SANKT GALLEN/LUXEMBURG
CORDELIA CHAOTN

Roboter-Hunde, Drohnen oder künstliche Intelligenz in der Finanzwelt: Für Hiroaki Kitano, der bei Sony daran arbeitet und auch sein eigenes Institut hat, ist das alles eins

Bekannt wurde er spätestens 2006 durch den Robohund Aibo und auch die in Luxemburg beliebten Robocups sind seine Idee. Doch Hiroaki Kitano hat noch viel mehr drauf - und Verbindungen zu Luxemburg, wie er in einem Exklusiv-Interview verrät.

Herr Prof. Kitano, arbeiten Sie noch mit Luxemburg zusammen?

Hiroaki Kitano Nein, wir haben drei Jahre lang am Parkinson-Programm gemeinsam mit dem „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ gearbeitet. 2017 war ich in Luxemburg zu einem Vortrag. Jetzt befasse ich mich mit dem Finanzmarkt.

Mit dem Finanzmarkt?

Kitano Ja, es geht um komplexe Wertesysteme. Wir wollen das Verhalten und den Einfluss des Umfeldes untersuchen. Wir bei Sony arbeiten für einen großen Pensionsfonds daran. Es geht um künstliche Intelligenz und Verhalten. Der Government Pension Investment Fund, der in Japan die Pensionsgelder verwaltet, ist darin involviert. Es ist auch die Frage, wie man Investitionen am besten überwacht. Auch das Fondsmanagement ist an künstlicher Intelligenz interessiert.

Arbeiten Sie gar nicht mehr an Krankheiten?

Kitano Doch, an Parkinson. Aber wir arbeiten auch an Krebs oder Demenz. Gemeinsam mit der Universität Tokio arbeiten wir auch an Infektionskrankheiten und mit der Universität Toronto an toxikologischen Fragen und IPS-Zelleffekten. Die meisten biomedizinischen Fragen bearbeite ich mit meinem eigenen Institut.

Was macht Sony eigentlich noch zu Sony?

Kitano Das ist mir egal. Man muss der Gesellschaft einen Mehrwert bringen. Mein Auftrag liegt darin, diesen Beitrag zu leisten.

Mit einem elektronischen Robohund?

Kitano Das war symbolisch und vor mehr als zehn Jahren. Ich denke, aufhören wäre schlecht, denn jetzt steigen die Zahlen und wir können investieren. Wir haben uns entschieden, den Robohund Aibo (Anm. d. Red. Abkürzung für „Artificial Intelligence roBOt“) wieder auf den Markt zu bringen und bieten ihn seit Januar 2018 an. Das passt, denn nach dem japanischen Kalender ist 2018 das Jahr des Hundes. Es ist also ein perfektes Jahr für uns.

Wollen Sie noch andere Robo-Tiere auf den Markt bringen?

Kitano Ich bin nicht sicher. Wir machen Drohnen mit JV Aeroservices und haben Drohnen im Bau für all die typischen Fragen wie Kubikmeter messen und so weiter. Da sehen wir schon einen Markt und wir haben viele Ideen für mehr. Vor kurzem haben wir mit der US-Universität in Pennsylvania an einem „cooking & delivery robot“ gearbeitet. Wir machen das, weil es ein Nutzen von Robotern für die Zukunft ist. Er kann mit dem Menschen reden und sehen, was dieser will. Vieles ist unstrukturiert wie falten, geben oder holen. Beim Kochen geht es auch um weiches Material. Das muss der kochende Roboter erkennen. Kochen ist eine große Herausforderung, weil das Material so unterschiedlich ist. Wann er fertig ist, weiß ich nicht. Im Moment arbeiten wir mit einem einfachen Prototypen. Noch ist nicht klar, wie und wo wir ihn verkaufen werden. Aber wir arbeiten an vielen Projekten, auch mit Startups.

Sony war mal die Firma für den Walkman. Was ist es jetzt?

Kitano Sony war Consumer Electronics. Jetzt sind wir eine Finanzholding mit Bank und Versicherung. PlayStations, Musik und Filmen. Wir sind ein Konglomerat im Unterhaltungsbereich. Wir haben auch eine Abteilung für Medizinbedarf, die groß ist. Beispielsweise helfen wir Ärzten bei der Endoskopie. Aber auch im Halbleitergeschäft sind wir groß.

Warum sollten sich Leute Robocups statt echte Fußballspiele anschauen?

Kitano Wir haben 1997 damit in Belgien angefangen, vor über 20 Jahren. Wir wollten ein Team, das die reguläre Fifa schlagen kann. Einige Startups nutzen die Technologie erfolgreich in ganz anderen Bereichen wie Lagerhaltung, siehe Amazon Robotics, die früher Kiva hießen. Die Teilnahme am Robocup kann also auch zu solchen Ergebnissen führen. Im Juni diesen Jahres fand der Robocup übrigens in Montreal statt, mit 35 Ländern und 5.000 Robotern. Die physische Präsenz ist immer weniger notwendig; manche Banken in Japan haben die Hälfte ihrer Arbeitnehmer entlassen. Die künstliche Intelligenz wird darauf einen Einfluss haben.

Wann werden Roboter in Banken sitzen?

Kitano Wissen Sie, JP Morgan hat eine Abteilung für künstliche Intelligenz. Sie spielt eine Rolle bei Investment und Risikomanagement. Dort ist die Datenanalyse sehr wichtig. Ich kann die Reaktionen des Marktes nicht voraussagen. Aber Voraussetzungen und Wahrscheinlichkeiten lassen sich berechnen.

Wie sehen Sie selbst Ihren Beruf?

Kitano Wissenschaft und Forschung ist gut und sehr interessant. Aber man braucht auch den Unternehmergeist, der Freiheit gibt. Ich bin für Unternehmer, denn man muss die Welt verändern.