LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Serge Tonnar nimmt sich eine Auszeit - Misch Feinen übernimmt das Ruder bei Maskénada

Serge Tonnar gönnt sich eine Auszeit und legt ein Sabbatjahr ein. 2017 hatte er dafür aber noch einmal ordentlich Gas gegeben, zahlreiche Konzerte mit seiner Band Legotrip gespielt, mit „Bommeleeër Buddha“ noch dazu eine neue CD veröffentlicht und mit dem Künstlerkollektiv Maskénada, deren Präsident er bislang war, mehr als eine Produktion realisiert. An all diesen Projekten war auch Künstler und Musiker Misch Feinen - ebenfalls Legotrip- und Maskénada-Mitglied - nicht unbeteiligt. Das Ruder des Künstlerkollektivs wird er nun von Tonnar übernehmen. Ob sich dadurch etwas ändern wird, hat Feinen im Gespräch mit dem „Journal“ verraten.

Hat die Stabübergabe bereits stattgefunden?

Misch Feinen Ja, die Amtsübernahme ging vergangene Woche während der Generalversammlung über die Bühne. Serge Tonnar wird eine Pause einlegen, beziehungsweise etwas weniger machen, um mit seiner Frau durch die Welt zu reisen. Das hatte er immer schon vor, sobald die Kinder groß sind. Mich hat es sehr gefreut, als er mich gefragt hat, ihm auf den Präsidentenposten zu folgen. Ich bin nun selbst seit mehreren Jahren bei Maskénada, es ist eine tolle Truppe. Diese Rolle zu übernehmen, ist eine Ehre.

Haben Sie das Gefühl, in große Fußstapfen zu treten?

Feinen Einerseits schon, immerhin hat Serge Tonnar Maskénada damals mit Claude Mangen gegründet. In diesen über 20 Jahren hat er vieles erreicht und angeregt. Andererseits ist natürlich jeder anders, es ist klar, dass ich nicht Serge Tonnar Nummer zwei bin. Ich werde das Ganze wohl etwas anders anpacken, jedoch sind wir immer noch ein Kollektiv, also eine Mannschaft, eine große Familie verschiedener Künstler und funktionieren demnach als Team. Dass wir viele Disziplinen kombinieren, ist unsere Stärke.

Was ist denn die Rolle oder Aufgabe des Präsidenten eines solchen Künstlerkollektivs?

Feinen Nun, meine Aufgabe ist es, zu koordinieren, zwischen den Leuten zu vermitteln, Ideen zu sammeln, Energien zu bündeln und natürlich auch schon mal Anstöße zu geben. Jeder hat da so seine Vorgehensweise und andere Ansätze. Serge war eher der Theater- und Musikmensch. Das bin ich zwar auch, jedoch komme ich von meinem Beruf her eher aus dem visuelleren Bereich und werde dementsprechend auch etwas andere Impulse geben. Wir haben das Glück, mit Dani Jung eine Person fest eingestellt zu haben, die das Alltagsgeschäft leitet, sodass sich der Präsident nicht darum kümmern muss. Ich sehe mich also als Koordinator, der die Fäden zusammenbringt, den Überblick behält und die Leute motiviert, gemeinsam gute Projekte zu machen.

Bedeutet das dennoch, dass Sie andere Akzente setzen?

Feinen Unmöglich ist es nicht. Natürlich wird nicht von heute auf morgen alles auf den Kopf gestellt. Das ist nicht das Ziel. Das Programm der nächsten Saison ist bereits geplant und wurde zusammen mit Serge ausgearbeitet. 2018 steht also erst einmal im Zeichen der Kontinuität, was aber nicht bedeutet, dass im Laufe der Zeit nicht doch verschiedene Akzente gesetzt werden könnten. Doch wie erwähnt, wir sind eine Mannschaft und kein Ein-Mann-Betrieb.

Kann man bei einem Künstlerkollektiv wie Maskénada überhaupt von Kontinuität reden, wo doch kein Projekt dem anderen ähnelt?

Feinen Kontinuität eben gerade in dem Sinne, dass wir immer etwas anderes bieten. Genau das ist es, was Maskénada auszeichnet. Wir spielen nie an einem bestimmten Ort, sondern gehen zu den Leuten, ziehen quer durchs Land, manchmal sogar darüber hinaus, probieren ständig neue Formeln aus und realisieren auch mit den Leuten zusammen Projekte, dies immer an ungewohnten Orten. Dieser „Spirit“ ist es, was ich mit Kontinuität meine.

Wie kommen solche Projekte überhaupt zustande? Kann jedes Mitglied mit seiner Idee kommen?

Feinen Das ist ganz unterschiedlich. Maskénada wurde damals mit dem Ziel gegründet, Projekte zu ermöglichen, die ein Künstler vielleicht im Alleingang nicht realisieren kann. Entweder die Mitglieder schlagen Projekte vor oder das Exekutivbüro hat eine Idee. Dann richten wir einen Aufruf an unsere Mitglieder und diskutieren das Ganze. Wichtig bei jedem neuen Projekt ist, ein Maximum an Maskénada-Künstlern aus den einzelnen Disziplinen einzubeziehen, demnach die Stärken, die jeder in seiner Branche hat, für Projekte zusammenzubringen.

Und was steht nächstes Jahr auf dem Programm?

Feinen Zunächst sind wir in Wiltz unterwegs, wo wir mit dem Kulturzentrum „Prabbeli“, beziehungsweise den „Coopérations“ eine Serie mit verschiedenen Projekten ausarbeiten, die übers Jahr laufen. Das Ganze nennt sich „Kaz am Sak“, was passend ist, da die Leute nicht wissen, was auf sie zukommt. Sie kaufen ihr Ticket und kommen zu einem bestimmten Treffpunkt, von wo aus das Projekt dann startet. Viel mehr verraten wir nicht. Das wird eine spannende Geschichte. Drei, jeweils andere exklusive Sachen sind bereits in dieser Reihe geplant, wir haben aber noch weitere Ideen. Dann arbeiten wir noch an einer etwas kleineren Produktion, deren Hauptbestandteil die Musik sein wird. Mit verschiedenen unserer Künstler werden wir zu den Leuten nach Hause ins Wohnzimmer, in die Küche oder den Garten gehen, Konzerte spielen oder ein kleines Spektakel aufführen. „Heemspill“ nennt sich diese Reihe und läuft über die Sommermonate. Der Höhepunkt im Herbst wird die große Produktion „Disko Dementia“ unter der Regie von Linda Bonvini sein. Es ist das erste Stück, das Larisa Faber geschrieben hat und in dem es um Demenz in unserer heutigen Gesellschaft geht.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Maskénada sogenannten Randthemen widmet. Wir erinnern uns an „Letters from Luxembourg“ mit Flüchtlingen oder zuletzt „Ënnert eis“ mit Kindern aus dem Kinderdorf. Mit „Bonjour an Awuer“ hatte Serge Tonnar ja auch bereits ein Lied zum Thema Demenz verfasst. Bleiben solche Thematiken auch ohne ihn wichtig?

Feinen Absolut. Es ist ja nicht so, als würde dies nur von Serge abhängen. Dass gerade wir als Maskénada uns mit Themen beschäftigen, die vielleicht eher selten in der Kultur, in der Kunst oder im Theater behandelt werden, ist wichtig. Diese Sozialkomponente oder diese sozialen Fragen spielen in vielen Projekten eine Rolle. Leuten zusammenarbeiten zu lassen und in die Projekte einzubinden, ist uns sehr wichtig. Das wird auch in Zukunft ein fester Bestandteil bleiben, weil auch das etwas ist, was Maskénada ausmacht.

Weitere Infos unter www.maskenada.lu