LUXEMBURG
INGO ZWANK

Am Sonntag wird die Tram in den öffentlichen Transport integriert - Luxtram-Generaldirektor André Von der Marck über Stellenwert und Zukunft der Straßenbahn

Es war im September 2017, als die Luxemburger erstmals einen Blick hinter die Kulissen der neuen Tram werfen konnten. Die Besucher konnten die Straßenbahn genau unter die Lupe nehmen - und sogar an Bord auf einer kurzen Strecke mitfahren. Knapp drei Monate später steht die offizielle Jungfernfahrt auf Kirchberg an diesem Sonntag auf dem Fahrplan. „Es sehr schöner Anlass“, sagt André Von der Marck, Generaldirektor der Betreibergesellschaft Luxtram, im „Journal“-Gespräch. Hier blickt er auf den Ist-Zustand vor dem großen Tag und auch in die Zukunft der Tram und des öffentlichen Transports.

Der große Tram-Tag steht an. Wie laufen die Vorbereitungen, ist alles im Zeitplan für den 10. Dezember?

André Von der Marck Als Erstes möchte ich sagen, dass es nicht nur ein Tag für die Tram ist. Es ist ein Tag für den gesamten öffentlichen Transport hier in Luxemburg.

Was nun aber die Tram angeht, so sind wir bereit, den Kunden unser Angebot zu präsentieren. Wir werden den Kunden die Tram im Sechs-Minuten-Takt an den jeweiligen Stationen zeigen können. Wir wollen die Tram vorstellen, die Fahrzeuge sind schön groß, dass wir sicher sind, die Kapazität entsprechend stemmen zu können.

Wir wollen die Tram als passendes, ergänzendes Instrument im öffentlichen Nahverkehr mit einer entsprechend passenden Reiseatmosphäre vorstellen. Dafür wollen wir - vor allem auch am 10. Dezember - werben.

Für unsere Fahrer ist es am Sonntag auch das erste Mal, dass sie mit Gästen unterwegs sind. Da ist es dann auch für uns wichtig, dass wir sicher unterwegs sind, so dass aus dem angedachten Elf-Minuten-Takt auch ein Zwölf- oder Dreizehn-Minuten-Takt werden kann. Sicherlich haben wir ein paar kleine Details, die noch nicht ganz passen, aber dafür haben die Kunden sicherlich Verständnis. So haben wir ja auch das Angebot eingeräumt, dass bis zum 30. Januar 2018 die Tram kostenlos genutzt werden kann.

Neben der Straßenbahn werden am kommenden 10. Dezember auch die Eisenbahnhaltestelle in Pfaffenthal und der „Funiculaire“, die die Passagiere vom Pfaffenthal auf die Rote Brücke befördert, sowie die „Gare Howald“ in Betrieb genommen - die Tram wird den ganzen öffentlichen Transport beeinflussen und der öffentliche Transport wird der Tram angepasst. Können Sie kurz den Stellenwert der Tram beschreiben?

Von der Marck Wie ich schon eingangs auch im Hinblick auf den kommenden Sonntag sagte, darf man die Tram nicht alleine betrachten. Natürlich sticht die Straßenbahn aktuell heraus. Auch wenn man auf dem Kirchberg unterwegs ist und die Straßenbahn in ihrer Farbe sieht, dann ist sie beispielsweise mehr präsent als die Seilbahn oder auch der Zug. Wir sind jetzt an einem Punkt, wo ein neues Element in das Mobilitätskonzept in Luxemburg eingefügt wird. Und alle Elemente in diesem Mobilitätskonzept greifen ineinander, alle Komponenten des öffentlichen Transportes werden zusammengeführt.

Wenn man es sich genau anschaut, so können wir später auf der Tramstrecke Cloche d’Or-Findel an zehn Punkten an andere Stätten und Stellen des öffentlichen Transportes anknüpfen. Man kann daher das Konzept nicht nur an der Straßenbahn aufhängen. Daher ist es sehr schön, dass wir am Sonntag mit allen Partnern des öffentlichen Transportes ein gemeinsames Fest feiern können, ist es doch auch ein gemeinsames Konzept.

Wie steht es um den weiteren Zeitplan? Stichwort: „Theater“, „Faïencerie“ bis zur „Stäreplaz“?

Von der Marck Ich kann sagen, dass wir auch hier im Zeitplan liegen. Wir rechnen damit, dass wir im Frühjahr bis zur „Stäreplaz“ fahren werden - das Frühjahr geht bekanntlich ja bis in den Juni. Wir müssen sehen, wie die Witterungsbedingungen sind, wie sich der Winter entwickelt. Wir haben aktuell bei uns neun Bahnen stehen, wir brauchen sieben, um den Transport bis zur „Stäreplaz“ im Sechs-Minuten-Takt sicherzustellen.

Es gibt aber auch noch andere Teilabschnitte für die Tram, die in der Zukunft anstehen!

Von der Marck Ja, da wäre der Abschnitt Hauptbahnhof bis Cloche d’Or und auch die Strecke Luxexpo bis zum Findel. In den kommenden Wochen wird sich das Parlament mit dem weiteren Finanzierungspaket beschäftigen, dies ist natürlich für uns eine sehr wichtige Etappe. Wenn die Finanzierung steht, ist dies ein wichtiges Zeichen in Richtung Zukunft, dass wir eventuell in den kommenden vier Jahren die komplette 16 Kilometer lange Tramstrecke realisieren können. o