LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Landwirtschaft freut sich über eine gute Getreideernte 2018 - Aber die Dürre macht zu schaffen

Premiere für das traditionelle Erntegespräch gestern: Zum ersten Mal fand es in den neuen Einrichtungen der „De Verband“-Gruppe in Colmar-Berg statt. Der Komplex, in dem sämtliche Verwaltungsposten des genossenschaftlichen Betriebs zusammen gefasst werden und rund 12.000 Tonnen Getreide aufbewahrt werden können, wird übrigens in naher Zukunft offiziell eingeweiht, nach knapp drei Jahren Bauzeit.

Die Freude über das neue Hauptquartier war umso größer als zur ersten „Karschnatz“-Pressekonferenz dort eine gute Getreideernte 2018 angekündigt werden konnte. Wie diese ausfällt entscheidet sich bereits im Jahr davor, wie Steve Turmes, der Direktor der Luxemburger Saatbau- Genossenschaft (LSG) ausführte. So herrschten im Herbst 2017 gute Bedingungen für die Bestellung der Wintergetreide-Felder und sorgte der niederschlagsreiche Winter für genügend Wasserreserven in der Wachstumsphase der Pflanzen. Deren Entwicklung „explodierte“ regelrecht ab April, der diesmal überdurchschnittlich warm ausfiel.

Rapsanbauflächen gehen zurück

Der „Boom“ führte dazu, dass die Ernte sehr früh anlaufen konnte und die erste Wintergerste-Lieferungen bereits Mitte Juni zu den Annahmestellen gelangten, während die Weizenernte bereits am 2. Juli anlief. Den Landwirten kam beim „Karschnatz“ die trockene Witterung zugute, denn zwischen Erntebeginn und -ende gab es diesmal keine längere Regenperiode, wie das in den vergangenen Jahren der Fall war. Mitte August war das Gros der Weizenernte bereits eingefahren, quasi nichts davon musste nachgetrocknet werden..

„Die Qualität war im letzten Jahr schon gut, dieses Jahr ist sie noch einen Deut besser“, erklärte der LSG-Direktor. Der durchschnittliche Ertrag pro Hektar liegt mit rund 65 Tonnen auf dem Durchschnittsniveau der letzten drei Jahre. „Die Ernte bei der Wintergerste war durchschnittlich, bei Triticale (eine Hybridsorte aus Roggen und Weizen d.R.) war sie überdurchschnittlich, beim Weizen sehr gut“, resümierte Steve Turmes, „nur beim Raps fehlen 15 bis 20 Prozent gegenüber den Vorjahren“. Das hat allerdings weniger mit dem Wetterbedingungen zu tun als mit dem Rückgang der Anbauflächen.

Die Gesamtfläche ist seit 2010 von 4.700 Hektar auf 3.500 gesunken. Wie „De Verband“-Direktionsmitglied Klaus Palzkill erklärte sind Verbote oder Nutzungseinschränkungen von gewissen Herbiziden und Schädlingsbekämpfungsmittel der maßgebliche Grund dafür, dass weniger Bauern das Risiko Rapsanbau eingehen möchten. Die Nachfrage habe auch nachgelassen, während die nach anderen pflanzlichen Ölen wie Palmöl oder Sojaöl zugenommen habe.

In Konsequenz sinkt der Preis für Rapsöl. Beim Getreide ist derzeit das Gegenteil der Fall. Trotz hervorragender Ernten in Frankreich und in den südlichen Ländern Europas. Allerdings hat es im Norden und Osten des Kontinents zum Teil katastrophale Ernten gegeben und auch in der Region um das Schwarze Meer. Während insgesamt der Hunger auf Getreide in der Welt steigt und das Angebot nicht mithalten kann, so dass die Reserven sinken.

Steigende Getreidepreise

Die Preise steigen also. Eine solche Lage - gute Ernte und hohe Preise - sei bislang selten in Luxemburg zu beobachten gewesen, sagte Palzkill. Sie bringt mit sich, dass die Erlöse der Getreideproduktion in diesem Jahr leicht über den Kosten liegen. Zwischen 2014 und 2017 lagen die Erlöse weit unter den Kosten. „Aber dieser kleine Vorsprung wird relativ schnell aufgebraucht sein“, meinte der Fachmann. Denn ein Landwirtschaftsbetrieb hat viele Kostenpunkte, die ihn belasten. Darunter auch die steigenden Pachtpreise.

Dürre trifft Grünland, Mais und Gemüse

Aber auch die Kosten für die Viehzucht. Die werden in diesem Jahr vornehmlich durch die Auswirkungen der Dürre nach oben getrieben. Denn in den langen, heißen Wochen ab Anfang Juli vertrockneten die Wiesen, eine dritte Maht wie in den vergangenen Jahren wurde unmöglich. Konsequenz: Die Viehbauern müssen viel Futter einkaufen. Nun hofft man auf ausreichend Regen, damit das Gras wieder wächst und trotzdem noch ein Schnitt im Grünland durchgeführt werden kann für die Winterreserven.

Auch dem Mais, der momentan geerntet wird - so früh wie noch nie übrigens - , hat die Trockenheit zugesetzt. Für eine Bilanz ist es noch zu früh, die Landwirtschaft rechnet aber bereits mit hohen Ausfällen.

Durchwachsen werde wahrscheinlich auch die Kartoffelernte. Unnötig zu betonen, dass die Trockenheit dem delikaten Gemüseanbau alles andere als förderlich war. „Also alles im Lot angesichts der guten Getreideernte?“ lautete die rhetorische Frage von Landwirtschaftsminister Fernand Etgen zum Abschluss des Erntegesprächs, „das ist nicht so ganz einfach“.

Jedes Jahr sei anders und das Gesamtbild des „Karschnatz“ habe halt viele Nüancen. Er appellierte auch vor dem Hintergrund immer extremerer klimatischer Bedingungen an die Landwirte, sich so weit wie möglich gegen Ernteausfälle zu versichern. Der Staat steht ihnen hier zur Seite indem er etwa 65 Prozent der Prämienzahlung übernimmt. Die Probleme mit der Dürre in diesem Jahr hat die Regierung nach Brüssel gemeldet. Die EU-Kommission habe sich prinzipiell bereit erklärt, höhere Ausfallentschädigungen zu ermöglichen.