LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Der 3. September ist der internationale Tag der Wolkenkratzer - Zeit also, nach oben zu blicken

Wolkenkratzer bestimmen die Skyline von Städten und eignen sich sogar als Filmkulisse. So muss im derzeit in Luxemburg gezeigten Film „Skyscraper“ Dwayne Johnson als Kriegsveteran seine Familie aus einem Flammeninferno im höchsten Wolkenkratzer der Welt retten. Aber nicht nur Schauspieler machen sie zu Helden, sondern vor allem Architekten. So soll es denn auch der am 3.9.1924 verstorbene US-Architekt Louis Sullivan gewesen sein, der den kuriosen „Skyscraper Day“ begründet hat. Zumindest fällt das Datum auf seinen Todestag.

Sullivan lebte in einer Zeit, in der die USA mit Wolkenkratzern protzen konnten. 1870 entstand das Equitable-Life-Gebäude, 1908 das mit 187 Metern damals unerhört hohe Singer Building und 1931 eröffnete das Empire State Building mit damals 381 Metern, das später noch erhöht wurde. Dazwischen entstanden zahlreiche „Skyscraper“, die die Skyline der Stadt berühmt machten.

Diese Gebäude ab 100 Metern Höhe - je nach Region oder Zusammenhang werden auch 150 Meter als Kriterium angegeben - standen für Fortschritt und Zukunftsgläubigkeit und es war sicher kein Zufall, dass sich am 9.11.2001 Terroristen die World Trade Tower als Ziel aussuchten. Mittlerweile hat Asien, vor allem China, die USA und Europa längst abgehängt, wie ein Blick auf die Teilnehmer des internationalen Hochhaus-Preises zeigt (siehe Kasten).

Der Zeitgeist spricht dagegen, denn in ökologischer Hinsicht sind sie nicht unbedingt die beste Lösung. Darüber hinaus sind komplizierte Lösungen inklusive leistungsfähiger Aufzüge und statischer Berechnungen für den Einfluss von Wind und Hitze nötig, aber auch Einfallsreichtum für die Fertigstellung. So fügte ein Bauunternehmer in Dubai seinem Beton Eiswürfel bei, um bei der hohen Hitze überhaupt bauen zu können. Getreu dem Motto: Hochbau kommt vor dem Fall.

Stahl aus Differdingen

Faszinierend aber sind die Gebilde aus Glas und Stahl allemal. Apropos Stahl: Der kommt oft genug aus Differdingen. Allein in New York sind über 30 Wolkenkratzer mit Luxemburger Stahl gebaut, weltweit noch viel mehr; beispielsweise der D2-Turm im Pariser Büroviertel La Défense, der in diesem Jahr eingeweihte, 63 Stockwerk hohe Imperium Tower in der philippinischen Hauptstadt Manila, oder das World Financial Center in New York. ArcelorMittal ist quasi ein Spezialist auf diesem Gebiet, auf dem es immer mehr in Richtung 70 bis 80 Stockwerke geht. In Luxemburg selbst wird der Konzern zwar sein neues Quartier auf Kirchberg bauen, dessen Pläne schon präsentiert wurden- aber es wird nicht zu hoch.

In Luxemburg gibt es keine rekordverdächtigen Wolkenkratzer. Das liegt allein schon an den Beschränkungen aufgrund des Flugverkehrs seitens des Findel. So ragen die aktuellen Türme des Europäischen Gerichtshofes 95 Meter in die Höhe und das höchste öffentliche Gebäude wird der dritte neue EU-Turm mit 112 Metern. Gegenüber den 828 Metern des Burj Khalifa in Dubai ist das natürlich bescheiden. Doch eines ist klar: Es werden immer mehr Wolkenkratzer gebaut, die Höhenrekorde fallen immer schneller - und vor allem Asien mischt dabei ganz vorne mit. Mittlerweile geht es um Gebäude, die 1.000 Meter und höher sind. Das hat zu neuen Kategorien geführt, die sich ein Architekt wie Sullivan wohl nicht hätte träumen lassen.