LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Ausprobiert: Gelungenes Zusammenspiel von CFL, Standseilbahn und Trambahn

Nach dem Volksfest rund um die Trambahn am Sonntag, stellt sich jetzt die Frage, wie sich das neue Verkehrsmittel und die neuen Bahnhöfe in der Praxis bewähren. Also los und selbst testen. Zunächst ein Bekenntnis. Der Autor hasst Busfahren, was ihn bis jetzt zum Verächter des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Luxemburg machte. U-Bahnen in Großstädten sind toll, aber das Schaukeln in übervollen Stadtbussen ist ätzend, da steh ich lieber mit dem Auto im Stau.

Drei schienengebundene Verkehrsmittel

Die Aufgabe für den ÖPNV-Neuling ist klar umrissen: Wie lange braucht man mit Eisenbahn und Trambahn von der Straßburger Straße bis zur vorläufigen Endstation an der Messe?

Um 14.07 raus aus der Redaktion, nach acht Minuten Fußmarsch den Bahnhof erreicht. Der nächste Zug nach Norden, der Regionalexpress nach Ulflingen fährt in einer Minute ab (14.16), leider auf Gleis 10. Kurzer Zwischenspurt, aber der Triebwagenführer plaudert noch. Nach der Abfahrt hab ich auch meine U-Bahn, es dauert bis der Zug ans Tageslicht kommt. 14.24 in Pfaffenthal angekommen. Ein paar Schritte bis zu einer langen Rolltreppe, dann warten die Wagen der Standseilbahn. Es fällt auf, dass ausgerechnet die archaische Technik- zwei Wagen hängen an einem Seil und der Motor in der Bergstation hilft nur der Schwerkraft etwas auf die Sprünge - des „Funiculaire“ Fahrgäste aller Altersklassen fasziniert. Die beiden Waggon rollen aufeinander zu und weichen in der Mitte ihrer einminütigen Fahrt blitzschnell voreinander aus.

Um 14.28 sind wir oben in der Kopfstation. Davor liegt die Trambahnhaltestelle „Rote Brücke“. Noch ist hier Schluss. Bis zum nächsten Frühsommer soll sich das ändern, dann will die Betreibergesellschaft „Luxtram“ mit der Trambahn schon bis zum „Stäreplaz“ fahren.

Knackige Beschleunigung

Jetzt kann man noch zuschauen, wie die Trambahn, die gerade aus Richtung Messe einfuhr und alle Fahrgäste ausgeladen hat, noch ein Stück vorzieht, kurz hinter einer Weiche stoppt und der Wagenführer von einem Führerstand zum anderen wechselt. In dem Moment. Als er die Systeme an diesem Ende der Wagengarnitur aktiviert, springt auch die Beleuchtung auf der Stirnseite um: Von Rot auf Weiß. So wird aus hinten vorne. Der Zug rollt wieder an und erreicht die Haltestelle. Um 14.33 schließen sich die Türen, um 14.34 fährt er ab um gleich wieder - 14.35 - an der Haltestelle „Philharmonie/Mudam“ zu stoppen. Der Fahrer dieser Wagengarnitur liebt es zackig, mit jedem Anfahren geht ein Ruck durch den Zug, der die Fahrgäste schwanken lässt. Dafür ist er sparsam mit der Ansage der Stationen. Der Zug steht schon, die Türen sind bereits offen - dann kommt erst der Stationsname aus dem Lautsprecher. Um 14.46 erreichen wird die Endstation „Luxexpo“ am Serra-Kreisel. 30 Minuten vom Hauptbahnhof bis zur Luxepo ist meiner Meinung nach eine gute Zeit. Die Busprofis in der Redaktion werden später die Nase rümpfen „Das schafft der Bus auch!“ Aber ich fahre nun mal nicht mit dem Bus.

Hoher Zuspruch

Es fällt auf, dass die Trambahn vom ersten Tag an angenommen wird. Sie ist gut gefüllt und bringt Menschen nicht nur von Endstation zu Endstation. An den Stationen wird rege ein- und ausgestiegen. Altbürgermeister Paul Helminger ist mit seinem Dackel unterwegs, um die Tram nach dem Festakt von Sonntag in der Praxis zu testen.

Ein Frage des Fahrstils

Auf der Rückfahrt fällt auf, dass die Trambahnführer einen größeren Einfluss auf das Fahrverhalten haben als angenommen. Dieser fährt viel sanfter an als der vorige und bremst auch entsprechend besser, außerdem nennt er die Stationsnamen bei der Einfahrt in die Haltestelle.

Nach zehn Minuten folgt der Wechsel in die Standseilbahn und dann in den nächsten Zug Richtung Hauptbahnhof - um 15.16 stehe ich wieder auf dem Bahnsteig.

Für die Stadtbusprofis mag diese Tour nichts Besonderes sein, aber ich werde Zug und „Funiculaire“ in Zukunft zumindest bei Presseterminen im MDDI nützen.

Jetzt muss Minister Bausch nur noch die „Charly“-Trasse nach Remich wieder aufbauen, dann könnte ich glatt zum treuen Bahnkunden werden…