dem entwickelten technologischen Fortschritt an den Geräten, den Robotern selbst - und das „Luxembourg United“-Team scheint ein gutes Mittel zu sein, um die Entwicklung der Roboter im „Social Robotics Lab“ voranzutreiben. Nicht grundlos sucht das achtköpfige Team noch nach Sponsoren für die Mannschaft: Die geplanten Gelder sollen in die Entwicklung von besserer Soft- und Hardware fließen. Der Roboterfußball sei auch deshalb ausgewählt worden, weil er als Projekt recht „sexy“ sein kann - und die Leute anspricht. Sponsoren müssen her, um die Technologie zu verbessern.Damit wir in vierzig Jahren Roboter-Fußballmannschaften haben… und bessere, robotergestützte Sozialdienste.