LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Aktionsplan für das immaterielle Kulturerbe in Luxemburg vorgestellt

Während Kulturstaatssekretär Guy Arendt darum bemüht war, gegen den „Schueberfouer“-Lärm anzureden, bretterte im Hintergrund die „Wilde Maus“ über die Schienen, gänzlich unbeeindruckt davon, dass im „Restaurant Kugener“ im selben Augenblick eine Pressekonferenz stattfinden würde. Dass gerade der Rummelplatz auf dem Glacis-Feld als Austragungsort gewählt wurde, hatte natürlich seinen Grund, immerhin gehört die „Fouer“ zum immateriellen Kulturerbe Luxemburgs, das gestern Gegenstand des Pressetermins war. Vorgestellt wurde ein Aktionsplan für dessen Schutz und Erhalt.

Unter „immateriellem Kulturerbe“ versteht die UNESCO „die Praktiken, Darbietungen, Ausdrucksformen, Kenntnisse und Fähigkeiten - sowie die damit verbundenen Instrumente, Objekte, Artefakte und Kulturräume -, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Individuen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen“. Geregelt ist dieses Kulturgut durch eine UNESCO-Konvention aus dem Jahr 2003, die hierzulande zwei Jahre später umgesetzt wurde. 2008 legte Luxemburg sein erstes nationales Inventar vor. Aufgelistet sind die Schobermesse, die Echternacher Springprozession, die „Éimaischen“ und die „Oktave“. Am 16. November 2010 wurde die Springprozession als bislang einziger Brauch aus dem Großherzogtum auf die UNESCO-Liste der immateriellen Kulturgüter der Menschheit aufgenommen.

Liste vervollständigen

„Dieses Inventar auszubauen, lag mir am Herzen, immerhin ist seit 2008 nichts mehr passiert“, sagte Arendt. Anfang des Jahres wurde Patrick Dondelinger als Verantwortlicher des immateriellen Kulturerbes damit beauftragt, den Bestand aufzuarbeiten. Ziel ist es, diese Liste zu aktualisieren und zu vervollständigen. „Wir zählen dabei auf die Zusammenarbeit mit den Bürgern, die dafür sorgen, dass diese Bräuche am Leben gehalten werden, deshalb rufen wir Gemeinden, Vereinigungen und Privatleute dazu auf, uns ihre Vorschläge zu unterbreiten“, erklärte der Staatssekretär weiter. Dies kann man tun, indem man das dazu vorgesehene Formular auf der neuen Internetseite www.iki.lu ausfüllt, die seit gestern online ist.

Erneuerung erwünscht

„Wir leben heute anders, unsere Gewohnheiten haben sich verändert und trotzdem bleibt die ,Fouer‘ ein typisch luxemburgischer Brauch und ein einzigartiges Rendezvous im Jahr“, meinte Arendt. Ähnlich formulierte es die Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer, die darauf aufmerksam machte, dass die Schobermesse mit ihren weit über 600 Jahren deutlich älter sei als verschiedene schützenswerte Gebäude. „Auch wenn wir immer der Meinung sind, Steine würden am längsten halten, so sind es doch die Bräuche und Rituale, die eine Gesellschaft zusammenhalten. Sie sind Teil der Seele unserer Gesellschaft und unseres Landes. Damit ein Brauch so lange überleben kann, muss man sich erstens seines Werts bewusst sein und muss er sich zweitens weiterentwickeln können“, sagte Polfer. Nicht umsonst wird das immaterielle Kulturerbe gerne auch als „lebendiges Kulturerbe“ bezeichnet.

Als Präsidentin der für die Zusammenarbeit mit der UNESCO zuständigen nationalen Kommission bezeichnete Simone Beck das immaterielle Kulturerbe als „Schmelztiegel der kulturellen Identität“. Damit dieses Erbe auch tatsächlich lebendig sein könne, müsse es bekannt gemacht, geschützt und noch dazu darüber geforscht werden. Dies ist letztlich das Ziel der UNESCO und des gestern vorgestellten Aktionsplans.

Vier Kategorien bleiben zu füllen

In der Tat gilt es fünf verschiedene Kategorien zu füllen. Während die vier genannten traditionellen Veranstaltungen ihren Platz unter dem Stichwort „Gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste“ gefunden haben, herrscht in den Rubriken „Mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen“, „Darstellende Künste“, „Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum“ und „Fachwissen über traditionelle Handwerkstechniken“ noch Leere. Das soll sich nun mithilfe der Bürger ändern.

Keine ausgestorbenen Traditionen

Auf der neuen Website findet man in vier Sprachen alle wichtigen Informationen rund um das immaterielle Kulturerbe in Luxemburg sowie im Allgemeinen und die Bedingungen, die erfüllt werden müssen, um in das nationale Inventar aufgenommen zu werden. „Immaterielles Kulturerbe ist all das, was die Leute, die es praktizieren, als solches sehen, was ihnen ein Gefühl von kultureller Identität vermittelt“, meinte Patrick Dondelinger. Wohlverstanden handele es sich um lebendige Riten, die von einer Generation an die nächste weitergegeben werden, wenngleich in den Lebensgewohnheiten angepasster Form. Bereits ausgestorbene Traditionen würden nicht in die Liste aufgenommen. Voraussetzung sei außerdem, dass sie niemanden ausschließen würden und dass sie dem Zusammenleben in Luxemburg auch heute noch dienen würden.

Die eingereichten Vorschläge werden von einer Arbeitsgruppe im Kulturministerium analysiert und anschließend mit dem Kulturminister diskutiert. Ob man bereits eine Vorstellung habe, welche Ideen noch nachkommen könnten, beantwortete Arendt mit einem überzeugten „Natürlich“, beispielsweise „Klibberen oder Buergbrennen“. Simone Beck könnte sich derweil im Kontext der „Éimaischen“ auch das Kunsthandwerk der Aulenbäcker vorstellen.


Alle Informationen unter www.iki.lu