LUXEMBURG
JEFF KARIER

Restaurant „Chiche“ soll den Weg in die Unabhängigkeit ermöglichen

In der Luft liegt der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee und in der Küche hört man, dass fleißig gearbeitet wird. Das Restaurant „Chiche“, auf 99 Route d’Esch in der Hauptstadt, hat erst vor einigen Wochen den Betrieb aufgenommen und bereits jetzt einen treuen Kundenstamm aufgebaut. Dabei handelt es sich um kein ganz normales Lokal, sondern um ein Sozialunternehmen, wie Frédérique Buck erklärt, die sich um die Kommunikation und die Vermarktung des Restaurants kümmert. Ähnlich, wie es auch das „Syriously“ ist, das nur einige Häuser weiter weg liegt.

Den Entschluss, hier an der Straßenecke das „Chiche“ zu eröffnen, sei bereits gefallen, als das „Syriously“ seinen Anfang nahm. „Mir war bewusst, dass all diese Gebäude zumindest für eine gewisse Zeit leer stehen würden“, erklärt Pitt Pirrotte. Ihm gehören die Gebäude und er hat auch schon das „Syriously“ mitgegründet. Es bestünde sogar die Möglichkeit, ein drittes Lokal direkt nebenan zu eröffnen. „Wir suchen noch nach der richtigen Idee, nach der richtigen Mannschaft“, führt Pirrotte aus. Allerdings sollen die Gebäude in etwa einem Jahr abgerissen werden und einem Neubau weichen. Weshalb man das „Chiche“ auch als „Pop-up-Restaurant“ bezeichnen kann.

In der Welt zuhause

Der Küchenchef ist Chadi, ein Syrer, der aber vor allem in Beirut aufgewachsen ist und bereits in anderen Ländern gekocht hat. Dadurch findet man auf der Karte des Restaurants auch Einflüsse aus anderen Regionen wieder. „Seit ich denken kann, liebe ich es zu kochen“, erklärt Chadi, der sich selbst nicht als Flüchtling sieht, sondern eher als jemand, der auf der ganzen Welt zuhause ist und nun eben in Luxemburg lebt und arbeitet.

Seit er im Großherzogtum angekommen ist, hat er viel Zeit im Hariko verbracht. Hier lernte er einige andere Syrer kennen. Mit ihnen baute er Möbel aus Holzpaletten und kochte gemeinsam Essen aus ihrer Heimat. „Wie es bei uns üblich ist, haben wir unser Essen mit anderen Menschen geteilt.“ Teilen ist sehr wichtig für Chadi, was er nun auch im „Chiche“ weiterführen möchte. So ist das Konzept des Restaurants, dass die Gäste mehrere größere und kleinere Gerichte bestellen und diese untereinander teilen.

Eine eigene Marke

Auch wenn Chadi der Chefkoch ist, ist er aktuell nur Angestellter. Wie Buck erklärt, bekomme er über einen längeren Zeitraum von den vier Aktionären des Restaurants Anteile geschenkt, bis er nach voraussichtlich zwölf Monaten alleiniger Anteilseigner des Restaurants ist.

So soll er es schaffen auf eigenen Beinen zu stehen. „Wir wollen mit ‚Chiche‘ eine eigene Marke schaffen mit der dazugehörigen Kundschaft, von der Chadi später profitieren soll“, erklärt Buck weiter. Das Restaurant sei ein Sprungbrett für den Koch, der später, wenn das Gebäude abgerissen wird, das „Chiche“ an anderer Stelle wieder eröffnen kann.

Neben Chadi arbeiten im Restaurant acht weitere Personen, die zuvor keine Arbeit gefunden hatten. Darunter auch Studenten sowie Personen, die nur Teilzeit arbeiten. „Wir packen aber auch mit an. Nicht nur weil wir die Initiatoren sind, es macht auch Spaß“, betont Pirrotte. Laut Buck sei dieser soziale Aspekt ein sehr wichtiger. Denn viele Flüchtlinge haben es schwer, in Luxemburg Arbeit zu finden, selbstständig zu werden und sich auf diesem Weg zu integrieren. „Das ‚Chiche‘ gibt solchen Personen Arbeit“, betont Buck, die hofft, dass andere sich von ihrer Initiative inspiriert fühlen und ebenfalls Sozialunternehmen gründen. „Wir wollen den Menschen dabei helfen. unabhängig zu werden und ein neues Leben in Luxemburg zu beginnen“, führt Pirrotte weiter aus.

Mit wenig viel erreichen

Der stilistische Mix des „Chiche“ aus alten Möbeln mit Retrocharme und zeitgemäßem Flair erzeugt eine einladende und gemütliche Atmosphäre. Verantwortlich für diese gelungene Inneneinrichtung ist Isabelle Dickes, die dabei viel Wert auf „Upcycling“ gelegt hat. „Unser Ziel war es, mit wenig Mitteln viel zu erreichen“, erklärt Buck. Das Lokal bietet im Erdgeschoss Platz für 70 Personen und im ersten Stock zwei Räume mit nochmals 40 Plätzen, die dann auch für private Anlässe gemietet werden können. Im Frühling wird zusätzlich eine Terrasse mit Garten den Gästen zur Verfügung stehen.

„Chiche“ ist aktuell dienstags bis sonntags von 18.30 bis 23.00 geöffnet. Mehr Informationen unter www.facebook.com/ChicheLuxembourg