LUXEMBURG
MARIA WIMMER

Ein Paar aus Lothringen will das Land und seine Bewohner zu Fuß entdecken und berichtet über die zweiwöchige Reise auf seinem Blog

Die Geschichte von Stephan und Olesia Soudière ist eine besondere. Er, früherer Banker und heute freiberuflicher Fotograf, hat sie, eine russische Food-Fotografin und Managment-Studentin, im Internet kennengelernt. Die Fotografie verbindet sie auf Anhieb, aber auch die Neugier auf andere Länder und Menschen. Gemeinsam wollen sie in gut zwei Wochen Luxemburg und seine Bewohner zu Fuß entdecken und davon auf ihrem Blog mit dem Titel „Luxembourgian Stroll“ (Luxemburger Spaziergang) berichten.

Stephan, der Bankwesen, Finanz und Recht in Luxemburg und Straßburg studiert hat, lebte jahrelang als „Compliance-Officer“ in London. Die Arbeit erfüllte ihn nicht, füllte aber sein Leben komplett aus, bis er „kein Leben mehr hatte“ - sogar seinen Urlaub brach er ab, wenn er in der Bank gebraucht wurde. Schließlich beschließt Stephan, sein Leben zu ändern und kehrt nach Frankreich zurück, um sich der Fotografie zu widmen. Ein Hobby, das er schon als Kind praktiziert hatte, weil sein Großvater ein Fotoreporter gewesen war. Stephan spezialisiert sich auf die Aufnahme von Gebäuden und moderner Architektur.

Beeindruckt von der Gastfreundschaft

2014 unternimmt er eine Reise durch Lettland, aber nicht als Tourist. Er ist zu Fuß unterwegs, um die Bewohner kennenzulernen und berichtet von seiner Reise auf seinem Blog. Olesia, die er über ihre Internetseite kennengelernt hat, ist begeistert davon. „Als Kind habe ich mit meinem Vater viele Ausflüge auf dem Wasser gemacht, wie Rafting. Ich hatte unglaubliche Lust, einfach zu wandern“, sagt Olesia, die an der „Higher School of Economics“ in St. Petersburg studiert.

Olesia, die ein Erasmus-Semester in der Tschechischen Republik plant, und Stephan treffen sich schließlich in Riga, der lettischen Hauptstadt. Danach geht alles sehr schnell. Nachdem sie ihr Studium im Sommer beendet und ihren Job als PR-Assistentin einer Restaurantkette aufgegeben hat, reisen die beiden im September 2015 erneut durch Lettland - als Paar. Im November haben sie geheiratet und Olesia ist zu Stephan in die Nähe von Thionville gezogen.

Olesias Augen leuchten, wenn sie von der Lettland-Reise erzählt. Zuerst habe sie Angst gehabt, dass man ihr als Russin mit Vorurteilen begegnen würde, aber das Gegenteil sei der Fall gewesen. „Die Menschen waren so offen und haben gerne Russisch und über Russland geredet“, sagt Olesia. Sie ist beeindruckt von der Gastfreundschaft der Menschen, die sie zum Essen einladen, obwohl sie nur nach Wasser gefragt haben. Und davon, dass die Menschen glücklich sind, obwohl sie nicht viel besitzen.

Die beiden haben sich vorgenommen, jedes Jahr ein Land auf diese Weise zu entdecken. Ihre nächste Reise führt Stephan und Olesia am 1. Juni nach Luxemburg. Zehn bis fünfzehn Tage lang wollen sie das Land in einem Zickzackkurs durchwandern und täglich rund 20 Kilometer zurücklegen, rund 250 Kilometer sind insgesamt geplant. Es soll eine Entdeckungsreise und keine touristische Wanderung sein, daher werden sie große Städte vermeiden und auch abseits von klassischen Wanderrouten und quer durch den Wald unterwegs sein, mit dem Kompass in der Hand. Auf Google Earth haben sie den Weg so geplant, dass ihnen keine Flüsse im Weg sind.

Die Route hat der Architektur-Fotograf so ausgewählt, dass er besondere Gebäude fotografieren kann. Die Bilder will er im Herbst auf einer Ausstellung in Luxemburg zeigen. Rund 20 Kilo Gepäck wird jeder von ihnen schleppen müssen, da beide ihre Fotoausrüstung, inklusive Stativ, dabei haben.

Start ist in „Schmëtt“ an der belgisch-luxemburgischen Grenze, danach geht es von Esch/Sauer und Vianden über Diekirch, Colmar-Berg, Larochette, Beaufort und Echternach, Junglinster und Luxemburg-Stadt bis nach Schengen. Ein Ort, der weltbekannt ist, aber den nur wenige wirklich kennen, sagt Stephan, dessen Mutter aus Luxemburg stammt. Ihm ist es wichtig, Luxemburg und seine Bewohner so zu zeigen, wie es wirklich ist, nicht als Postkarte, aber auch nicht als Finanzplatz - ein Klischee, auf das das Land immer reduziert werde. Auch will er das Vorurteil entkräften, dass Luxemburger keine Franzosen leiden könnten.

Bei Luxemburgern übernachten

Wo sie übernachten werden, wissen sie noch nicht. Zelt und Schlafsack haben sie dabei, können sich aber auch vorstellen, bei Luxemburgern zu übernachten, die sie auf ihrer Reise kennenlernen. Denn genau das ist ihr Ziel - mehr über das Land und seine Bewohner zu erfahren, indem sie ihnen zu Fuß und nicht als Touristen begegnen, die sich nur für Sehenswürdigkeiten interessieren. Stephan hofft, so lokale Weinbauer oder Honigproduzenten zu treffen. Je nachdem, wem sie begegnen, werden Stephan und Olesia ihre Route leicht abwandeln. Wer die beiden auf ihrer Reise treffen oder ein Stück ihres Weges begleiten möchte, kann sie kontaktieren - sie werden über eine luxemburgische Handynummer erreichbar sein.

„Wandern erlaubt es, die Zeit zu verlangsamen. Man ist nicht an Termine gebunden, man ist frei“, findet Stephan. Auch wenn er als Fotograf finanziell nicht mehr so gut lebt, wie als Banker, hat er zwei Dinge gewonnen, die unbezahlbar sind: Freiheit und Zeit.


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