LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„rainy days“: ein neues Format, mehr als 15 Uraufführungen, 17 Veranstaltungen insgesamt

Nicht weniger als 17 Veranstaltungen stehen auf der Speisekarte des diesjährigen „rainy days“-Festivals, das sich der zeitgenössischen Musik verschrieben hat. Nicht nur in der Philharmonie selbst oder anderen etablierten Kulturhäusern wird vom 13. bis 25. November musikalisch etwas geboten, nein, das Programm dehnt sich sogar auf private Wohnzimmer aus. „In diesem Jahr erkundet ,rainy days‘ Spuren der Wirklichkeit in der zeitgenössischen Musik und macht die Türen zur Welt weit auf, ganz nach dem Motto ,get real‘“, erklärte Festivaldirektorin Lydia Rilling gestern bei der Vorstellung des Programm, das sich hauptsächlich auf zwei Wochenenden konzentriert.

„Der zeitgenössischen Musik haftet immer noch das Klischee an, dass sie sich im Elfenbeinturm versteckt. Sie ist aber überhaupt nichts Abgehobenes. Das Festival will sozusagen zeigen, auf wie viele unterschiedliche Art und Weise die zeitgenössische Musik Anteil an den Realitäten außerhalb des Konzertsaals nimmt, sei es als politisches Statement, sei es durch die Einbeziehung von Klängen aus der Alltagswelt, sei es als Teil von Identität, wo Musik ja eine große Rolle spielt, sei es als Erfahrung von sozialen Situationen. Die ,rainy days‘ 2018 laden das Publikum demnach dazu ein, dies zu hören, zu erleben und zu erfahren“, führte die künstlerische Leiterin weiter aus.

Große Bandbreite an ganz unterschiedlichen Formaten

Das Festival bietet derweil wieder eine große Bandbreite an ganz unterschiedlichen Formaten und kann demgemäß auch für sehr unterschiedliche Publikumsschichten interessant sein. Obwohl der Schwerpunkt in erster Linie auf Werken liegt, die in den letzten zehn Jahren geschrieben wurden, finden sich auch ältere Kompositionen im Programm. „Das älteste Werk stammt von 1917, dann gibt es einen großen Sprung, das nächste ist von 1968, und die allerjüngsten sind in diesen Tagen noch in Arbeit, respektive werden während der ,Luxembourg Composition Academy‘ noch zu Ende geschrieben“, erklärte Rilling. Mehr als 15 Uraufführungen stehen auf dem Programm.

Auftakt mit „Einstürzende Neubauten“

Zum Festivalauftakt am 13. November präsentiert die legendäre Avantgarde-Band „Einstürzende Neubauten“ um Blixa Bargeld ihre „Greatest Hits“ im großen Konzertsaal der Philharmonie. Am 14. November liest Bargeld indes im „Casino Luxembourg - Forum d’art contemporain“ aus seinem Buch „Europa kreuzweise: Eine Litanei“.

Wichtiger Partner der „rainy days“ ist wiederum das Ensemble „United Instruments of Lucilin“, das diesmal für gleich drei Konzerte verantwortlich zeichnet und seine ganze Vielseitigkeit unter Beweis stellt. „Traces of reality“ steht am 17. November an. Die Komponisten dieses Abends sind zunächst in die Welt hinausgegangen, um die Alltagsklänge „einzufangen“ und diese dann mit in den Konzertsaal zu nehmen. Nach dem Erfolg der ersten Auflage wird eine weitere Kompositionsakademie organisiert. Die „United Instruments of Lucilin“ setzen ihre Zusammenarbeit mit dem Kultur- und Begegnungszentrum Neimënster fort. Unter mehr als 70 Kandidaturen sind acht junge Komponisten aus sieben Ländern ausgewählt worden, die während der einwöchigen „Composition Academy“ mit zwei Kompositionsdozenten und Musikern des Lucilin-Ensembles an ihren Werken arbeiten. Diese werden dann im Rahmen eines Konzerts am 24. November uraufgeführt.

Die Filmliebhaber werden im Kino-Konzert am 17. November auf ihre Kosten kommen. Geboten wird René Clairs filmisches Meisterwerk „Paris qui dort“ mit Yan Mareszs‘ energiegeladener Musik.

Neu im Programm: Wohnzimmerkonzerte

Ein neues Format wird mit den Wohnzimmerkonzerten (18.11) geboten. „Damit treten wir in die tatsächliche Alltagsrealität Luxemburgs ein“, meinte Rilling. Das „Nadar Ensemble“ spielt während dieser viereinhalbstündigen Wohnzimmer-Tour durch die Hauptstadt mehrere kurze, intime Konzerte in Privathäusern. Noch dazu erleben die Teilnehmer performative Spaziergänge mit dem Choreografen Benjamin Vandewalle durch den Stadtraum.

Der 23. November steht tagsüber unter dem Motto „get real. Music and reality“ ganz im Zeichen von Vorträgen und Diskussionen. Am Abend wird zum Konzert „Un monde en soi“ mit dem Streichquartett „Quator Diotima“ geladen. Noch später am Abend (22.00) kann die „Soirée synthétisée“ mit dem „ensemble mosaik“ besucht werden.

Drei Konzerte stehen am 24. November an. Angefangen mit dem Pianisten Florian Hoelscher und seinem neuen Klavierzyklus „Erinnerungsspuren um 16.00, geht es um 19.00 mit dem Konzert „Figures radicales“ des „Orchestre Philharmonique du Luxembourg“ (OPL) weiter, und um 22.00 bieten die „Noise Watchers“ unter dem Thema „Les réalités acousmatiques“ Klänge der Welt von Eisenbahnen bis zu Urwäldern.

Am 25. November endet die diesjährige Auflage der „rainy days“. Zwischen 11.00 und 15.30 verwandelt sich die Philharmonie erneut in eine „Wunderkammer“. Fünf Stunden lang wird ein Mosaik aus 20-minütigen Konzerten und Performances geboten. Dann folgt der Umzug ins Große Theater, wo ab 17.00 mit „Third Space“ vom „Klangforum Wien“ das finale Spektakel geboten wird. Und wem es dann noch nicht reicht, der darf ab 19.30 beim großen „Bal contemporain“ mit Sascha Ley und den „United Instruments of Lucilin“ auch noch das Tanzbein schwingen.

Alle weiteren Infos unter www.rainydays.lu