LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Was passiert, wenn Sammler auf „Due Diligence“ und „Compliance“ stoßen

Kunstliebhaber wollen lieber nicht über Geld reden, schon gar nicht öffentlich - und Banker mögen alles, nur kein Risiko. Für sie aber sind Kunstmärkte genau das: Risikomärkte. Wie kommen diese beiden in Zeiten von Geldwäschegesetzen und Due Diligence miteinander aus? Darum ging es gestern bei einem Seminar der „Luxembourg Fine Art and Finance Association“ (LAFA) in den Räumen der Kanzlei Arendt&Medernach auf Kirchberg.

LAFA-Präsident Alain Mestat hatte Experten eingeladen. Der Moderator war sich durchaus dessen bewusst, dass seit der Finanzkrise 2008/ 2009 viele Banken das Wort Kunst nicht mehr hören wollen - was ihm ein Zuhörer, der in einer Bank arbeitet, gern bestätigte. Und dennoch: Wie geht der Markt damit um? 2015 kam die vierte EU-Richtlinie zum Geldwäschegesetz. Das blieb nicht ohne Auswirkungen auf den Kunstmarkt.

Ein Gesetz für Finanzprodukte auf Kunst anwenden

„Es geht vor allem darum, Kunden und Kunstwerke zu kennen und das Gesetz im Kunstmarkt anzuwenden, das eigentlich für den Finanzplatz geschrieben worden war“, ist Thierry André von ANDRisk überzeugt. Der Jurist hat zuvor selbst in einer Schweizer Bank das Risikogeschäft verantwortet. Auch Guy Albrecht, Direktor bei CDDS, eines 2009 gegründeten Unternehmens, das in Luxemburg, der Schweiz und Malta vertreten ist, kennt beide Seiten. Schließlich war er lange Head of Compliance. „Die Leute sind verunsichert, weil viele Käufer aus Russland und China kommen. Aber das macht sie noch nicht zu Kriminellen“, erklärte Albrecht. Seiner Meinung nach lässt die vierte EU-Richtlinie immer noch Platz für eine Ausweitung der Kontrollen. „Da ist noch viel Platz.“ Andererseits ist das Kunstgeschäft in seinen Augen auch nicht anders als das eines Metzgers. „Im Hinblick auf das Risiko gelten die gleichen Regeln. Jeder muss die Risiken für sich selbst kalkulieren.“

Kunst im Freeport

Claude Herrmann von „Fine Art Logistics Natural Le Coultre“ kennt das Geschäft aus dem Alltag, denn sein Unternehmen transportiert und lagert hochwertige Objekte: Oldtimer, Gemälde, Skulpturen und mehr. Die lagert das Unternehmen im Freeport auf Kirchberg. Es verfügt aber auch über weit größere Lager, beispielsweise in Genf.

„Als die Regel 2015 kam, war weder uns noch dem Regulator so richtig klar, wie das umzusetzen sei. Wir haben dann zusammengearbeitet“, berichtet er. Heute gibt es auch eine Vereinbarung mit dem Zoll. Weitaus schwieriger war es, die Kunden des exklusiven Angebots dazu zu bringen, Angaben im Hinblick auf Geldwäsche und Transparenz zu unterschreiben. „Heute ist Luxemburg Vorreiter in Sachen Transparenz“, findet Herrmann. „Das Gesetz hilft uns, Kunden zu vermeiden, die vielleicht nicht so gern die Regeln befolgt hätten.“ Auch auf der anderen Seite habe das positive Folgen: „Wenn wir jetzt mit Banken und Fonds reden, sind sie offen. Sie verstehen Kunst oft nicht und Compliance gibt ihnen Sicherheit.“

Wie sich echte von falscher Kunst unterscheidet, erklärte anschließend Maurizio Seraccini, der mehr als 42 Jahre Erfahrung hat. Er wundert sich immer noch darüber, wie leicht sich Auktionshäuser und Käufer hinters Licht führen lassen.