LUXEMBURG
SVEN WOHL

Manga allein reichen Sabrina Kaufmann nicht - die Zeichnerin organisiert zusätzlich Workshops und nimmt neue Projekte in Angriff

Manga gehören heute zum Popkulturbild wie jede andere Comic-Form auch. Doch während die franko-belgische „Bande Dessineé“ und der amerikanische Comic hierzulande bereits mehrere talentierte Künstler hervorgebracht hat, sind luxemburgische Mangazeichner noch Mangelwahre. Sabrina Kaufmann widmet sich dieser Stilrichtung bereits seit Jahren - und das mit Erfolg! Wir haben ein Interview mit der Künstlerin geführt:

Sie sind bereits seit einigen Jahren als Zeichnerin selbstständig. Was sind die wichtigsten Lektionen, die Sie in dieser Zeit gelernt haben?

Sabrina Kaufmann Auch wenn du selbstständig bist, musst du bescheiden bleiben und dir eingestehen, dass du noch viel zu lernen hast. Denn sobald du versuchst auf eigenen Beinen zu stehen, wirst du mit der harten Realität konfrontiert, mit der auch die anderen Künstler leben müssen. Dann erst erkennst du die eigenen Grenzen.

Als Mangazeichnerin sind Sie auf zahlreichen Conventions zu treffen. Bereiten sie sich jedes Mal auf die gleiche Art auf diese vor?

Kaufmann Anfangs habe ich versucht, mit immer dem gleichen Programm auf den Conventions zu sein. Aber es ist besser, sich seinem Publikum anzupassen. So sind Bücher- und Literaturfestivals eher an Familien und Mangaconventions eher an Jugendliche gerichtet. Auf der einen verkaufe ich mehr Bücher, auf der anderen eher Goodies. Durchschnittlich bin ich auf zwei Conventions im Monat.

In den vergangenen Monaten konnte man sehen, dass Sie versuchen, ihren Stil zu diversifizieren…

Kaufmann Ich habe festgestellt, dass man mit Manga alleine nicht über die Runden kommt. Selbst wenn man mit seinen Büchern über einen Verlag veröffentlicht, ist es sehr schwer. Für mein einziges Verlagswerk habe ich acht bis elf Stunden am Tag über eine Zeitspanne von sechs Monaten Nonstop investiert und wurde erst nach einem halben Jahr dafür bezahlt. Davon zu leben ist schwierig. Deshalb konzentriere ich mich aktuell eher auf Workshops und Illustrationen. Ich mag aber immer noch Manga - unter anderem arbeite ich wieder an meinem Webcomic „Illustrated Fairytales“. Der ist auch auf meiner Homepage für jeden verfügbar.

Wenn Sie schon ein Werk bei einem Verlag veröffentlicht haben, wieso nutzen Sie dann heute Selfpublishing?

Kaufmann Wenn man es mit einem Verlag versucht, verspricht man sich davon ja wirklich, eine weite Verbreitung zu erfahren. Oft ist das aber nicht der Fall. Auch, dass der Verlag die Rechte am Werk erhält, will vielen nicht gefallen.

Sie greifen seit Jahren auf die Crowdfunding-Plattform Patreon zurück. Wie sieht das Feedback aus?

Kaufmann Anfangs habe ich einiges getestet. Ich habe mehr Belohnungen vorgeschlagen, die auf lange Dauer nicht zu erfüllen waren. Vor allem die Kurse laufen sehr gut und da erhalte ich viel Feedback. Auch die Previews sind sehr beliebt.

Sie organisieren auch Kurse - wie sieht da das Publikum aus?

Kaufmann Meistens halte ich diese Kurse im Land, gelegentlich aber auch über die Grenzen hinweg. Es gibt viele Jugendliche, die sich dafür interessieren. Bei der Sommerakademie hat man ein anderes Publikum. Welche, die aus dem Bereich „Gamedesign“ oder anderen kommen. Als ich angefangen habe, waren es wirklich rein Manga/Anime Fans.

Was ist ihr größtes Vorbild unter den Mangazeichnern?

Kaufmann Takeshi Obata, der „Death Note“ gezeichnet hat. Er zeichnet unglaublich detailliert und konnte sich selbst nach dieser Serie noch wesentlich steigern. Er hat an Niveau gewonnen und es ist unglaublich, dass man selbst auf dieser Stufe sich überhaupt noch entwickeln kann. Das motiviert einen als Künstlerin schon sehr!

Könnten Sie sich vorstellen, in deren Arbeitsrythmus zu arbeiten?

Kaufmann Absolut nicht! Es fehlt natürlich auch an den notwendigen Strukturen in Luxemburg dazu. Und ich liebe die Workshops zu sehr, um den ganzen Tag ausschließlich Manga zu zeichnen.

Wo sehen sie sich in fünf Jahren?

Kaufmann In meinem Haus! Denn ich möchte nicht unbedingt ein separates Studio haben - ganz abgesehen davon, dass ich es mir nicht leisten kann. Eine Etage meines eigenen Hauses als Studio verwenden zu können, würde mir da mehr entgegen kommen. Wenn man spontane Ideen hat, ist es besser, dass es nahe liegt.

Mehr Informationen finden Sie auf sabrinakaufmann.com