DÜDELINGEN
SIMONE MOLITOR

Letzter Saison-Auftakt im Kulturzentrum opderschnmelz unter Danielle Igniti

Um zwei Mitarbeiterinnen hat das Düdelinger Kulturzentrum opderschmelz eben sein Team erweitert. Dafür wird bekanntlich aber die „Queen“ das Haus verlassen. „Dies ist meine letzte Pressekonferenz. Ich sage das mit vielen Emotionen, natürlich ist es nicht leicht, eine Arbeit hinter sich zu lassen“, sagte Noch-Direktorin Danielle Igniti diese Woche während der Programmvorstellung. Ende Februar wird sie das Zepter an John Rech übergeben. „Unter derart hervorragenden Bedingungen zu arbeiten, war ein großes Glück. Ich hatte viele gute Momente und bin nicht traurig oder frustriert, jetzt aufzuhören. Man spürt einfach, wann man am Ende eines Parcours angekommen ist und wann der Zeitpunkt da ist, Platz für die jüngere Generation zu machen. Das Ganze ist ja auch mit viel Arbeit und Druck verbunden, und mit zunehmendem Alter ist man dann doch irgendwann erschöpft“, lachte sie.

Keine fundamentalen Änderungen nach dem Stabwechsel

„Ich bin natürlich immer noch da und werde dafür sorgen, dass die Kontakte, die wir geknüpft haben, weitergeführt werden. Gerade im Jazz-Bereich haben wir viele Beziehungen aufgebaut und inzwischen eine gewisse Reputation. Die Lorbeeren will ich aber nicht alleine ernten, wir sind ein gutes Team und haben - dank der finanziellen Unterstützung der Gemeinde, die uns immer viel Freiraum ließ - gemeinsam einen guten Job gemacht. In zehn Jahren haben wir einiges erreicht, in diesem ,No Man’s Land‘, das Düdelingen kulturell gesehen doch mal war“, meinte Igniti. Wird sich denn im opderschmelz nun etwas ändern? „Sicherlich wird es anders sein, wenn John übernimmt“, antwortete sie, „er gehört einer anderen Generation an, hat einen anderen Background und ein anderes Genre. Das will aber nicht heißen, dass es zu fundamentalen Änderungen kommt, ich gehe davon aus, dass erst einmal eine gewisse Kontinuität angesagt ist“. Das bestätigte auch der künftige Leiter. „Natürlich werden wir auf dem geebneten Weg weitermachen, klar wird es aber bestimmt ein paar Änderungen geben, weil sich die Mannschaft ändert und jeder rechts und links seinen kleinen ,coup de coeur‘ hat. Unsere Errungenschaften werden wir aber nicht aufgeben. Die Mischung wird auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen“, unterstrich Rech.

Auftakt in der Kontinuität

Eigentlicher Gegenstand der Pressekonferenz war derweil die Vorstellung des Programms der kommenden Monate. „Unsere Stadt hat den Immigranten viel zu verdanken, nicht zuletzt ihren kulturellen Reichtum“, sagte Igniti, als sie auf die längst zur Tradition gewordene „Fête des cultures“ (6.-7. Oktober) zu sprechen kam. An diesen beiden Tagen - 20 lokale Vereinigung beteiligen sich an dieser 18. Auflage - gehe es einerseits darum, die Musik, das Essen und die Handwerkskunst verschiedener Nationalitäten kennenzulernen, andererseits aber auch darum, Menschen zusammenzubringen und zum Nachdenken anzuregen. „Dies ist für mich auch Sinn der Kultur“, unterstrich Igniti.

Auf Ebene der Bühnenkunst ist das opderschmelz auch in der neuen Saison wieder sehr aktiv. „Größtenteils arbeiten wir mit luxemburgischen Kompanien, dies um die Kollegen aus dem Theatersektor, denen das Überleben in Luxemburg nicht leicht fällt, zu unterstützen“, sagte die Leiterin des Kulturzentrums. Den Auftakt macht „Révolte“ (28. September) unter der Regie von Sophie Langevin, eine Koproduktion mit dem „Théâtre du Centaure“. „Fenrir, de Risewollef“ für das kleinere Publikum wird von der „Compagnie Kopla Bunz“ aufgeführt (14.+15. Oktober). Die Erwachsenen dürfen sich auf das düster-skurrile (Horror-)Stück „Blackout“ von Claire Thill (23. Oktober) freuen. „Nous sommes les vampires du capitalisme“ ist der Titel einer szenischen Lesung der „Compagnie Ghislain Roussel“ (24. Oktober). Aus Frankreich ist die „Compagnie La Charge du Rhinocéros“ mit „Pas pleurer“ zu Gast (2. Dezember). Inspiriert ist das Stück an einem Buch von Lydie Salvayre, die die Geschichte ihrer Mutter während des spanischen Bürgerkriegs im Sommer 1936 erzählt.

Neu in dieser Spielzeit ist ein Konferenzzyklus, dessen Ziel laut Igniti in gewisser Weise eine Art Volksbildung ist: „Das Publikum soll etwas über die Kultur und Geschichte seiner Stadt lernen, so etwa welche Rolle Düdelingen während des Ersten Weltkriegs gespielt hat“.

Wiedersehen mit alten Bekannten

Wer das Programmheft durchblättert, dem fallen bekannte Gesichter auf. Dies hat auch seinen Grund, wie die Direktorin des Hauses erklärt: „Wir wollen eine Art Treueband zu unseren Künstlern knüpfen, sie auf ihrem Weg begleiten und sehen, wie sie sich weiterentwickelt haben, wenn wir sie erneut einladen. Inzwischen sind richtige Freundschaften entstanden“. In der neuen Spielzeit kehrt etwa die Tänzerin Yuko Komenami mit einer Hommage an ihren verstorbenen Vater in die DudeLounge zurück (21. November). Ein Wiedersehen gibt es auch mit dem Musiker Fish (26. September), der erste Bekanntheit als Sänger der britischen Rockgruppe Marillion erlangte. Aktuell arbeitet er an seinem voraussichtlich letzten Album „Weltschmerz“. Erneut zu Gast sein wird auch die Band K’s Choice im Rahmen ihrer relativ akustischen „Music=Love“-Tour. Sarah und Gert Bettens werden als Duo an diesem Abend (29. November) die Songs ihrer Idole, die sie am meisten beeinflusst haben, spielen. Auf der musikalischen Speisekarte stehen außerdem „Cali chante Léo Ferré“ (10. Oktober), „Ten Years After“ (14. Oktober), „Krunnemécken“ (8.+9. November) oder auch noch Joël Heyard (15. November).

Jazz bleibt wichtiger Bestandteil

Dem Jazz wird selbstverständlich wieder ein besonders großer Platz zugestanden, dies etwa im Oktober während des Festivals „Touch of Noir“. „Ziel ist es, neue Gruppen auf die Bühne zu bringen“, so die Leiterin des opderschmelz. Die junge Formation „Ill considered“ (17. Oktober) widerlege etwa das Klischee, dass Jazz „une chose de vieux“ sei. Auch das Elektro-Projekt „Cabaret contemporain“ (18. Oktober) überschreitet Grenzen. Einer der anerkanntesten Jazz-Trompeter, Amrose Akinmusire, ist mit seinem neuen Quartett zu Gast (25. Oktober), während der Jazz-Drummer E.J. Strickland mit seinem Quintett ein Konzert gibt (27. November).

Das Programm in allen Details unter www.opderschmelz.lu