DIFFERDINGEN
SIMONE MOLITOR

Auf dem Areal des 1535° öffnet das Sonotron mit Aufnahmestudio und Proberäumen

Das Kreativzentrum 1535° in Differdingen ist um eine Stärke reicher. Das neue Projekt, das kurz vor der offiziellen Eröffnung steht, nennt sich Sonotron und bietet auf 1.000 m² Raum für die Musik. „Hier ist ein echter Musiktempel entstanden“, freute sich Roberto Traversino, Bürgermeister der Stadt Differdingen, gestern beim Presserundgang. „The new place of excellence for music in Luxembourg“, heißt es in einem Werbeclip. Und das Ergebnis kann sich tatsächlich sehen - und was die Akustik anbelangt, auch hören - lassen. Ein großes Aufnahmestudio (130 m²) mit „mixing room“ (50 m²) und Loungebereich (35 m²), neun Proberäume in unterschiedlichen Größen sowie ein kleines Tonstudio (46 m²), verteilt auf zwei Etagen im „Bâtiment C“ stehen Musikern künftig zum Proben oder für Aufnahmen zur Verfügung.

Optimale Bedingungen wurden auch in diesem Teil des aus den 1960ern stammenden Gebäudekomplexes geschaffen, der einst dem Stahlkonzern Arcelor gehörte. „So wenig wie möglich verändern, um das industrielle Erbe zu erhalten“, lautete derweil auch diesmal die Devise.

Plattform für Musiker jeder Art

Im Vorfeld, sagte Traversini, habe man sich mit der Frage beschäftigt, wie es gelingen könne, „die Musiker zu demokratisieren“, will heißen, ihnen einen Platz zu bieten, „egal wie alt sie sind oder auf welchem Niveau sie sich musikalisch bewegen“. „Die Hauptidee bestand darin, kreative Leute im Musikbereich zusammenzubringen. Bislang ist uns das im 1535° in jedem anderen kreativen Bereich ebenfalls gelungen. ,Alles, was Musik ist‘, war das Puzzlestück, das bislang noch fehlte“, erklärte der Bürgermeister. Inzwischen arbeiten übrigens fast 500 Menschen in 55 verschiedenen Unternehmen in dem „Creative Hub“, das damit das größte Zentrum für Kreativwirtschaft in Luxemburg ist.

Das Sonotron sieht sich indes nicht als Konkurrenz zum wenige Kilometer entfernt liegenden „Centre de Musiques Amplifiées“ der Rockhal (Rocklab). „Unser Konzept ist ein anderes“, bemerkte Tania Brugnoni, Direktorin des 1535°. Man wolle komplementär zum bereits bestehenden Angebot in der näheren Umgebung funktionieren. Erfahrung in diesem Kontext hat Differdingen derweil als Gemeinde bereits. Seit mehreren Jahren wird in verschiedenen Jugendhäusern ein ähnliches Angebot für junge Bands geboten, das sich allerdings auf Leute bis 26 Jahre beschränkt.

Stundenweise zu moderaten Preisen

„Im Gegensatz zum Rocklab sind unsere Probesäle nicht nur Musikern vorbehalten, die potenziell exportierbar oder bereits relativ professionell sind. Wir bieten hier eine Plattform, um erste Schritte zu machen, um sich zu professionalisieren oder einfach nur aus Spaß an der Sache zu musizieren“, hieß es weiter. Einmalig am Konzept in Differdingen ist wohl, dass die Proberäume an sieben Wochentagen stundenweise - via Internet - gemietet werden können. Als Band oder Musiker hat man demnach keinen festen Platz, weshalb jeder der hell gehaltenen Probesäle auch mit einer Basisausstattung (Drums, Verstärker und so weiter) versehen ist. Die Räume können derweil zwecks Tournee-Vorbereitung, Künstlerresidenz oder CD-Einspielung auch ganztags gemietet werden.

Kooperationen und Austausch

Viel Wert soll auf Kooperationen gelegt werden, so etwa allen voran mit der Rockhal. „Wir werden uns demnächst mit den Rocklab-Verantwortlichen zusammensetzen und auch zu anderen potenziellen Partnern Kontakt aufnehmen. Hierzulande ist es immer etwas komplizierter, zusammenzuarbeiten, weil doch jeder lieber in seiner Ecke alles für sich machen will“, sagte Traversini. Von Wichtigkeit sei auch der Austausch. „Genau das ist es, was das 1535° so stark macht, dass sich viele unterschiedliche kreative Leute begegnen und dass so möglicherweise etwas Neues entsteht. In der Musikszene hat das bislang noch gefehlt“, fügte er hinzu. „Wir bieten nur die Infrastruktur, die Mieter bringen Leben in die Mauern“, meinte ihrerseits Tania Brugnoni.

In Kürze soll indes eine Konvention mit dem Kulturministerium unterzeichnet werden, mit dem Finanzministerium ist das 1535° bereits seit letztem Jahr konventioniert. Die Proberäume werden indes zu moderaten Preisen vermietet, zwischen fünf und neun Euro pro Stunde. Der genaue Tarif muss noch ausgerechnet werden. „50.000 Euro steuert das Ministerium zu den Betriebskosten bei. Diese werden sich auf 150.000 bis 200.000 Euro pro Jahr belaufen. Es geht nicht darum, die Gemeindekasse zu füllen, die Rechnung soll nur am Ende aufgehen“, hieß es abschließend.

Über eine öffentliche Ausschreibung wird nun im Herbst noch nach einem Betreiber für das große Aufnahmestudio gesucht.


Alle Infos unter www.sonotron.lu