LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Einfach und dennoch wirkungsvoll: „Today-Tomorrow“ von Illustratorin Stina Fisch in „CeCiL’s BOX“

Eine fast schon hypnotische Wirkung hat das Werk „Today-Tomorrow“ von Künstlerin Stina Fisch, das seit kurzem die Blicke der Passanten in der hauptstädtischen „Rue du Curé“ auf sich zu ziehen versucht. In der „CeCiL’s BOX“ dreht die Arbeit der Illustratorin gemächlich ihre Runden, mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung. Wer vor dem Schaufenster des „Cercle Cité“, das alle drei Monaten einem anderen Künstler für ein originelles Projekt zur Verfügung gestellt wird, stehen bleibt und die aktuelle Installation in Form einer Drehscheibe auf sich wirken lässt, wird einen Moment der inneren Ruhe inmitten der Vorweihnachtshektik erleben. Stina Fisch, mit der wir uns gestern etwas ausführlicher über ihre künstlerische Tätigkeit unterhalten haben, ist die achte Künstlerin, die ihre Kreativität für die „BOX“ hat spielen lassen.

Wie sind Sie Ihr Projekt für die „CeCiL’s BOX“ angegangen?

Stina Fisch Als ich eingeladen wurde, etwas für die „CeCiL’s BOX“ zu kreieren, habe ich mir die Vorgängerprojekte noch einmal durch den Kopf gehen lassen, um mir die Herausforderungen dieses speziellen Ausstellungsortes vor Augen zu halten. Was hat geklappt, was hat weniger gut funktioniert? Ich habe mir genau überlegt, wie ich mit meiner Praxis als Illustratorin etwas für dieses Schaufenster gestalten könnte, was man schnell mit dem Blick erfasst. Deshalb habe ich auf diese ganz reduzierte Formensprache gesetzt. Es ist ja so, dass die Leute hier einfach so vorbeilaufen und meist nicht erwarten, etwas Besonderes zu sehen.

Installationen sind aber doch ein neues Terrain für Sie als Illustratorin?

Fisch Das stimmt, es ist tatsächlich das erste Mal, dass ich eine Figur auf diese Weise animiere. Den Wunsch hatte ich hingegen schon lange. Hier hat es sich gerade wegen des Gedankengangs angeboten, wie ich etwas in diesem Fenster präsentieren könnte, das den Blick zwar anzieht, aber nicht zu sehr fordert. Durch dieses Drehen oder beinahe Schweben der Figur wird die Ebene einer Erzählung erreicht. Die Konkurrenz ist ja momentan besonders groß, gerade jetzt in der Weihnachtszeit, wo sich alle Geschäfte in ihren Schaufenstern zu übertrumpfen versuchen. Überall leuchtet es und bewegt sich was. Es war klar, dass ich etwas kreieren musste, was auffällt. Das ganze Ensemble hat übrigens ein befreundeter Szenograf zusammengesetzt, er hat demnach in gewisser Weise meine Idee umgesetzt. Dass „Today-Tomorrow“ so gut funktioniert, verdanke ich letztlich ihm. Ich bin aber definitiv auf den Geschmack gekommen, vielleicht künftig noch Sachen dieser Art zu machen.

Warum fiel Ihre Wahl eigentlich auf den Bereich
Illustration?

Fisch An sich habe ich Grafikdesign studiert und eigentlich erst während des Studiums angefangen, zu zeichnen. Erst später, als ich bereits mit der Schule fertig und in der Realität des Lebens angekommen war, habe ich die Illustration oder die Zeichnung als Ausdrucksmittel richtig für mich entdeckt. Nach ein paar kleineren Veröffentlichungen habe ich schließlich meinen Weg darin gefunden. Mittlerweile arbeite ich seit elf Jahren in diesem Bereich, teilweise auch für Kunden.

Bremsen Kundenaufträge die eigene Kreativität nicht?

Fisch Ganz wichtig ist mir nach wie vor meine persönliche Arbeit. Natürlich sind es zwei Paar Schuhe, ob man seiner Kreativität freien Lauf lässt oder Kundenwünsche verwirklicht. Ich habe jedoch großes Glück mit meinen Kunden. Sie vertrauen mir. Zum Beispiel habe ich ein großes Projekt mit Zeichnungen für das „Planning Familial“ realisiert. Außerdem habe ich bereits Zeichnungen für das MNHA, die Villa Vauban, das „Luxembourg City Museum“ und die Stadtbibliothek gemacht, bin also hauptsächlich für Kunden im Kulturbereich aktiv, die meinen Stil mögen.

Wie würden Sie Ihren Stil denn beschreiben?

Fisch Diese Frage zu beantworten, ist gar nicht so einfach. Es fällt mir leichter, zu erklären, was mir wichtig ist, nämlich in erster Linie Klarheit. Das heißt, die Zeichnung muss klar und lesbar sein. Auf der anderen Seite will ich aber, dass sie in ihrer Deutung oder in ihrer Bedeutung offen ist, demnach immer mehr als nur eine Öffnung hat. In diesem Sinne unterscheiden sich Zeichnungen von Piktogrammen, die ja immer ganz klar erklären müssen, wofür sie stehen. Mit meinem Stil bewege ich mich ein bisschen in einem Bereich zwischen meiner Ausbildung als Grafikerin, wo man auf Aufgeräumtheit und Klarheit hinarbeitet, und Poesie, die ich damit verbinde. Das ist für mich ein sehr spannendes Feld.

Ist es denn leicht, eine solche Klarheit in einer Zeichnung wiederzugeben und dennoch etwas damit ausdrücken zu wollen, oder steckt man doch gelegentlich fest?

Fisch Solche Phasen gibt es durchaus. Es hängt mit vielen Sachen zusammen, auch mit den Stimmungen. Die Kraft liegt in der Entscheidung: Entscheiden, ob etwas, was so reduziert ist, dennoch gut ist. Diese Entscheidungskraft ist nicht an jedem Tag gleich.

Haben Sie selbst bestimmte Lieblingsmotive?

Fisch Ich versuche an sich, Gedanken eine Form zu geben, also immateriellen Sachen. Ich zeichne kein Stillleben, das ich vor Augen habe, sondern versuche, ein mentales Bild in eine ganz einfache Zeichnung umzusetzen. Das ist die Herausforderung.

Sie sind daneben auch halbtags als Kunstvermittlerin im Mudam beschäftigt. Ist es ein Ziel, sich komplett selbstständig zu machen?

Fisch Das ist eine sehr schwere Frage. Die Arbeit im Mudam ist toll. Sie gibt mir das Privileg, Ausstellungen immer wieder zu sehen, 30, 40 oder 50 Mal, sodass eine andere Auseinandersetzung mit den Werken möglich ist. Sie haben viel länger Zeit, um zu wirken. Das empfinde ich als unglaubliches Privileg an dieser Arbeit, die mich dadurch auch als Künstlerin speist. Noch dazu erlaubt mir dieser Job, meine künstlerische Ausübung von rein kommerziellen Projekten freizuhalten und mich stattdessen auch immer wieder der Poesie in Zeichnungen zuwenden zu können. Mit Poesie lässt sich kein Geld verdienen. Es ist aber auch nicht die Rolle der Poesie, wirtschaftlich lukrativ zu sein. Meine kommerziellen Projekte wähle ich ganz gezielt aus, um mir die nötige Zeit für eigene Arbeiten freizuhalten. Für mich ist das lebenswichtig.

„CeCiL’s BOX by Stina Fisch“ kann man sich noch bis zum 18. März 2018 anschauen. Mehr zu der Künstlerin unter www.stinafisch.com