LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Gespräch zwischen Premier und Großherzog abgehört

Nachdem am Montag bekannt wurde, dass der ehemalige Geheimdienstchef 2008 heimlich ein Gespräch unter vier Augen mit Premier Juncker mitschnitt, ließ RTL Radio gestern eine noch größere Bombe platzen: „In Geheimdienstkreisen“ zirkuliere eine Diskette, auf der eine Unterredung zwischen dem Staatsminister und dem Großherzog aufgezeichnet sei. Und diese Diskette sei derart verschlüsselt, dass es bis heute nicht gelungen sei, sie zu lesen.

RTL wusste aber gestern zu berichten, dass es bei dem Gespräch zwischen Staatschef und Regierungschef um die Aussagen eines Zeugen geht, der in der Nacht vor dem Bombenanschlag auf Anlagen am Findel am 9. November 1985 Prinz Jean in unmittelbarer Nähe des Flughafens erkannt haben will. Dieser Zeuge hatte sich im November 1985 bei RTL gemeldet, nachdem der Sender eine neue Serie über die „Bommeleeër“ gestartet hatte. Den Namen des Mannes wollte der Zeuge allerdings nur gegenüber dem Premier nennen, der ihn denn auch empfing.

Darüber sollen Großherzog Henri und Juncker im großherzoglichen Palais gesprochen haben..., was offensichtlich jemand mitschnitt. Wer das war und zu welchem Zweck die Aufzeichnung benutzt werden sollte, bleibt ungewiss.

Auf jeden Fall erfuhr Marco Mille davon und wollte den Premier darüber unterrichten. Was in einem ersten Anlauf nicht gelang, so RTL. Der zweite Anlauf war dann die Episode mit der präparierten Uhr. Durch den Mitschnitt des Gesprächs mit Juncker habe sich der Geheimdienstchef absichern wollen, notfalls hätte er einen Beweis gehabt über Junckers Reaktion auf die Enthüllungen.

Später enthüllten andere Geheimdienstmitarbeiter dem Premier dann Milles Aktion, der sie kurz vor den Wahlen 2009 dem Geheimdienstkontrollausschuss meldete. Sechs Monate später kündigt das Staatsministerium an, dass der Geheimdienstchef als Sicherheitschef zu Siemens wechselt. Als der Premier im Dezember 2009 den Abgang Milles im Geheimdienstkontrollausschuss erklärt, wird natürlich ein Protokoll angefertigt. In dem auch steht, dass das ursprüngliche Gespräch zwischen Premier und Großherzog „brisant“ war. So brisant, meldet RTL, dass es das Land hätte erschüttern können.

Dabei hatte Jean-Claude Juncker am Montag zu Protokoll gegeben, dass es bei dem von Mille aufgezeichneten Gespräch um eine Information ging, „die sich als absolut nicht sicherheitsrelevant heraus stellte“. Dieses Protokoll, das von keinem der damaligen Mitglieder des Ausschusses signiert ist, kam am Mittwoch bei der letzten Sitzung der Kontrollkommission auf den Tisch. Es steht zu erwarten, dass bereits in den nächsten Tagen eine weitere stattfinden wird. Schließlich muss es doch Wege geben, diese Diskette zu entschlüsseln, wenn der Geheimdienst sie erstellt hat. Oder war es eine andere Organisation, die im „Palais“ Wanzen versteckte? Und sollte die Justiz nicht schon längst Kenntnis von dieser Abhörung im Palais im Rahmen der „Bommeleeër“-Affäre haben? Unseren Informationen zufolge hat die Staatsanwaltschaft nun mal das genannte Protokoll aus dem Geheimdienstkontrollausschuss beantragt. Auch hier die Frage, weshalb es sich nicht schon längst im Ermittlungsdossier „Bommeleeër“ befindet.