LUXEMBURG
LUC SPADA

Liebe Kolumne-Freundinnen, Liebe Kolumne-Freunde, Liebe Journal-Leserinnen und Journal-Leser, auch ich schließe mich nun an, ich weiß zwar noch nicht genau an wen oder was, und würde ich es wissen, wüsste ich nicht wie und eigentlich auch nicht warum, aber wenn das jetzt alle machen, mache ich das auch, weil ich bin ein freier Mensch, der sich alleine auf der Tatsache ausruht, dass er das machen kann, was er machen will, weil frei, weil Wahl haben, weil… Du sollst das bloß nicht hinterfragen.

Ich habe wirklich nicht vor, den Vollrausch-Und-Erholung-Algorithmus zu verändern, und ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich von noch größerer viraler Wichtigkeit werden könnte. Ja, ich bin mir durchaus bewusst, immer nur von den gleichen langweiligen Fans gelesen und den immer gleichen noch langweiligeren NeiderInnen verachtet zu werden. Dieser Text erklärt, warum nicht mehr Leserinnen und Leser auf den Link unter dem hübschen Bild von mir klicken. Vielleicht tut er das auch nicht, Du musst aber auf jeden Fall das tun, was am Ende dieses Textes verlangt wird, sonst sterben irgendwo in einem Land (keine Sorge, nicht in Europa) zwanzig Kinder, beim Versuch irgendwelche wertvollen Rohstoffe für Dein neues Smartphone aufzutreiben.

Ich dachte, wenn ich mir immer viel Mühe gebe, immer auch versuche, etwas mehr um die übernächste Ecke zu denken und die Gedanken auch mit größtmöglicher humanistischer Haltung niederschreibe, dass Du Deinen Freundinnen und Freunden Bescheid gibst, wie toll Du mich findest, damit die mich anschließend lesen, begeistert sind und dann fleißig liken und teilen und einen NOCH größeren Star aus mir machen. Nee, ist nicht mehr....

Du hast einfach keine Zeit mehr. Das ist wirklich traurig. Du musst immer nur arbeiten, willst kurze Texte mit möglich vielen Nippeln oder Popos „lesen“ und sobald Du nicht einverstanden bist mit einer, ja, auch meiner, Meinung, fängst Du an zu motzen und pöbeln und schreibst mir eine Mail oder eine Facebook-Nachricht, um mir mitzuteilen, dass es eine Frechheit ist, dass ich Woche für Woche für diese Zeitung schreiben darf. Oder Bücher schreiben darf. Und von dem Scheiß auch noch leben darf. Und überhaupt gehen auch nur Langweiler nach Berlin. Und warum darf jemand aus Berlin für eine luxemburgische Zeitung schreiben? Und das obwohl es so viele gute Leute gibt, die AUCH schreiben können, auch auf Luxemburgisch (!!!) und nicht eine solch EINMALIGE CHANCE bekommen. Wie soll ich sagen?

Das System ist einfach ein kleines Arschloch und niemand interessiert sich für Dich und Deine Meinung. Das ist traurig, aber wahr. Du weißt, dass ich am liebsten mich selbst wähle und ich selbst wähle die Themen und die Herangehensweise an letztere aus.

Deshalb möchte ich Dich um einen Gefallen bitten: Sei einfach still.

Zögere nicht, diesen Text zu kopieren und an Deine Wand zu kleben, denn die hässlichen Familienfotos interessieren keinen Mensch. Das hilft Dir auch bei der Interaktion mit Dir selbst, ja, Du wirst Dich wieder lieben können, und das System und das ganze Universum wird Dich zu belohnen wissen. Halte Deinen Mittelfinger hoch in die Luft und warte, bis jemand vorbeikommt, dem Du ihn zeigen kannst.