LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

Bei „Bluem“ geht es um das, was drin steckt

Was verbindet einen Produzenten, eine Designerin und einen Musiker? Kreativität, Passion und Mut zur Selbstverwirklichung. Durch diesen Mix angefeuert, haben sich Adriel von Grüningen (30), Amii Watson (22) und Jimmy Braun (25) aus Luxemburg dazu entschieden, ihre eigene Kleidermarke auf den Markt zu bringen. Dass neben den Kleidern aber vor allem die Botschaft im Mittelpunkt steht, wird von den Machern von „Bluem“ besonders hervorgehoben. Was es mit diesem Grundgedanken auf sich hat, und wie die jungen Unternehmer ihr Vorhaben in die Tat umsetzen, dies verraten sie uns heute im Interview.

Wofür steht „Bluem“?

AMII WATSON „Bluem“ verweist auf den deutschen Begriff für „Blüte“ oder „Erblühen“. Zusammen mit dem Titel unserer Kollektion „Grow Forever“ gestaltet sich ein Wortspiel, mit dem wir unsere Botschaft klar in den Vordergrund stellen: Die Verwirklichung der eigenen Person, sowie der ständige Weg der persönlichen Weiterentwicklung. Dies sind die zentralen Themen, für die unser Konzept steht.

Das klingt, als ob die Gesellschaft auf einen Anstoß zur Eigenständigkeit warten würde?

JIMMY BRAUN Ja, hier in Luxemburg gibt es eigentlich sehr viele Talente, die sich jedoch nicht trauen den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Wir wollen diese Leute unterstützen und ihnen zeigen, dass der sogenannte sichere Weg nicht immer zwangsweise derjenige sein muss, durch den man zufrieden wird. Natürlich muss niemand unbedingt anders sein, aber es ist total okay, wenn man seine Individualität oder seine Träume leben will. Vielleicht braucht man manchmal eine kleine Ermutigung, um seinen Ideen nachzugehen und dadurch im ersten Moment mit den gewohnten Wegen oder den Vorstellungen seiner Eltern zu brechen. Genau dies wollen wir mit „Bluem“ ansprechen.

Wie wollt ihr dieses Konzept übermitteln?

AMII Wir wollen eine Community aufbauen, sodass den Menschen eine Plattform geboten wird, auf der sie sich mit Gleichgesinnten austauschen können. Hier sollen diejenigen zusammenkommen, die den Schritt in die Eigenständigkeit bereits gewagt haben, sowie die, die noch darüber nachdenken. Das Video mit DJ Dee stellt einen Anfang dar: Es ging darum, den Menschen zu zeigen, dass man auch unkonventionelle Wege einschlagen kann. Mit der Vorstellung, DJ zu werden, wurde Dee in der Schule ausgelacht. Er hat sich aber dennoch dazu entschlossen, der Gesellschaft zu zeigen, dass auch dieses Berufsziel verwirklicht werden kann - und er hat es geschafft! Die Kleidermarke selbst ist daher an sich eher ein Medium, durch welches wir unsere Idee übermitteln wollen. Mit dem Tragen unserer Kleider soll gesagt werden: „Ich bin einer, der sich auch getraut hat, die Komfortzone zu verlassen!“ Das Konzept und das Statement sind hierbei wichtiger, als die Kleider selbst. Das Design bleibt demnach auch eher schlicht, um die Komplexität des Konzeptes nicht zu übergehen. Wir wollen die Leute durch Gedankengänge miteinander verbinden und ein Gemeinschaftsgefühl schaffen. Darin sehen wir auch das, was uns von Fashiontrends oder anderen Kleidermarken differenziert. Die Community, die daraus entsteht, soll ein gegenseitig förderndes Miteinander ermöglichen, ein Zusammenspiel an Unterstützung, Ideen und Kompetenzen. Auch wir drei haben viel für unsere Passion riskiert und daraus dieses Gefühl der persönlichen Vervollständigung erlebt. Dadurch verspüren wir einen gewissen Zusammenhalt, der sich bestimmt noch auf andere Mitmenschen ausdehnen lässt.

Kann eine grafische Gestaltung dies illustrieren?

AMII Mit dem Logo haben wir viel experimentiert. Es besteht aus vier Pfeilen, von denen einer in die entgegengesetzte Richtung weist, er steht für den „Mut zum Move“, zum Schritt in die Eigenständigkeit. Es gibt einige Variationen, wobei das Hauptmotiv selbst aber immer wiederzufinden ist. Vor allen Dingen geht es zunächst darum, unsere Botschaft an den Mann zu bringen, sodass auch der Slogan „Grow Forever“ auf einem T-Shirt zu finden ist.

JIMMY Wir wollten auch hier zunächst schlicht schwarz-weiß bleiben, ohne viel Dekor. Die Leute sollen den Namen unmittelbar mit der Message verbinden.

Wie kam es zur Idee?

JIMMY Im letzten Jahr haben wir drei oft zusammengearbeitet, zum Beispiel wegen Logos oder Videos für Artisten. Adriel und Amii haben mehrmals erwähnt, dass sie über eine eigene Kleidermarke nachdenken. Eines Tages hat sich die Idee festgesetzt und wir haben mit der Planung begonnen. Ein Jahr ist seitdem vergangen, in dem wir viele Erfahrungen sammeln konnten. Anfangs dachten wir nämlich, wir könnten die Kleider selbst mit Siebdruck bedrucken. Bald merkten wir aber, dass das gar nicht so einfach war. Um den Kunden aber eine Topqualität liefern zu können, mussten wir das Druckverfahren dann aber einer Firma überlassen. Wir arbeiten jetzt mit dem luxemburgischen Unternehmen „Drockmeeschter“ zusammen. Mit der Stoffqualität waren wir auch nicht ganz zufrieden, sodass wir auch da bereits einiges ändern und investieren mussten. Dann haben wir alle nähen gelernt und uns Nähmaschinen zugelegt. Die Kleider werden von uns selbst mit den Etiketten versehen - was aber auch wiederum schwieriger ist, als man es zu Beginn erwartet. So ein kleines Etikett macht schon viel Arbeit.

Wie finanziert ihr „Bluem“?

AMII Im Moment steckt vorwiegend Eigenkapital drin. Bislang haben wir auch schon viel verkauft. Bei unserem Event, wo wir unsere Idee und die Kollektion vorgestellt haben, wurde bereits soviel bestellt, dass Pullover und Mützen nach zwei Tagen bereits ausverkauft waren. Es ist aber noch so einiges im Shop vorhanden.

Welches Image prägt eure Werbekampagne?

AMII Unsere Kollektion soll ich durch einen authentischen „Street-Style“ definieren. Um dieses Ambiente zu konservieren, haben wir die Shootings außerhalb des Studios abgehalten, zum Beispiel in einer alten Wäscherei, die bald darauf abgerissen wurde. Gezielt wurden Orte gesucht, die ungeschönt und sich selbst überlassen wirkten, um deren Authentizität mit ins Bild aufzunehmen. Wir haben uns für einen minimalistischen, industriellen und urbanen Stil entschlossen, um eine Festlegung auf eine bestimmte Zielgruppe auszuschließen. Wir wollen zeigen, dass wirklich jeder die Chance ergreifen kann, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Man muss nicht aus einem wohlhabenden Elternhaus stammen, um etwas in die eigene Zukunft zu investieren. Mit dem urbanen Flair soll die Person in ihrem Normalzustand abgeholt werden, um sie zur Individualität zu ermutigen.

Kaufen kann man „Bluem“ ausschließlich online unter www.bluemclothing.com. Weitere Informationen gibt es auch auf ihrer Facebookseite und auf Instagram.