LUXEMBURG
CLAUDE MÜLLER

Das OPL mit Cathy Krier und „Amadeus“ in der Philharmonie

Das Gute an „Amadeus“ ist, dass der Film um die Musik herum produziert worden ist und nicht, wie üblich, andersherum“ erklärt Dirigent Sir Neville Marriner, der den größten Teil der Originalaufnahmen mit der „Academy of St Martin In The Fields“ einspielte, im Booklet zum Filmsoundtrack.

Natürlich brauchen wir nicht mehr über die filmischen, schauspielerischen und technischen Leistungen des Meisterwerks des tschechischen Hollywood-Regisseurs Milos Forman zu berichten. Dies ist anlässlich seiner zahlreichen Auszeichnungen und Nominierungen zur Genüge getan worden. Der nunmehr 34 Jahre alte Film hat immerhin unter anderem acht Oscars und vier Golden Globe Awards eingeheimst.

Überwältigende Leistung des „OPL

Das Spektakuläre an den Vorstellungen am Wochenende in der Philharmonie war die hervorragende Präsenz und überwältigende Leistung des „OPL“ unter der Leitung des niederländischen Orchesterchefs Ernst van Tiel. Der 160 Minuten lange Film, der durch die Musik lebt, bietet immerhin Platz für 31 musikalische Interventionen mit, von wenigen Ausnahmen abgesehen, den größten Momenten des genialen Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Die sicherlich nervenaufreibende Aufgabe des großorchestralen Ensembles besteht darin, mit äußerster Präzision den Einsätzen des Dirigenten Folge zu leisten. Und diese Millimeter- oder Sekundenbruchteilarbeit meisterten die routinierten Musiker mit einer solch eleganten, natürlichen Überzeugungskraft, die die Anspannung, welcher ein derartiger Leistungsdruck mit sich bringen kann, völlig vergessen ließ.

Tatsache ist, dass man das einmalige Ambiente dieses gefilmten Theaters, dieser „illustrierten Musik“ nur durch die Kombination dieser zwei Medien in höchster Vollendung genießen kann.

Das perfekte Zusammenwirken von Orchester, Chor und der virtuosen Solistin Cathy Krier am Grand Piano, bei der „Mozart im Alltag immer präsent ist“, überzeugte neben dem handwerklichen Perfektionismus ebenso durch die bestechend leidenschaftliche Vermittlung eines farbigen Klangkörpers, der mit faszinierendem, stilgerechten Profil die verschiedensten Facetten des Gesamtwerks des vielseitigen Komponisten vermittelte. Das Mit- und Nacheinander der Orchestertutti, der Soloparts und der filigranen kammermusikalischen Passagen vermittelte permanent den Eindruck vollendeter Transparenz des gesamten Instrumentalkörpers.

Sensibles Spiel der Pianistin Cathy Krier

Intensiv belichtet wurde Mozarts Arbeit als Opernkomponist mit bekannten Arien aus seinen populärsten Opern „Die Entführung aus dem Serail“, „Die Hochzeit des Figaro“, „Don Giovanni“ und natürlich aus seinem beliebtesten, seinem vorletzten Bühnenwerk, der „Zauberflöte“. Höhepunkte der Soiree waren die fünf Auszüge aus Mozarts unvollendetem „Requiem“, wobei vor allem die bestechende Leistung auf höchstem Niveau des Vokalensembles „Choeur de Chambre de Luxemburg“ zu würdigen ist.

Neben diesen emotionsgeladenen Klängen bleibt besonders die Untermalung der Schlussszenen, die die ergreifende Momente des greisen Salieri in der Irrenanstalt illustrieren, mit dem berühmten 2. Satz aus Mozarts 20. Klavierkonzert durch das sensible Spiel der Pianistin in bester Erinnerung.

„Ich weiß, dass ich hier nicht meine eigene Küche machen kann“ sagte die junge Interpretin noch am Vortag in einem Interview beim soziokulturellen Radiosender „100,7“. Davon war bei den lockeren aber fesselnden Einlagen der Solistin aber nichts zu merken. Dass Cathy Krier nächsten Monat die Integrale der Etüden von György Ligeti im Londoner „British Museum“ aufführen wird, spricht für sich. Wir konnten auf jeden Fall eine neue Erfahrung voller positiver Erlebnisse und musikalischer Höhepunkte genießen, die die Behutsamkeit, die Keckheit, das Virtuose und eben das Göttliche des „Amadeus“ Mozart von allen Seiten bestens beleuchtete.

Noch wussten wir an diesem denkwürdigen Abend nicht, dass Milos Forman gerade eben an diesem 13. April im Alter von 86 Jahren verstorben war.