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Buchkritik: „Jam“ von Ben „Yahtzee“ Croshaw

Ben Croshaw dürfte zahlreichen Videospielfans als „Yahtzee“ bekannt sein. Seit einem halben Jahrzehnt bereits publiziert der in Großbritannien geborene Australier jede Woche ein neues Videospiel auf seine ganz eigene, sehr hektische und satirische Art. Vor einigen Jahren veröffentlichte er bereits sein erstes Buch, „Mogworld“ und nun steht mit „Jam“ ein neuer Roman an.

Gnadenlos lustig

Croshaw verliert keine Zeit mit dem Aufsetzen des Szenarios. Die Erzählung dreht sich rund um eine Apokalypse. Zombies sei dank ist dieses Szenario natürlich ganz besonders in Mode, nur gibt Croshaw dem ganzen einen ganz anderen Dreh. Hier ist es keine Alien-Invasion, Virus oder Zombie-Ausbruch, der die Menschheit bedroht, sondern Marmelade. Menschenfressende Erdbeer-Marmelade, um genau zu sein.

Was zunächst reichlich kindisch klingt, stellt sich als ein relativ innovatives Szenario heraus. Die Masse ist nämlich semi-intelligent und kann, auf der Suche nach organischem Material, sich auch verformen. Dabei frisst es alles, was organisch ist, innerhalb von wenigen Sekunden. Das bedeutet gleichzeitig, dass selbst der kürzeste Kontakt mit der klebrigen Masse zum Tod führt. Tragisch ist in dieser Hinsicht, dass die Marmelade zur Rush-Hour die Innenstadt von Brisbane flutet. Übrig bleiben all jene, die unregelmäßige Arbeitszeiten oder schlicht gar keine Arbeit haben. Der Protagonist und Erzähler Travis
gehört zur letzteren Gruppe und ist
zudem nicht die hellste Leuchte
im Dachgeschoss.

Dennoch ist es sein Wortwitz im Zusammenhang mit der zeitweise auftretenden Situationskomik, die den Roman so inhärent lustig machen. Denn Croshaw macht nicht den Fehler, die Situation zu ernst zu nehmen, sondern nutzt die Gelegenheit, mit der schrägen Vorlage eine umfassende Kritik am Genre zu formulieren.

Ironisches Mad Max - Szenario

Der Humor stammt jedoch nicht aus den teilweise absurden Vergleichen, die Croshaw zieht, und die seine Fans bereits aus seinem wöchentlichen Videomaterial kennen. Auch die eigentliche Geschichte bietet genug Absurdität, um einem durchschnittlichen Terry Pratchett-Roman das Wasser zu reichen. Bemerkenswert ist aber, dass Croshaw es fertig bringt, eine Tarantula sympatisch wirken zu lassen. Die Geschichte bietet einige relativ spannende Momente und verlässt sich nicht einzig auf die Parodie Auch für Nicht-Fans der Internetpersönlichkeit interessant.